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Augsburg

05.12.2017

Eine Mama, ein Kind – keine Wohnung

Seit über einem halben Jahr sucht eine junge, alleinerziehende Mutter in Augsburg nach einer Wohnung – bislang umsonst. „Oft fühle ich mich ungerecht behandelt“, sagt sie.
Bild: Marcel Kusch, dpa (Symbolbild)

Celine F. ist 21 und hat einen kleinen Sohn. Seit einem halben Jahr suchen die beiden eine neue Bleibe in Augsburg - und sind verzweifelt.

Eine Wohnung in Augsburg zu finden, ist derzeit nicht einfach. Manche Menschen aber tun sich besonders schwer. Alleinerziehende Mütter etwa, wie Celina F. Die 21-Jährige sucht bereits seit einem halben Jahr dringend eine Wohnung für sich und ihren kleinen Sohn. Aber die Reaktionen von Vermietern oder Maklern waren bislang niederschmetternd.

Korrekter formuliert, kommt es eigentlich erst gar nicht zu Reaktionen. Keine Zusage, keine Absage, nichts. Für Celine F. (Name geändert) ist das mehr als enttäuschend. Sie kann gar nicht mehr sagen, für wie viele Mietwohnungen sie sich schon beworben hat. „An einem Abend habe ich sogar 18 Mails rausgeschickt. Teilweise schreibe ich die Leute auch ein zweites Mal an, wenn eine Wohnung länger im Internet steht.“ Manchmal komme auch Wut in ihr hoch, wenn sie sich mal wieder ins Leere beworben hat. Dann fühlt sie sich ungerecht behandelt. „Es gibt bestimmt viele Frauen, die auch eine Wohnung brauchen und in einer ähnlichen Situation stecken, wie ich.“ Die junge Frau mit den langen Haaren weiß genau, dass sie zu der Klientel gehört, die nicht gerade bevorzugt wird.

„Viele Vermieter haben Vorurteile, weil ich so jung bin, aber schon ein zweieinhalbjähriges Kind habe“, ist sie überzeugt. Sie vermutet noch einen Grund. „Es scheitert auch in dem Moment, wenn ich sage, dass das Amt die Miete übernimmt.“ Das „Amt“ ist das Jobcenter, von dem die junge Frau, die sich gerade in einer Ausbildung befindet, momentan unterstützt wird. Celina F. hatte bislang ein Leben voller Hürden. Sie wuchs in Kinderheimen und bei Pflegefamilien auf. Zu ihrer leiblichen Familie gibt es keinen Kontakt. Weil sie irgendwann genug von Pflegefamilien und Ämtern hatte, lebte Celina F. irgendwann öfter bei ihrer damaligen Jugendliebe. Sie wurde von ihm schwanger. Die Beziehung ging in die Brüche. „Mir wurde immer klarer, dass ich Unterstützung brauche.“

Die Kita ist gleich nebenan

Sie wandte sich an das Jugendamt. Dort empfahl man der jungen Mutter das sogenannte „Appartementhaus für Mutter und Kind“ des Sozialdienstes Katholischer Frauen Augsburg (SKF). In dem Gebäude im Domviertel sind acht Wohnungen für alleinerziehende Frauen mit Kindern untergebracht, eine Kita ist auch gleich nebenan. Die Mütter werden durch den SkF von Sozialpädagoginnen betreut. Für Celina F. war diese Einrichtung für die erste Zeit als junge Mutter ein Segen. „Ich bin extrem dankbar um diesen Platz, aber jetzt ist es an der Zeit auszuziehen.“ Sie habe viel gelernt, vor allem aber, auf eigenen Beinen zu stehen. Das kann Diplom-Pädagogin Tanja Noeske-Nüßeler vom SkF nur bestätigen. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass eine junge Frau mit Kind so zielgerichtet ist, wie Celina.“

Die Pädagogin betont, dass die 21-Jährige es allein durch ihren Ehrgeiz geschafft hat, einen Ausbildungsplatz zur Kinderpflegerin zu bekommen. Voraussetzung für die Anstellung seien viele Praktikumsstunden im Vorfeld gewesen. „Ich habe davon 200 mehr gemacht als nötig war“, unterstreicht die junge Mutter. Celina F. weiß was sie will. Sie will ein eigenständiges Leben mit ihrem Kind führen. Sie braucht die Unterstützung des SkF nicht mehr, will dort den Platz frei machen für Mütter, die die Hilfe nötiger haben. Wäre da nicht das Problem mit der Wohnungssuche. Zweimal erst wurde sie tatsächlich zu Besichtigungsterminen eingeladen. Ohne Erfolg.

In den Räumen des Sozialdienstes katholischer Frauen finden obdachlose Frauen eine Ansprache. Einen Übernachtungsplatz gibt es für sie hier allerdings nicht.
Bild: Anne Wall (Archiv)

„Bei dem einen Termin war ein anderer Interessent dabei. Ein Geschäftsmann, der gleich die Kaution dabei hatte und sich sofort mit dem Makler über seine Einrichtung unterhielt.“ Da hatte sie keine Chance. „Von der anderen Wohnung in Pfersee war ich sofort begeistert. Die wäre super mit meinem Kind gewesen. Der Vermieter war sehr nett und versprach mir, sich auf jeden Fall bald zu melden.“ Tat er aber nicht. Celine F. rief ihn nach ein paar Tagen an. „Er sagte, er habe noch eine Besichtigungsrunde mit Interessenten, aber habe sich gegen mich entschieden.“

Mit den Ansprüchen extrem „runtergegangen“

Anfangs hatte Celina F. noch gewisse Vorstellungen von „ihrer“ Wohnung. In die Küche sollte zumindest ein kleiner Esstisch passen, drei Zimmer hätte sie toll gefunden. „Aber inzwischen bin ich mit meinen Ansprüchen extrem runtergegangen.“Auch bei ihren Bewerbungen habe sie ihr Verhalten geändert. Die alleinerziehende Mutter gibt nicht gleich alles von sich preis, um zumindest die Chancen auf einen Besichtigungstermin zu erhöhen. „Anfangs schrieb ich noch von meinem zweijährigen Kind und dass ich in der Ausbildung bin. So etwas Persönliches lasse ich jetzt vorerst weg.“

Tanja Noeske-Nüßeler vom SKF meint, Celina F. brauche einen Vermieter, der ein soziales Herz sagt. „Der ihr die Möglichkeit geben will. Sie hat wirklich einen tollen Werdegang.“ Der SKF unterstütze F. bei der Wohnungssuche, sagt die Pädagogin. „Außerdem werden die Frauen, die bei uns ausziehen, auch bis zu sechs Monate von unserer Familienhilfe nachbetreut.“

Der Sohn von Celine F. soll Anfang nächsten Jahres sein erstes Fahrrad bekommen. Dann wird er nämlich drei Jahre alt. „Eigentlich wollte ich zu dem Zeitpunkt schon eine eigene Wohnung haben,“ meint die junge Mutter.

Wer in diesem Fall helfen will, kann sich an den SKF unter 0821/450123-10 wenden.

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Die Diskussion ist geschlossen.

05.12.2017

Fuggerei – die älteste Sozialsiedlung der Welt steht in Augsburg. Die malerische Siedlung hat ihre Wurzeln im 16. Jahrhundert und geht auf eine Stiftung des berühmten Kaufmanns Jakob Fugger zurück .

Wie wäre es, wenn sich die junge Frau mal dort bewerben würde? Vielleicht klappt es ja in dieser schönen Siedlung irgendwann.

Dort zu wohnen ist sicher sehr günstig - und jeder hilft jedem (Nachbarschaftshilfe), so habe ich gelesen.

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