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Rotlichtmilieu

01.12.2013

Ex-Colosseum-Chef auf Mallorca verhaftet: Mitglied der Hells Angels?

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Seit Jahren hat die Kripo den Sexklub im Visier. Jetzt wurde Olaf R., der im „Colosseum“ lange das Sagen hatte, festgenommen. Gehört er zum Dunstkreis der berüchtigten Hells Angels?

Es ist die Zeit, bevor im Augsburger Luxusbordell Colosseum das Geschäft mit der käuflichen Liebe beginnt. Noch sind die Frauen ungeschminkt, tragen bequeme Jogginganzüge und rauchen in der Kaffeeküche. Es ist ein Märztag im vorigen Jahr, früher Nachmittag. Olaf R., 42, sitzt entspannt in der großen Halle des Bordells. Er ist nicht der Geschäftsführer, seine Rolle bleibt unklar. Doch man spürt, dass er hier etwas zu sagen hat. R. sagt, dass es ihm in Augsburg gefällt. Die Rotlichtszene sei übersichtlich, es gebe keine Revierkämpfe.

Im Colosseum, einem schlichten Industriebau mit Blechfassade neben dem Oberhauser Gaskessel, war Olaf R. inzwischen wohl schon länger nicht mehr. Wie unsere Zeitung erfuhr, wurde er im Sommer auf der Mittelmeerinsel Mallorca verhaftet. R. soll, so die Sicht der spanischen Ermittler, zum Umfeld von Hells-Angels-Boss Frank Hanebuth, 49, gehören.

Der muskelbepackte Rockerchef wurde im Juli bei einer Großrazzia in der mallorquinischen Finca seines Freundes Paul E., 72, festgenommen und sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Nach offiziellen Angaben werfen die Behörden Hanebuth & Co. Drogen- und Menschenhandel, Geldwäsche, Bestechung und Erpressung vor. Besonders brutal sollen die Verdächtigen mit den Frauen umgesprungen sein, die für sie anschaffen gingen. Einige Prostituierte, die in Deutschland für die Hells Angels gearbeitet haben, hätten ihre Einnahmen persönlich nach Mallorca bringen und sie den Rockern übergeben müssen, teilen die spanischen Behörden mit.

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Polizei hörte ein Telefongespräch ab

Bei den millionenschweren Geschäften der Rockergruppe Hells Angels soll Olaf R. eine bedeutende Rolle gespielt haben. Die Ermittler glauben, dass er ein wichtiger Geldwäscher für die Organisation ist. Die Rede ist davon, dass Olaf R. Geschäfte mit Diamanten eingefädelt haben soll. In einem abgehörten Telefongespräch geht es offenbar um einen Edelstein im Wert von rund 500.000 Euro. Angeblich soll R. auch in Pläne involviert gewesen sein, mit Rockergeldern auf Mallorca eine Formel-1-Rennstrecke zu errichten. Ein dreistellige Millionensumme sollte dabei den Ermittlungen zufolge investiert werden. Sollten die Vorwürfe gegen Olaf R. zutreffen, dann würde sich erstmals eine Verbindung zwischen dem Augsburger Bordell und der Rockergruppe Hells Angels zeigen.

Die Augsburger Kripo ist schon seit Jahren überzeugt davon, dass das Colosseum nur ein Ableger eines großen Netzwerkes ist. Als mutmaßlichen großen Paten im Hintergrund sahen die Augsburger Rotlichtermittler Necati A., 41. Der sorgte in den 1990er Jahren im Kölner Milieu für Angst und Schrecken und führte eine gefürchtete Türsteher-Truppe. Nach einer Verurteilung wurde er in die Türkei abgeschoben. Von dort aus zieht A. nun offenbar die Strippen bei den immer zahlreicher werdenden Hells Angels mit Migrationshintergrund. Necati A. soll auch eine langjährige Freundschaft zu Rockerboss Hanebuth pflegen.

Bislang jedoch wurden diese internationalen Querverbindungen im Sexgeschäft nicht nachgewiesen. In Augsburg ermittelte die Kripo in den vergangenen Jahren zwar mehrfach wegen Menschenhandels und Zuhälterei gegen Personen aus dem Umfeld des Colosseums. Es gab Großrazzien mit Dutzenden von Beamten. Einige Zuhälter, die „ihre“ Frauen in das Bordell zum Arbeiten schickten, wurden zu Haftstrafen verurteilt. Doch die Führungsriege des Sexklubs kam stets mit einem blauen Auge davon.

Olaf R. stand vor vier Jahren in Augsburg vor Gericht – ins Gefängnis musste er aber nicht. Damals war R. angeklagt, weil sich eine junge Rumänin im Colosseum die Pulsadern aufschnitt. Ihr Zuhälter soll sie deshalb, außer sich vor Wut, im Bordell abgeholt und verprügelt haben. Doch Olaf R. beteuerte, trotz der vielen Überwachungskameras in dem Klub, von all dem nichts gewusst zu haben. Obwohl die Polizei wochenlang sein Telefon abhörte, gab es keine konkreten Beweise.

Zuletzt gab es keine Strafverfahren mehr, dafür setzte das Finanzamt dem Bordell der Oberklasse zu. Die Behörde forderte dem Vernehmen nach einen Millionenbetrag von der Betreibergesellschaft, deren Gesellschafter Olaf R. war. Der Hintergrund: Das Colosseum ist ein sogenannter FKK-Sauna-Klub, ein Konzept, das sich vor rund zehn Jahren in der Republik schnell verbreitete.

Die Räume gleichen auf den ersten Blick einer Thermenlandschaft – mit Sauna, Schwimmbecken, Whirlpool und Bar. Doch in erster Linie geht es um die käufliche Liebe. Wer ins Bordell will, bezahlt an der Tür rund 60 Euro Eintritt. Im Klub warten dann zahlreiche, nackte Prostituierte, die ihre Dienste anbieten – gegen weiteres Geld.

Er ließ sogar Interviews mit Prostituierten zu

Auf dieses Geld hat es das Finanzamt abgesehen. Das Amt vertritt die Ansicht, dass das Bordell nicht nur Eintrittsgelder, sondern auch die Umsätze der Prostituierten versteuern muss. Die alte Betreibergesellschaft, in die Olaf R. investiert hatte, ging deshalb in die Insolvenz und wurde mittlerweile aufgelöst. Es gibt einen Rechtsstreit, dessen Ende nicht absehbar ist. Und es gibt jetzt eine neue GmbH, mit der Olaf R. zumindest offiziell nichts mehr zu tun hat – im Handelsregister taucht der Name nicht mehr auf. Im Bordell wurde R. aber danach weiterhin gesehen. Er arbeitete am Image des Hauses, ließ sogar Interviews mit den Prostituierten zu.

Was Olaf R. jetzt zu den Vorwürfen sagt, die in Spanien gegen ihn erhoben werden, bleibt unklar. Wer sich bei seinem deutschen Rechtsanwalt meldet, der scheitert schon am Vorzimmer. Seinen Wohnsitz hatte der muskulöse, stets gut gebräunte Rheinländer schon seit Jahren auf Mallorca. Im Internet findet sich unter seinem Namen die Adresse einer komfortablen Wohnanlage im Westen der Insel – mit großem Pool und nahe gelegenem Golfplatz. Ein angenehmer Ort, um sich von den Strapazen des Alltags zu erholen.

Der deutsche Chefrocker Frank Hanebuth hat sich erst auf die Insel zurückgezogen, als ihm die deutsche Justiz 2012 immer enger auf die Pelle rückte. Er konnte das süße Leben dort nicht lange genießen. Er sitzt jetzt, wie zahlreiche weitere Hells Angels, in einer Zelle in Madrid in Untersuchungshaft.

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