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Augsburg

04.03.2019

Diese Frau kämpft für Beschäftigte von Ledvance, Fujitsu und Co.

Angela Steinecker ist gerne Gast der Boulangerie in Pfersee. Besonders die Crêpes mag sie gern.
Bild: Bernd Hohlen

Angela Steinecker ist Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall und setzt sich bei Ledvance und Fujitsu für Arbeitnehmer ein. Das verlangt ihr viel ab.

Die Meldung über die Schließung des Augsburger Lampenherstellers Ledvance (vormals Osram) verbreitete sich in Augsburg und der Region Ende 2017 wie ein Lauffeuer – und sie katapultierte Angela Steinecker ganz plötzlich in die Öffentlichkeit. Als Unternehmensbeauftragte seitens der IG Metall kämpfte sie von Beginn an für die Rechte der Beschäftigten, stand bei Kundgebungen und Veranstaltungen an vorderster Front und wurde für die Medien zur begehrtesten Interviewpartnerin überhaupt. Seither setzt sie ihren Kampf für die noch verbliebenen Ledvance-Beschäftigten, beispielsweise im Logistikzentrum, fort und hat mit der geplanten Werksschließung von Fujitsu schon eine neue Herausforderung. Auch hier ist sie diejenige, die als Sprecherin der Arbeitnehmer im Fokus der Öffentlichkeit steht.

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Seit 2006 ist Steinecker bei der IG Metall

Doch wer ist Angela Steinecker eigentlich? Die 40-Jährige wurde in Augsburg geboren, ist Stadtratsmitglied für die SPD sowie Juristin für Arbeits- und Sozialrecht. Seit 2006 ist sie Mitglied der IG Metall und übernahm hier zunächst an zwei Tagen die Rechtsberatung für Gewerkschafsmitglieder, 2013 stieg sie hauptamtlich bei den Arbeitnehmervertretern ein, ist Gewerkschaftssekretärin und hat damit ihren Traumjob gefunden: „Ich kann hier Politik und Juristerei optimal miteinander verbinden.“

Was sie an ihrer Aufgabe reizt, sind die unterschiedlichen Menschen

Was sie an ihrer Aufgabe reizt, sind die unterschiedlichen Menschen und Charaktere, mit denen sie es in ihrem Job zu tun bekommt – von „positiv verrückt“ bis „verzweifelt“. Und die Möglichkeit, mit ihnen für ihre Rechte und Belange zu kämpfen. „Manchmal wissen die Menschen gar nicht, was ihnen zusteht, wie wichtig Altersvorsorge ist oder wie sie sich in bestimmten Situationen helfen können“, erzählt sie. Dann könne sie Anwältin, Ansprechpartnerin und Freundin sein. Wenn rechtliche Möglichkeiten nicht ausreichen, setzt Steinecker auf ihr politisches Verhandlungsgeschick, um zu vermitteln. Auch das kann manchmal helfen.

Dass ihr Einsatz für andere nicht immer einfach ist, hat ihr der Fall Ledvance gezeigt. Es war das erste Mal, dass Steinecker eine Firma als Unternehmensbeauftragte der IG Metall betreut hat. „Das hat mich streckenweise an meine Grenzen gebracht“, sagt sie rückblickend. Während sie als Anwältin gelernt habe, mit Feierabend auch die Geschichten der Mandanten hinter sich zu lassen, sei ihr das bei Ledvance nicht gelungen. „Das war derart emotional, dass wir oft nachts um vier Uhr untereinander WhatsApp geschrieben haben, weil wir einfach nicht abschalten konnten“, so die Gewerkschafterin. An manchen Tagen habe sie sich gefühlt, als sei sie selbst von den Schließungsplänen betroffen. „Zum Ende der Verhandlungen war ich richtig ausgepowert. Das hat man mir auch angesehen“, sagt sie.

Nach den Verhandlungen mit Ledvance brauchte sie Urlaub

Deshalb hat Angela Steinecker im Anschluss vier Wochen Urlaub gemacht, um neue Kraft zu tanken. Am besten gelingt ihr das beim Reisen, ihrer großen Leidenschaft. Zuletzt war die 40-Jährige, die sich auch hier für die Menschen, ihre Lebensumstände und Kulturen begeistert, im Oktober in Dubai. Kommen dann noch ein Buch von ihrem derzeitigen Lieblingsautor John Strelecky und Dance-, House- oder Technomusik dazu, kann Steinecker vollends entspannen.

Dann ist auch Zeit für ihre zweite große Leidenschaft: das Tagebuchschreiben. „Ich habe schon einen ganzen Karton voller Bücher und schaue da auch immer mal wieder rein. Dann sehe ich zum Beispiel, ob ich Vorsätze oder Wünsche von einst auch wirklich in die Tat umgesetzt habe“, beschreibt die Frau lachend.

Jetzt stehen für Steinecker Verhandlungen mit Fujitsu an

Ihren Wunsch, einmal ein eigenes Buch zu schreiben und zu veröffentlichen, muss Angela Steinecker derzeit aber dennoch zurückstellen. Zunächst stehen die Verhandlungen für Fujitsu an. Hier will die Juristin aus ihren Erfahrungen von Ledvance profitieren und sich und den Beschäftigten mehr Ruhephasen zwischen den Gewerkschaftsaktionen gönnen. „Sonst kommen wir schnell wieder an unsere Grenzen. Das darf nicht sein“, ist sie überzeugt. Und auch davon, dass die IG Metall das Bestmögliche für die Beschäftigten erreichen wird. Wenn das gelungen ist, kann sich Steinecker auch wieder eine größere Pause gönnen und vielleicht einem ihrer Tagebucheinträge gerecht werden. Dort sind je eine Reise nach Australien und Kuba als Ziele angegeben.

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