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15.04.2013

Erinnern an die Vertreibung der Täuferin

Pfarrer Friedrich Aschoff und sein Enkel David sind Nachfahren der im Jahr 1528 aus Augsburg vertriebenen Täuferin Susanna Daucher.
Bild: Sybille Schiller

Tafel für Susanna Daucher enthüllt

Im selben Augenblick, in dem am Freitagabend die Gedenktafel für die 1528 aus Augsburg vertriebene Täuferin Susanna Daucher am Hinteren Lech 2 enthüllt werden sollte, öffneten sich des Himmels Schleusen. Von da an regnete es in Strömen. Deshalb mussten alle, die sich vor der Gedenktafel zusammengefunden hatten, in die nahe gelegene Barfüßerkirche flüchten.

Mit dabei waren dort in der Sakristei die direkten Nachfahren der Bürgerin Susanna Daucher in der jetzt 14. bis 16. Generation. Dies sind die evangelischen Pastoren Friedrich Aschoff (ehemals Kaufering), sein Sohn Pfarrer Christian Aschoff aus Bayreuth sowie dessen Kinder Alexander und David.

Nachfahre verliest den Gedenktext

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Der Ur-Großvater Friedrich Paul Aschoff war Gemeindepfarrer in der Augsburger Kirche St. Jakob. Alexander Aschoff verlas in der bewegenden Feierstunde dann den Text der Gedenktafel für seine Ahnin Susanna Daucher. Auf dieser wird nun öffentlich an die Verfolgung der Täufergemeinde im 16. Jahrhun-dert in Augsburg erinnert. In den Wirren und Verfolgungen der Reformation hatte die mutige Susan- na Daucher ihr Haus für Versammlungen der „Wiedertäufer“ geöffnet. Am 12. April 1528 wurden dort 88 Gläubige verhaftet, später gefoltert und als Ketzer gebrandmarkt. Susanna Daucher selbst aber wurde, da schwanger, der Stadt verwiesen und musste ihre beiden kleinen Söhne zurücklassen.

Reformation und Toleranz im evangelischen Themenjahr

Es ist Wolfgang Krauß, dem Friedens- und Geschichtsforscher in der Mennonitengemeinde zu verdanken, dass 485 Jahre nach diesen Ereignissen im EKD-Themenjahr „Reformation und Toleranz“ mit dieser Tafel nun ein für alle sichtbares Zeichen gesetzt werden konnte. Das befanden in ihren Grußworten auch Bürgermeister Peter Grab, Stadtdekanin Susanne Kasch, der Klinikseelsorger Michael Mayr sowie Vertreter aus verschiedenen evangelisch-freikirchlichen Gemeinden. Sie alle erinnerten an das große Ziel eines friedlichen Miteinanders.

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