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Augsburg

08.12.2015

Einfach verschwunden: Polizei sucht rund 100 junge Flüchtlinge

Einige jugendliche Flüchtlinge verschwinden nach wenigen Tagen gelegentlich aus den Unterkünften.
Bild: Uli Deck, dpa

Immer wieder verschwinden minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung aus Unterkünften in Augsburg. Für die Kripo sind die Fälle inzwischen Alltag. Doch wo gehen die Jugendlichen hin?

Es sind Geschichten wie die von Ali, 13, aus Afghanistan. Der Junge wird in Augsburg von Bundespolizisten aufgegriffen. Das Kind ist allein unterwegs. Es kommt in Augsburg in eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Doch nach nur zwei Tagen ist Ali wieder verschwunden. Andere Jugendliche aus der Unterkunft vermuten, dass er sich zu Verwandten im Großraum Frankfurt durchschlagen will.

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Rund 100 jugendliche Flüchtlinge in Augsburg als vermisst gemeldet

Ali ist einer von inzwischen rund 100 jugendlichen Flüchtlingen, die in diesem Jahr bei der Augsburger Polizei als vermisst gemeldet worden sind. Rund 700 junge Flüchtlinge sind derzeit im Großraum Augsburg untergebracht. Es sind fast ausschließlich Jungen, die sich alleine bis nach Deutschland durchschlagen, irgendwann aufgegriffen werden – und von denen ein Teil nach kurzer Zeit schon wieder verschwindet. Die meisten kommen aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak. Jugendliche aus Afrika sind Einzelfälle. Die Zahlen der Polizei zeigen, wie dramatisch sich die Flüchtlingskrise in diesem Jahr entwickelt hat – und wie stark das auch die Beamten beschäftigt. Im Jahr 2014 gab es bei der Augsburger Polizei nur acht Fälle mit vermissten jungen Flüchtlingen, im Jahr 2013 waren es sogar nur zwei Fälle.

Die Vermisstenfälle werden bei der Kriminalpolizei bearbeitet. Die Ermittler versuchen, zumindest von jedem jungen Flüchtling, der als verschollen gilt, einen genetischen Fingerabdruck zu bekommen – zum Beispiel von Kleidung, die er in der Unterkunft zurücklässt. Mit dieser DNA-Probe kann man den Jugendlichen identifizieren, falls er irgendwo wieder auftaucht.

Einfach verschwunden: Polizei sucht rund 100 junge Flüchtlinge

Das Problem ist nämlich: Mit dem Namen eines Vermissten können die Ermittler in vielen Fällen nicht besonders viel anfangen. Sie wissen gar nicht, ob der Name, den der junge Flüchtling angegeben hat, überhaupt stimmt. Längst nicht jeder hat bei seiner Flucht einen Ausweis dabei. Manch einer macht sich bei der Einreise womöglich auch jünger, als er ist. Der Grund: Minderjährige genießen einen besonderen Schutz.

Entsprechend oft lässt sich der Vermisstenfall nicht klären. Von den rund 100 jugendlichen Flüchtlingen, die seit Jahresbeginn von der Kripo in Augsburg gesucht werden, sei bislang nur etwa eine Handvoll wieder aufgetaucht, sagt Siegfried Hartmann, der Sprecher der Polizei. „Die meisten von ihnen reisen vermutlich weiter, weil sie zu Verwandten oder Bekannten wollen“, sagt Hartmann. Teils seien sie in Deutschland auch nur auf der Durchreise und hätten andere Ländern – meist in Nordeuropa – als Ziel. Experten sehen die hohe Zahl vermisster junge Flüchtlinge aber auch deshalb mit einer gewissen Sorge, weil zumindest einzelne von ihnen in die Fänge von Kriminellen oder Islamisten geraten könnten.

Jugendliche könnten in die Hände von Kriminellen geraten

Bislang fallen jugendliche Flüchtlinge allerdings nicht durch Kriminalität auf. „Es gibt Einzelfälle, die etwas anstellen, mehr aber nicht“, sagt Polizeisprecher Hartmann. Ängste in diese Richtung seien unbegründet. Arbeit hat die Polizei derzeit vor allem mit den Vermisstenfällen. So sieht es auch der Augsburger Kriminalbeamte Hans Wengenmeir. Er ist Landesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter. Bislang sei durch die Flüchtlingswelle kein dramatischer Anstieg der Straftaten zu spüren, sagt Wengenmeir. Wichtig sei aber, gerade die jungen Asylbewerber rasch und gut zu integrieren, damit sie gar nicht erst in die Kriminalität abrutschen. Die Unterbringung der Jugendlichen ist allerdings nicht einfach. Weil Heime und andere Einrichtung inzwischen alle voll sind, wurden auch Notunterkünfte eingerichtet – etwa in der ehemaligen Spicherer-Schule in Pfersee.

Der Fall des jungen Ali klärt sich unerwartet schnell auf. Der Junge wird am Donnerstag von Polizisten im Bahnhof Hamburg-Altona aufgegriffen, als er ein Zugticket nach Schweden lösen will. Er wird in Gewahrsam genommen, das Hamburger Jugendamt kümmert sich um ihn. Er soll aber wieder zurück nach Augsburg. Die Frage ist nur, ob er lange hier bleibt.

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Die Diskussion ist geschlossen.

09.12.2015

In diesen Fällen stellt sich auch die Frage, wie gehen unsere Jugendämter mit jugendlichen Flüchtlingen um. Es ist leider zu befürchten, dass Jugendämter mit den vielen traumatisierten Jugendlichen völlig überfordert sind. Die Vorgänge dort bleiben wie üblich wohl unter Verschluss, es ist so gut wie nichts nachzuvollziehen.

Gerade in diesen Fällen wäre professionelles Handeln notwendig, um diese Jugendlichen vor weiteren Gefahren zu schützen. Dies aber würde bedeuten, dass in den Jugendämter auf jeden Einzelnen mühsam eingegangen werden sollte, was wahrscheinlich dort nicht möglich ist.

Mit der Unterbringung in Heimen ohne professionelle Unterstützung ist es leider nicht getan und kann sich unter Umständen fürchterlich rächen.

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08.12.2015

zum Beispiel von Kleidung, die er in der Unterkunft zurücklässt. Mit dieser DNA-Probe kann man den Jugendlichen identifizieren,..

Witzig ... und auf der DNA steht dann ... von welcher Person diese tatsächlich stammt ?

Die Deutsche Exekutive ist leider nicht mehr Herr im eignen Haus, ist auch sehr schwierig in einem Notstand, deren Hoheitsgebiet von (Illegaler?-) Zuwanderung überollt wurde.

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08.12.2015

die frage ist doch auch was sind das für Eltern die ihre Kinder alleine auf die reise schicken um dann später über die Familien Zusammenführung hier bei uns Abzukassiren ! oder in welcher Koranschule werden sie zu Sogenannten Schläfern ausgebildet ?? Zwei von tausend langen schon um ein Caos anzurichten !!! auch wenn es erst in 10 Jahren ist

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08.12.2015

Meine Güte, warum hat man denn den Jungen nicht nach Schweden reisen lassen? Dem bleibt auch nichts erspart. Wem ist damit geholfen, wem dient das? Damit beschäftig sich also unsere Polizei. Flüchtlingsgungen suchen, die sich schon durch die halbe Welt gekämpft haben, um ihnen zu zeigen. So geht das bei uns nicht. Du bleibst da.

Dass es sich um einen Terroristen handelt, dürfe ausgeschlossen sein, so what?

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