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Augsburg

17.12.2020

Der Augsburger Stadtrat entscheidet über die Linie 5

Führt durch die Hörbrotstraße künftig eine Straßenbahn oder nicht? Der Stadtrat wird am Donnerstag die Weichen dafür stellen.
Bild: Wyszengrad (Archivbild)

Plus Der Augsburger Stadtrat will über den Verlauf der Linie 5 entscheiden. Teile der Opposition fordern noch eine tiefergehende Prüfung und sehen offene Fragen.

Am Donnerstag soll der Stadtrat eine Entscheidung zur Streckenführung der Linie 5 treffen, nachdem in der Novembersitzung drei Stunden debattiert und ein Beschluss zurückgestellt worden war. Stadtwerke und Stadt Augsburg favorisieren wie berichtet eine "geflügelte Variante" durch Rosenau- und Pferseer Straße bzw. durch Perzheim- und Hörbrotstraße, in der Opposition gibt es Sympathien für eine Trassierung durch die nördliche Rosenaustraße. Sozialfraktion und "Augsburg in Bürgerhand" haben beantragt, alle 33 von den Stadtwerken abgeprüften Varianten vorgelegt zu bekommen.

"Das Thema der künftigen Trassenführung der Linie 5 wird in der Bürgerschaft sehr kontrovers diskutiert und es handelt sich um ein sehr wichtiges Projekt für die Anbindung des Augsburger Westens durch den ÖPNV, das auch sehr kostspielig ist", so Sozialfraktionschef Florian Freund ( SPD). Darum sei Eile fehl am Platz. Stadt und Stadtwerke argumentieren, dass man das Genehmigungsverfahren für die Linie 5 bei der Regierung von Schwaben noch in diesem Jahr starten müsse, damit die Zahlen aus den für das Jahr 2030 gerechneten Verkehrsprognosen noch verwendbar sind. Seitens der Regierung von Schwaben hieß es auf Anfrage unserer Redaktion, dass die Verwendbarkeit von Prognosen bisher weder geprüft noch thematisiert worden sei, da ja noch kein Antrag auf die Genehmigung eingegangen sei. Voraussetzung dafür ist der Stadtratsbeschluss, in dem sich die Stadt auf eine bevorzugte Variante festlegt.

Auf welcher Strecke soll die Linie 5 in Augsburg verlaufen?

Die Frage der Trassierung ist umstritten. Zuletzt gab es eine Demonstration von Bürgern aus dem Thelottviertel, die auf die Baumfällungen bei der von der Stadt gewünschten Trasse entlang der Holzbachstraße hinweisen. Hinter dem Protest steht freilich auch die Überlegung, dass die Trassierung durch die Holzbachstraße mit der bei einigen Anwohnern ungeliebten Streckenführung durch die Hörbrotstraße in Verbindung steht. In die entgegengesetzte Richtung geht ein Vorschlag der Bürgeraktion Pfersee, die eine Trassierung der Linien 3 und 5 (geplant) durch die Hörbrotstraße im Zweirichtungsverkehr fordert, um die Kreuzung Pferseer Straße/Rosenaustraße zu umfahren. Und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub fordert im Hinblick auf die Auswirkungen für den Radverkehr nochmal eine offene Diskussion, nachdem Baureferent Gerd Merkle ( CSU) bei der geflügelten Variante eher Vorteile für den Radverkehr sieht.

 

Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) sagte am Mittwoch im Vorfeld der Stadtratssitzung, dass am Donnerstag über die Vorzugsvariante abgestimmt werden solle. Stadt und Stadtwerke halten weiter an der geflügelten Variante fest. Die Fragen der Opposition zu Bäumen und zum Verkehr werde die Verwaltung beantworten. Eine vertiefte Prüfung einer Streckenführung ohne eigenen Gleiskörper durch die Rosenaustraße, wie sie die Sozialfraktion fordert, halte sie für nicht nötig. Die Sozialfraktion argumentiert, dass diese Variante aufgrund sich ändernder Zuschussbedingungen attraktiver geworden sei, und verweist auf Stellungnahmen des früheren Chefs der Münchner Verkehrsbetriebe, Herbert König. Sie will diese Variante auch durch externe Gutachter geprüft wissen. Die Stadtwerke konterten, dass zwar Änderungen der Förderung gesetzlich beschlossen seien, es aber noch keine konkreten Ansagen staatlicherseits zu den Einzelheiten gebe. Insofern könne man damit noch nicht arbeiten. Im Übrigen seien die Varianten durch verschiedene Gutachter untersucht worden.

Eva Weber vertraut auf die Verkehrsplaner

"Es ist gut, wenn Fragen gestellt werden, aber irgendwann muss es auch mal gut sein", so Weber zum Vorstoß der Sozialfraktion. Die SPD habe in der vergangenen Legislatur schließlich immer die Vorbeschlüsse für die geflügelte Variante mitgetragen. Nun, wo sie in der Opposition sei, spiele sie auf Verzögerung. "Wenn etwas nicht passt, wird nochmal eine Variante ins Spiel gebracht", so Weber. Sie vertraue den Untersuchungen der Verkehrsplaner.
 

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17.12.2020

Das Traurige an der Augsburger Verkehrsplanung ist, dass die Straßenbahn als Allheilmittel gesehen wird. Mit Bahnhofstunnel, der für Busse 20cm zu schmal ist, wird eine zweifelhafte Zukunft in Beton gegossen. Wer weiss denn schon, ob in 20 Jahren Straßenbahnen noch modern sind und es inzwischen nicht wesentlich bessere Systeme gibt?
Anstatt die neu entstehenden Wohngebiete mit Elektrobussen großflächig zu erschließen, wird auf Brechen und Biegen versucht, die extrem aufwändige Infrastruktur der Straßenbahn in ein dafür ungeeignetes Stadtviertel zu quetschen. Wie wenig es bringt, nur aus Ideologiegründen ein scheinbar effizientes Verkehrsmittel einzusetzen, sieht man an der Linie 6 in Hochzoll.

Linie 5? Vergesst es einfach und konzentriert euch wieder auf das Wesentliche.

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17.12.2020

Frau Weber müsste jetzt ein Machtwort sprechen!
Der Straßenbahnbau durch Hörbrot- und Holzbachstraße ist der beste Weg!
Auch wenn Bäume gefällt werden müssen, die können nachgepflanzt werden!
Wenn Anwohner in der Hörbrotstr. keine Tram wegrn Lärm haben möchten, wie man oft liest, dann frage ich mich was ist heute starker Autoverkehr oder nicht?
Ich wohne mitten in der Stadt mit Straßrnbahn und Bus vor der Tür und findes super.
Wer Ruhe will soll aufs Land ziehen! Stauden z.B.

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17.12.2020

Mir ist völlig egal auf welcher Trasse die Straßenbahn auf ein paar hundert Metern fährt. Hauptsache sie wird nun endlich gebaut! Diese Verzögerung ist doch in Trauerspiel.

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17.12.2020

>> "Das Thema der künftigen Trassenführung der Linie 5 wird in der Bürgerschaft sehr kontrovers diskutiert und es handelt sich um ein sehr wichtiges Projekt für die Anbindung des Augsburger Westens durch den ÖPNV, das auch sehr kostspielig ist", so Sozialfraktionschef Florian Freund ( SPD). Darum sei Eile fehl am Platz. <<

Die Initiatoren der "Mobilitätsdrehscheibe" vom Regenbogen (u.a. SPD und Grüne) arbeiten ja schon seit dem Bürgerentscheid 2007 intensiv an einer Trasse für den Hinterausgang des Bahnhofstunnels - eine Entscheidung in 2020 wäre nun wirklich übereilt ;-)

Wenn man 13 Jahre lang nacheinander alle Trassen politisch ausschließt, bleibt 2023 nur ein ganz dummer 250 Mio Torso übrig.

Wer einen Tunnel baut, der geradeaus auf die Hörbrotstraße mündet, sollte sich irgendwann mit der Möglichkeit anfreunden auch "geradeaus" mit halbwegs großzügigen Kurvenradien > 60 Meter weiter zu fahren und eine eigene Wertachbrücke für die Tram zur Ecke Hessenbachstraße/Augsburger Straße zu bauen - so werden auch Konflikte mit Rad- und Autoverkehr minimiert!

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