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Augsburger Geschichte

23.10.2019

Die Me 108 war Messerschmitts erster großer Erfolg

Die elegante Reise-Limousine Me108 ist vielfach in Messerschmitt-Werkskalendern abgebildet.
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Die elegante Reise-Limousine Me108 ist vielfach in Messerschmitt-Werkskalendern abgebildet.
Bild: Häußler

1938 wurden die Bayerischen Flugzeugwerke in Messerschmitt Flugzeugwerke umbenannt. Ein Reiseflugzeug brachte Gewinn und hohes Ansehen.

Willy Messerschmitt war seit Herbst 1928 technischer Direktor der Bayerischen Flugzeugwerke AG (BFW) in Augsburg. Ehe sie seinen Namen trugen, vergingen zehn Jahre: Am 11. Juli 1938 wurden daraus die Messerschmitt Flugzeugwerke. Darin waren meist mehrere Messerschmitt-Neuentwicklungen gleichzeitig im Bau. Sie bekamen von nun an statt „Bf“ (Bayerische Flugzeugwerke) das Messerschmitt-Kürzel „Me“ vorangestellt: Die „Bf108“ wurde zur „Me108“.

Dieses Reise- und Sportflugzeug war ein Viersitzer mit Kabine. Es wurde das erste zivile Erfolgsmodell von Messerschmitt. Der elegante Ganzmetall-Tiefdecker mit einziehbarem Fahrwerk flog erstmals am 13. Juni 1934. Insgesamt 885 Maschinen wurden in Deutschland gebaut, 175 davon in Augsburg. Hauptkunde war die Luftwaffe: Sie orderte 755 als Kurier- und Schulungsflugzeuge. Bis 1939 wurden 119 Me108 exportiert.

Das Erfolgsmodell Me108 Taifun beherrschte Ende der 1930er-Jahre die Werbung bei Messerschmitt. Den Beinamen „Taifun“ verlieh ihm die Rekordfliegerin Elly Beinhorn. Sie flog 1935 mit einer Bf 108 innerhalb 24 Stunden 3470 Kilometer: bis Istanbul und wieder zurück nach Deutschland. Damit machte sie auf die noch unbekannte Maschine „made in Augsburg“ aufmerksam. Bis Ende 1937 hatte sie weit über 100000 Kilometer in der Taifun zurückgelegt. Messerschmitt stellte ihr jeweils die neueste Bauversion zur Verfügung. Elly Beinhorn und ihr Mann, der Rennfahrer Bernd Rosemeyer, wurden zu Werbe-Ikonen für die Me108.

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Von Europa bis Australien

Jedes Wochenblatt im Werkskalender der Bayerischen Flugzeugwerke für 1938 trägt ein großformatiges Schwarz-Weiß-Foto. Der „Star“ war die Me 108: Sie ist auf 28 der 52 Fotos abgebildet. Sie sei „das private Verkehrsmittel des leitenden Geschäftsmannes und Industriellen“ heißt in einer Bildbeschriftung. „In Europa, Afrika, Amerika, Asien oder Australien, überall hat sich die Messerschmitt Taifun glänzend bewährt“, ist unter einem Foto der „fliegenden Limousine“ in Kairo zu lesen. Es spricht für den anhaltenden Bekanntheitsgrad der Me108, dass sie es 1979 auf eine Briefmarke der Bundespost schaffte.

Vier Bildkalender für 1938, 1941, 1942 und 1943 hinterließ der 1977 im Alter von 89 Jahren verstorbene einstige „Messerschmittler“ Albert Noa. Die vier Kalender zeigen 116 Fotos. 1938 ist das Jagdflugzeug Me109 erst achtmal abgebildet, ab 1940 ist es oftmals im Flug, im Verband, in Nordafrika, im Wintereinsatz zu sehen. Die Fotos dokumentieren jedoch nie Krieg, Kampf, Tod, Zerstörung. Es sind perfekte Flugaufnahmen und teilweise idyllische Szenen auf Feldflugplätzen in einem mörderischen Krieg.

Menschen aus Messerschmitts Umfeld

Luftfahrt-Historiker widmeten sich nicht nur Messerschmitt-Flugzeugen, sondern auch der Person Willy Messerschmitt. Sie verfolgten sein Leben und Wirken und auch die Biografien von Menschen aus seinem Umfeld, die in Krisen die Hand über ihn und über die Messerschmittwerke hielten. Ab 1933 waren es ausschließlich im NS-Regime Etablierte. Dazu zählte Ernst Udet. Der Fliegerheld des Ersten Weltkriegs stand seit Beginn der 1920er-Jahre mit Messerschmitt in Kontakt. Vom 1. Februar 1939 bis zu seinem Suizid am 17. November 1941 war Ernst Udet Generalluftzeugmeister der Wehrmacht.

Willy Messerschmitt freundschaftlich verbunden war seit den frühen 1920er-Jahren das spätere NSDAP- und SS-Mitglied Theo Croneiß. Er fungierte ab 1938 als Wehrwirtschaftsführer. Am 30. April 1942 wurde Croneiß für ein halbes Jahr Vorstandsvorsitzender der Messerschmitt AG und „Betriebsführer“ des Werkes Augsburg. Willy Messerschmitt musste damals nach Fehlschlägen die Unternehmensleitung abgeben und sich auf seine Tätigkeit als Chefkonstrukteur beschränken. Am 7. November 1942 starb Theo Croneiß. Ihm folgte als Augsburger „Betriebsführer“ Rakan Kokothaki, ebenfalls ein früher Wegbegleiter von Willy Messerschmitt. Er war ab 1926 kaufmännischer Angestellter bei den Bayerischen Flugzeugwerken und erwies sich als Finanzexperte. 1932 bestellte ihn Willy Messerschmitt zum kaufmännischen Direktor, ab November 1942 war Kokothaki „Betriebsführer“ in Augsburg.

Einsatz von Fremd- und Zwangsarbeit

In den Messerschmitt-Werken Beschäftigte und Dienstverpflichtete konnten den mit Kriegsbeginn eintretenden Arbeitskräftemangel nicht ausgleichen. Rakan Kokothaki hatte als „Betriebsführer“ ab November 1942 den Einsatz von Fremd- und Zwangsarbeitern sowie KZ-Häftlingen zu verantworten. Willy Messerschmitt fungierte seit April 1942 ausschließlich als Chefkonstrukteur des Rüstungskonzerns. Aus diesem Grund wurden ihm nach dem Zweiten Weltkrieg die Ausbeutung und der Tod von KZ-Häftlingen nicht angelastet.

Willy Messerschmitt war ab 1945 interniert, aber nie angeklagt. Im Entnazifizierungsverfahren wurde er als „Mitläufer“ eingestuft. „Sein erfülltes Ingenieursleben war ganz dem konstruktiven Schaffen gewidmet“, heißt es in einer Würdigung zu seinem 80. Geburtstag am 26. Juni 1978. Inzwischen sehen Historiker seinen Beitrag zur Hochrüstung und zur Kriegsführung kritischer.

Im nächsten „Augsburg-Album“ geht es um Geschwindigkeits-Weltrekorde mit Messerschmitt-Flugzeugen.

Frühere Folgen des Augsburg-Albums finden Sie bei uns im Internet unter

augsburger-allgemeine.de/ augsburg-album

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