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Kommunalpolitik

23.03.2017

Das große Kandidaten-Duell bleibt in Augsburg aus

Margarete Heinrich beim SPD-Neujahrsempfang in diesem Jahr. Sie wird 2018 wohl in den Landtag einziehen.
Bild: Michael Hochgemuth

Margarete Heinrich hat nun gute Chancen, in den Landtag zu wechseln. Dirk Wurm, der als ihr Kontrahent galt, bleibt nun lieber an der Seite von Oberbürgermeister Gribl.

Der Mann genießt bei seinen Parteifreunden derzeit einen bedingungslosen Rückhalt: Mister 100 Prozent, so wurde Martin Schulz nach seiner Wahl zum SPD-Vorsitzenden tituliert. Irgendwann im Herbst gibt es in Augsburg ebenfalls eine parteiinterne Entscheidung. Dann legen die von den Ortsvereinen aufgestellten Delegierten fest, wer im Stimmkreis Augsburg-Ost als Kandidat bei der Landtagswahl 2018 antreten soll. Die Vorzeichen sind seit Dienstag klar: Ordnungsreferent Dirk Wurm hat seinen Verzicht auf die Kandidatur erklärt.

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Damit läuft alles auf die Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Margarete Heinrich, hinaus. Andere Bewerber haben sich bislang nicht gemeldet. Sie könnten es bis kurz vor der Nominierungsversammlung tun, womit nach Stand der Dinge nicht zu rechnen ist. Dieses Szenario würde die Augsburger SPD, die gegenwärtig zur Ruhe gekommen ist, andererseits bis ins Mark erschüttern. Dass Margarete Heinrich nun als wohl unangreifbare Kandidatin dasteht, hat mit Parteiräson zu tun.

Ein besonderer Reiz

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Ein Duell zwischen Wurm und Heinrich um die Landtagskandidatur, das bis vor wenigen Wochen durchaus zu erwarten war, hätte sicherlich einen besonderen Reiz ausgeübt. Die Ausgangslage war so einzuschätzen, dass es ein sehr enges Rennen geworden wäre – Ausgang offen. Das hätte bedeutet, dass beide potenziellen Kandidaten intensiv um jede Delegiertenstimme hätten werben müssen. Das Ringen um die Gunst in den Ortsvereinen hätte letztlich dazu führen können, nicht nur sich selbst hervorzuheben, sondern in den eigenen Reihen den Kontrahenten madig zu machen.

Dies alles wird meist nicht auf offener Bühne ausgetragen, sondern hintenherum. Ein Zweikampf zwischen Wurm und Heinrich hätte zum Pulverfass werden können. Politisches Zündeln im internen Duell hätte die SPD in allergrößte Not gebracht – zumal, wenn die Öffentlichkeit hautnah mitbekommen hätte, wie sich zwei Führungsfiguren beharken. Beide Bewerber hätten in einem solchen Fall zwar sicherlich betont, dass sie einen fairen Wahlkampf führen wollen. Abgenommen hätte es man ihnen aber nur schwer.

Eine verlockende Kandidatur

Die Landtagskandidatur ist verlockend. Das liegt daran, dass sie für einen Sozialdemokraten in einem Augsburger Stimmkreis hohe Erfolgsaussichten birgt. Da die Großstadt in zwei Stimmkreise aufgeteilt ist, profitieren Augsburger Bewerber vom Auszählverfahren: Sie können mit vielen Erst-, aber auch Zweitstimmen rechnen. Beide Zahlen zusammengerechnet, ergibt sich der Platz auf der schwäbischen Liste aller Kandidaten. Die Augsburger Bewerber sind gegenüber ihren schwäbischen Mitstreitern also im Vorteil. Wer für die SPD in Augsburg antritt, hat quasi den Freifahrtschein.

Warum hat Dirk Wurm freiwillig auf dieses Ticket in den Landtag verzichtet? Er betont, dass er nach reiflicher Überlegung und vielen Gesprächen mit Parteifreunden zur Entscheidung gekommen sei, in einer Funktion als Ordnungsreferent, der zudem für Sport zuständig ist, noch viel in Augsburg bewegen zu können. Das ist die offizielle Lesart, aber sicher nicht die ganze Wahrheit. Wurm hat, dafür spricht einiges, die eigenen persönlichen Interessen zurückstellen müssen, um seiner Partei und Fraktion Auseinandersetzungen zu ersparen.

Ein Scherbenhaufen?

Ein Sieg von Wurm im Duell gegen Heinrich hätte womöglich gar einen Scherbenhaufen hinterlassen. Margarete Heinrich hätte an dieser Niederlage schwer zu knabbern gehabt. Es wäre für sie eine zweite politische Enttäuschung in vergleichsweise kurzer Zeit gewesen. Zur Erinnerung: Die 51-Jährige hatte sich im Jahr 2014 Hoffnungen gemacht, einen Referentenposten in der Stadtregierung zu bekommen. Heinrich ging aber leer aus, zum Zug kamen OB-Kandidat Stefan Kiefer, heute Sozialreferent und Bürgermeister, sowie Dirk Wurm.

Der frühere Fraktionsgeschäftsführer, dessen Onkel der langjährigen Kommunalpolitiker Klaus Kirchner ist, kam überraschend zum Zug. Seine Partei schlug Wurm für den Referentenposten vor. Eine gewisse Dankbarkeit für diese damalige „Beförderung“ spielt bei Wurms aktueller Entscheidung nun sicherlich eine Rolle. Ein Wechsel vom Referentenposten in den Landtag hätte der Augsburger SPD nicht ins strategische Konzept gepasst. Wurm wäre Ende 2018 in den Landtag gezogen. Die nächste Kommunalwahl ist im Frühjahr 2020. Es ist nicht mal sicher, ob wegen der überschaubaren Zeit dann ein Ersatz für Wurm als Referent gesucht worden wäre. Die Verantwortung für das Ordnungsreferat hätte bis zur Kommunalwahl auf andere Referenten verteilt werden können.

Es wäre noch schwieriger gewesen

Die SPD wäre so mit nur einem Referenten, Stefan Kiefer, in die Kommunalwahl gezogen. Dies hätte es noch schwieriger gemacht, dem Wähler die SPD-Handschrift in der Stadtregierung deutlich zu machen. Da Wurm jetzt bleibt, sind die personellen Voraussetzungen besser. Die SPD hat die Kommunalwahl 2020 fest vor Augen. Das ist der Hauptgrund für die jetzige Personalentscheidung. Dass Margarete Heinrich bei der Nominierungsversammlung zur Miss 100 Prozent wird, gilt als ausgeschlossen. So groß wie für den neuen Parteivorsitzenden Schulz ist ihr Rückhalt in den eigenen Reihen nicht. Was in diesem Fall aber für Heinrich zählt, ist die Landtagskandidatur.

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