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Augsburg

13.07.2018

Er kehrt als Pfarrer nach Augsburg zurück

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Seine Primiz feiert Fabian Ploneczka in der Moritzkirche.
Bild: Silvio Wyszengrad

Fabian Ploneczka wurde in Stuttgart zum Priester geweiht. Seine Primiz feiert der Augsburger am Sonntag in St. Moritz. Warum er nicht in Bayern bleiben wollte.

Nach Weihbischof Rudolf Schmid mussten 75 Jahre vergehen, bis die Pfarrei St. Moritz wieder einen Primizianten feiern kann. Fabian Ploneczka, am 21. Juli 1986 in Augsburg geboren und aufgewachsen im Lechviertel an der Schlossermauer, wird am Sonntag, 15. Juli, um 10 Uhr seine erste heilige Messe in der Moritzkirche zelebrieren. Die Gemeinde hat ihn schon als kleinen Ministranten erlebt und ständig seinen Weg ins geistliche Amt begleitet.

Allerdings: Fabian Ploneczka ist am vergangenen Samstag in Stuttgart zum Priester des Württemberger Nachbarbistums geweiht worden. Sie ist in Jahren der Orientierung seine geistliche Heimat geworden. „Finde deinen roten Faden!“, lautete die dortige Aufforderung, welcher der Augsburger gefolgt ist. Schon in der Grundschule sei er auf dem Trip gewesen, Priester zu werden. Als er dann als Erstkommunionkind mit neun Jahren in St. Moritz das Ministrieren begann, habe er einen noch tieferen Zugang zum katholischen Glauben gefunden, erzählt er. Drei Pfarrer erlebte er in St. Moritz – der heutige, Stadtdekan Helmut Haug, sollte sein Mentor werden, der ihn, bei allen Umwegen zum Priestertum, stets bestärkte.

Es war ihm zu konservativ

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Das Abitur hatte Fabian Ploneczka am Theresianum in Bamberg abgelegt. Er trat ins Augsburger Priesterseminar ein – und bald wieder aus. Der damals dort vorherrschende Ultrakonservatismus drohte ihn zu ersticken. Freieres Atmen ermöglichte ihm das Weiterstudium in München, Theologie an der Universität und Philosophie bei den Jesuiten. Er lebte in einer Theologen-WG und jobbte für ein Berliner Label im Vertrieb von Schuhen. Denn mit 17 starb sein Vater „und es war schwer, als Halbwaise meinen Lebensunterhalt zu verdienen“.

Die Kirche lernte Fabian Ploneczka in dieser Zeit von ihrer diakonischen Seite kennen. Die Münchener Pfarrei vermietete die Wohnung für die Theologiestudenten billig. Doch auch das Erzbistum hielt ihn nicht, das pastorale Gesamtkonzept in Bayern widersprach seinen Überzeugungen. Zu sehr sei es allein auf den Priester ausgerichtet. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart dagegen sollte kein Standesdünkel aufkommen. „Die erste Ausbildungsphase im Wilhelmsstift durchliefen wir mit allen pastoralen Berufsgruppen gemeinsam“, erinnert er sich. Als Priester versteht er sich als „Platzhalter Gottes“ und als „der Ausrufer, der den Menschen sagt: Gott ist da, ich habe ihn erfahren“. In der Primiz will nicht er sich feiern lassen, es sei vielmehr „eine Danksagung“ der Gemeinde.

„Die Erotik des Glaubens“

Schon seit einigen Tagen schienen in Gottesdiensten in St. Moritz Themen und Personen auf, die Fabian Ploneczka wichtig geworden sind. Am Donnerstag hielt die Theologin Katharina Ceming die Ansprache zum Thema „Liebe ist nicht gleich Liebe“. Am Freitag legte Pfarrer Matthias Bambynek aus Bamberg den Primizspruch aus. Er lautet: „Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht“ aus. Am Samstag behandelt Thomas Steiger aus Tübingen die „Erotik des Glaubens“ samt der Ballettpremiere „Jeremia – Passion eines Propheten“ mit dem Tänzer Clemens Fröhlich aus München nach dem Libretto des Neupriesters.

Für Stadtpfarrer Helmut Haug vollendet sich mit der Primiz „eine sehr bewegende Zeit“. Dass Fabian nie den Kontakt zur Heimatgemeinde verloren hat, „ist eine gute Voraussetzung für den Priesterberuf“. Sogar Bischof Gebhard Fürst von Rottenburg habe ihn bei der Priesterweihe auf die Verwurzelung und Erdung des Neupriesters angesprochen.

Da darf auch gerne ein wenig modische Exzentrik sein: Fabian Ploneczka, dem klerikales Gehabe zuwider ist, trug nach dem Weihegottesdienst einen großkarierten grauen Anzug, braune Schuhe und Krawatte. Seine Stelle als Vikar wird er in Weingarten antreten.

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