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Augsburg

25.01.2021

Die 300 Millionen Euro für Augsburger Schulsanierungen reichen nicht aus

Die 300 Millionen Euro aus dem Schulsanierungsprogramm sind aufgebraucht und verplant.
Foto: Silvio Wyszengrad (Archiv)

Plus Fünf Jahre nach dem Start des 300 Millionen-Euro-Programms für Augsburgs Schulsanierungen ist das Geld komplett verplant. Die Liste offener Projekte ist aber noch immer lang.

Das Geld reicht nicht. 300 Millionen Euro schwer ist das systematisches Schulsanierungsprogramm, das die Stadt im Jahr 2015 in Angriff genommen hat. Doch fünf Jahre nach dem Start des Projekts und zehn Jahre vor dem geplanten Auslaufen ist das Geld in weiten Teilen schon ausgegeben oder bereits verplant. Und dass, obwohl an vielen Schulen noch Aufgaben offen sind. Das war von Anfang an klar, inzwischen ist aber absehbar, wie weit man mit den 300 Millionen Euro kommt, da mehrere Projekte wegen der Baupreise und wegen nötigen Umplanungen (etwa die Fachoberschule/Berufsoberschule) deutlich teurer werden. Um alle Augsburger Schulen auf einen vernünftigen Standard zu bringen, sei wohl eine Summe zwischen 600 Millionen und einer Milliarde Euro realistisch, schätzt Bildungsbürgermeisterin Martina Wild (Grüne) - wobei dies aber nur eine grobe Zahl sei.

An manchen Schulen in Augsburg regte sich in der Vergangenheit Unmut

Bereits in der vergangenen Periode regte sich unter Martina Wilds Vorgänger Hermann Köhler (CSU) Unmut an einzelnen Schulen wie dem Holbein- oder dem Peutinger-Gymnasium, weil sie trotz des Sanierungsprogramms keine Modernisierungsperspektive für sich sahen. Auch unter der neuen Regierung gab es wegen des Jonglierens mit den Sanierungen an der Schillerschule und dem Diesel-Gymnasium schon Ärger, wobei die Stadt in mehreren Fällen kurzfristig Geld lockermachte, um die Wogen zu glätten.

In den vergangenen Jahren flossen aus dem 300-Millionen-Euro-Topf um die 58 Millionen Euro in bereits abgeschlossene Projekte, unter anderem in die Gesamtsanierung der Hans-Adlhoch-Schule in Pfersee, den Ganztagsausbau an der Kriegshaber-Grundschule und die Erweiterung der Rote-Tor-Schule, rechnet Wild auf Anfrage unserer Redaktion vor. Weitere 99 Millionen Euro flossen oder fließen in Projekte, die momentan in der Umsetzung sind. Dazu zählen unter anderem die Gesamtsanierung des Diesel-Gymnasiums (44 Millionen Euro) sowie die Sanierungen von Löweneck-Schule (Oberhausen) und Schiller-Schule (Lechhausen). Und weitere 138 Millionen Euro sind für Projekte vorgesehen, die sich noch in der Planungsphase befinden. Allen voran geht es um die Sanierung von Augsburgs größtem Schulkompex: der Fachoberschule/Berufsoberschule und Reischleschen Wirtschaftsschule. Allein dieses Projekt wird voraussichtlich mit über 100 Millionen Euro zu Buche schlagen. Zweiter großer Brocken ist der Ersatzneubau der Johann-Strauß-Grundschule in Haunstetten (um die 30 Millionen Euro) sowie Teilsanierungen am Holbein- und Peutinger-Gymnasium und diverse weitere Projekte.

Diese Schulsanierungen sind in Augsburg in Zukunft geplant

Auf der Warteliste stehen etliche weitere Sanierungsmaßnahmen, etwa die Gesamtsanierung des Holbein-Gymnasiums, die Erweiterung von Holl-Schule und Drei-Auen-Schule sowie als die wohl größten Brocken der Neubau einer dritten Realschule im Osten der Stadt, die Gesamtsanierung oder ein Neubau des Peutinger-Gymnasiums im Reese-Park und der Bau einer weiteren Grundschule im geplanten Neubaugebiet Haunstetten-Südwest. Konkrete Kosten- und Zeitpläne hat die Stadt für diese Projekte noch nicht in der Schublade. Dafür wird aber weiterhin viel Geld nötig sein.

Noch habe man Geld aus dem 300-Millionen-Euro-Topf, der einen erhöhten Fördersatz des Freistaats beinhaltet. Das Land wird geschätzt um die 120 Millionen Euro zahlen, die restlichen 180 Millionen Euro muss die Stadt über Sonderkredite mit elf Jahren Laufzeit aufbringen. "Wenn absehbar wird, dass wir mit diesen Mitteln am Ende sind, werden wir Gespräche auch mit dem Freistaat führen", kündigt Martina Wild an. Derzeit könne man noch nichts sagen, weil dafür erst einmal gebaut und an anderer Stelle weiter geplant werden müsse. Speziell was Neubauten betrifft, gebe es lange Planungsprozesse, zumal man den Freistaat grundsätzlich von einer Förderung für Neubauten überzeugen müsse.

Für wie viele Schüler braucht man in Augsburg künftig Platz?

Auch deswegen lässt die Stadt momentan ein Gutachten erstellen, das einen Ausblick zur Schülerzahl der Zukunft gibt. Es soll Klarheit bringen, bei welchen Schularten und in welchen Stadtteilen künftig welcher Bedarf für Augsburger Schüler und Gastschüler herrschen wird. Womöglich werde man sich angesichts vieler Neubaugebiete auch über die einzelne Änderung von Schulsprengeln Gedanken machen müssen, so Wild. Insgesamt, so Wild, die ihren Vorgänger Köhler zusammen mit der SPD im Kommunalwahlkampf vor einem guten Jahr wegen seines Agierens beim Peutinger-Gymnasium attackiert hatte, sei man speziell seit 2015 bei den Sanierungen einen guten Schritt weitergekommen. "Wir haben einen guten Start mit großen finanziellen Mitteln hingelegt", so Wild.

Auch für die Zukunft (Wild: "Es geht hier nicht nur um die nächsten fünf oder sechs Jahre") sei klar, dass Schulen beim Verteilen des städtischen Geldes Priorität haben müssten. Das ist auch die erklärte Marschrichtung von Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU). Im angespannten Corona-Haushalt 2020/21 fließt in der Tat relativ viel Geld in Schulsanierungen.

Wild betont, es gehe nicht nur um die Ertüchtigung von Gebäuden oder Defizite beim Brandschutz, die häufig der Auslöser für eine Sanierung sind. "Unter einer Gesamtsanierung ist mehr zu verstehen", so Wild. Dazu gehöre auch, Schulen für Ganztagsangebote auszustatten, die Digitalisierung voranzutreiben oder Schulen als soziale Ankerpunkte fürs Quartier zu öffnen. Das treibt die Kosten weiter in die Höhe. Gleichzeitig würde es niemand verstehen, so Wild, wenn man Wände öffne, um neue Leitungen für eine Brandmeldeanlage zu verlegen, und dabei IT-Kabel nicht gleich mit einziehe.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Das Sanierungsprogramm ist ein großer Wurf, aber ...

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Die Diskussion ist geschlossen.

27.01.2021

@Julian R. Ich bin weder verbittert noch verbissen. Und konstruktiv könnte man nur sein, wenn Bürger (in dem Fall Schulleiter, Lehrer, Schüler) bereits im Vorfeld mit eingebunden werden würden und nicht vor Tatsachen gestellt werden die nicht mehr zu ändern sind.
Politiker wollen, und machen dies auch, sich in jeder Hinsicht profilieren und sich als Experten auf jedem x-beliebigen Gebiet den Bürgern gegenüber dar zu stellen. Die größte Unfähigkeit der Behörden, samt Ausflüchte wie es dazu gekommen ist, muss man nicht lange im Internet nachschlagen.

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25.01.2021

300 Millionen / 5 Jahre und die Verantwortlichen Politiker und "Entscheider" machen sich erneut lächerlich weil sie sich als Experten auf jedem Gebiet sehen und nichts auf die Reihe bekommen.

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26.01.2021

Mit Verlaub: Ihre Kommentare wirken immer verbissener und zunehmend verbittert. Von konstruktivem Duktus ganz zu schweigen. Sind Sie sicher, dass Sie die aktuelle Situation gut verarbeiten oder wäre es mal besser, die Welt aus einem weniger strengem Blickwinkel mit etwas Empathie für die Mitmenschen zu sehen?

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26.01.2021

Julian R., das ist der Wutbürger-Blues.

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