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Kolumne

10.11.2017

Ein Auto weniger - ein Hoch auf das Lastenrad

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3 Bilder
Fahrradtransport? Mit dem Lastenrad kein Problem.
Bild: Sven Külpmann

Fahrt in die Kita, Möbeltransport, Handwerker-Besuch: Das Potenzial von Lastenrädern ist schier unerschöpflich, schreibt unser Kolumnist Sven Külpmann.

Als wir mit unserem ersten Lastenrad durch Augsburg fuhren, waren wir sicher schon keine Pioniere mehr. Dennoch zog man mit einem Transportrad noch viele Blicke auf sich. Wenn ich die Frage nach dem Preis beantwortete, wurde dies häufig mit einem Augenrollen quittiert. Beides ist seltener geworden, was ich als Zeichen dafür sehe, dass die praktischen Wegbegleiter auch in Augsburg angekommen sind. Das Preisbewusstsein der Fragenden scheint sich auch verändert zu haben: Wenn man ihnen sagt, dass sich ein Lastenrad - sofern es ein Auto ersetzt - nach etwa eineinhalb Jahren durch die Einsparungen von ganz alleine bezahlt hat, bekommt man heute ein zustimmendes Nicken.

Damals konnte sich noch kaum jemand annähernd das ganze Potenzial der Pedalschlepper vorstellen. "Ein Auto weniger" lasen die Leute den Aufkleber auf meinem Rad und lachten. Ich machte mir einen Spaß daraus, den Küchentisch mit seinen sechs Stühlen inklusive Transport auf dem Rad zum Verkauf anzubieten. Nicht nur am Spielplatz oder auf dem IKEA-Parkplatz liebte ich es, automobilen Mitmenschen die Augen zu öffnen. Um so mehr freut es mich zu sehen, dass immer mehr Mitbürger sich die Frage nach der Relevanz des eigenen Autos stellen und zugunsten des Rades beantworten.

Früher kannte ich fast alle Lastenradler in Augsburg persönlich. Heute sehe ich immer mehr neue entspannte Gesichter, die sich aus dem Stau befreit haben. In den Morgenstunden sehe ich immer mehr Mütter und Väter, die ihre Kinder per Lastenrad zur Kita fahren.

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Mehr Freude

Viele scheinen Kosten-Rechnung für sich selbst gemacht zu haben: Nicht nur im Portemonnaie spiegelt sich die Entscheidung für das Rad wieder! Auch macht die Fahrt mehr Freude, man hat frische Luft und Bewegung. Mit den Kindern ist es schön, näher an der Natur zu sein. Man entschleunigt das Leben. Ich sehe mit einem bisschen Stolz auf die Firma, in der ich arbeite, wo man sich ein Lastendreirad zugelegt hat. Für Dienstfahrten, aber Mitarbeiter können sich das Fahrzeug auch privat ausleihen. Ich sehe dieses Beispiel und fange an zu träumen.

Ich träume davon, dass Lastenräder für Unternehmen subventioniert würden, um den Lieferverkehr in der Altstadt zu verringern. Und ich träume von mehr Platz in unserer Stadt, dank weniger Kfz, die parken. Da reißt mich ein neuer Begriff aus meinem Traum.

Von der "SUV-isierung der Radwege" lese ich da. Ich hätte da an parkende Großlimousinen auf den Radwegen gedacht, doch Kritiker meinen den Platzmangel durch Lastenräder auf Radwegen. Ich sehe das Problem aber nicht bei den Rädern, sondern bei der Infrastruktur. Während unsere Fahrbahnen und Parkplätze stetig an den Platzbedarf  angepasst werden, haben sich unsere Radwege kaum verändert. Häufig ist die Automobillobby zu stark, und wenn es die nicht ist, dann schreit die Wirtschaftslobby, die fürchtet, dass ihre Kundschaft nicht mehr mit dem Auto bis vor den Laden fahren kann. Doch gibt es da nicht noch mehr Chancen?

Ein Auto weniger...

Jedes Lastenrad ist "ein Auto weniger", das vor der besagten Kundschaft im Stau steht. Ist nicht jeder eingesparte Parkplatz, der Rad- und Fußwegen oder Tischen für ein Café Platz macht, auch mehr Lebensqualität für uns alle? In Kopenhagen hat mir der Gründer des ersten Lastenrad-Kurierdienstes erzählt, dass nach seiner Rechnung durch Kurierservice mit Lastenrädern etwa 80 Fahrten mit Lieferwagen eingespart. Pro Tag. Wie viel weniger Feinstaub und CO2 das ist, möchte ich gar nicht ausrechnen.

Ich wünsche mir noch mehr Lastenradler. Alle will ich grüßen können: Mütter, Väter, Lieferanten, Handwerker ...

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