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Augsburg

05.11.2020

In Augsburg fehlen über 900 Kita-Plätze – und der Bedarf steigt

In Augsburg fehlen zahlreiche Kita-Plätze - in den kommenden Jahren sollen aber 3.830 neue geschaffen werden.
Foto: Silvio Wyszengrad

Plus Obwohl in Augsburgs Kitas viele Betreuungsplätze geschaffen wurden, ist die Lage laut Bildungsbericht angespannter denn je. So will die Stadt reagieren.

Der dritte städtische Bildungsbericht bringt die Probleme der Kinderbetreuung in Augsburg auf den Tisch: Fachkräftemangel, fehlende Betreuungsplätze und die Herausforderung, eine Vielzahl von Kindern unter einen Hut zu bringen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Obwohl in den vergangenen Jahren viele Kita-Plätze neu geschaffen wurden, ist die Lage angespannter denn je.

 

Bildungsbürgermeisterin Martina Wild (Grüne): „Die Stadt Augsburg hat nach wie vor einen wachsenden Bedarf an Betreuungsplätzen. Dies betrifft Krippe, Kindergarten wie Hort gleichermaßen. Obwohl freie Träger und Stadt Augsburg das Platzangebot in den letzten Jahren gemeinsam deutlich ausgebaut haben, fehlen uns aktuell sogar über 900 Plätze."

Derzeit gibt es rund 14.000 Betreuungsplätze in Augsburg

Der Platzmangel hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschärft, obwohl mit rund 14.000 Plätzen für die verschiedenen Altersstufen das Betreuungsangebot in Augsburg derzeit so groß ist wie noch nie. In der Statistik macht sich dieser Mangel an vielen Stellen bemerkbar. Eine Versorgung von 95,5 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen gilt in Bayern als "Vollversorgung". Die Stadt Augsburg kommt in ihrem Bildungsbericht auf einen Wert von nur 87 Prozent (die Zahlen des Berichts stammen aus dem Jahr 2018).

"An den Wartelisten in den Kindertageseinrichtungen verdeutlicht sich, dass das vorgehaltene Platzangebot für diese Altersgruppe derzeit nicht bedarfsdeckend ist", stellte Klaus Maciol vom städtischen Bildungsmonitoring fest, als er den Bericht in der Sitzung von Jugendhilfeausschuss und Ausschuss für Bildung und Migration vorstellte. Gerade bei den drei- bis vierjährigen Kindern sei der Mangel am deutlichsten spürbar. Demnach wären nur 80 Prozent in Betreuung. Dieser Wert sei dadurch bedingt, dass bei den drei- bis dreieinhalbjährigen Kindern derzeit sogar nur knapp 70 Prozent betreut wären.

Mangel an Kita-Plätzen: Dreijährige sind besonders unterversorgt

Bürgermeisterin Wild verweist auf die baldige Schaffung von neuen Betreuungsplätzen. "Für die kommenden Jahre befinden sich rund 3.830 Plätze in freier und städtischer Trägerschaft für das Stadtgebiet Augsburg in Planung. Rund 90 Prozent dieser Plätze sind zur Belegung mit Kindern im Alter von bis zu sechs Jahren vorgesehen, davon etwa 900 zur Versorgung der bis zu Dreijährigen und etwa 2.560 zur Versorgung von Drei- bis Sechsjährigen." Der Platzausbau orientiere sich zum einen an den vom Stadtrat beschlossenen Zielversorgungsquoten von 42 Prozent der bis zu Dreijährigen, 95 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen und 40 Prozent der Sechs- bis 14-Jährigen und zum anderen an den Bedarfen in den Stadtteilen. Derzeit stellt die Stadt eine hohe Nachfrage nach Betreuungsplätzen in Haunstetten, Kriegshaber, Göggingen, Oberhausen und Lechhausen fest.

Der dritte Bildungsbericht der Stadt, der sich auf die frühkindliche Bildung und Betreuung konzentriert, zeige auf, dass nicht alle Kinder die gleichen Chancen auf Bildungsteilhabe in Augsburg und nicht alle Einrichtungen die gleichen Bedingungen zur möglichst guten Förderung der Kinder hätten, so Wild: "Unser Ziel ist es, die Bildungsteilhabe von Kindern so frühzeitig wie möglich zu fördern. Der aktuelle Bildungsbericht liefert dazu wertvolle Hinweise, wo am besten angesetzt werden sollte."

Mehr Kinder, für die Deutsch die Zweitsprache ist

Im neuen Bildungsbericht der Stadt wird besonderes Augenmerk auf Kinder mit Migrationshintergrund gelegt. Klaus Maciol: "Der Anteil der betreuten Kinder zwischen drei und sechs Jahren, für die Deutsch die Zweitsprache ist, nimmt zu. Lag der Wert 2012 noch bei 32 Prozent, so hat er 2018 bereits 39 Prozent erreicht." Die hohe Anzahl von Kindern mit Wurzeln im Ausland bringe gleich mehrere Herausforderungen mit sich. Eine Erkenntnis ist, dass sie im Schnitt erst zu einem späteren Zeitpunkt zum Besuch von Kindertageseinrichtungen angemeldet werden, als Kinder ohne Migrationshintergrund. Ein Knackpunkt, da sich bei einem Besuch einer Kindertagesstätte von mehr als drei beziehungsweise vier Jahren die Bildungschancen eines Kindes erhöhten.

Zum anderen seien Kitas in Augsburg unterschiedlich stark gefordert: Laut Bildungsbericht gibt es Einrichtungen in der Stadt, in der kein Kind mit Zweitsprache Deutsch betreut werde, als auch Einrichtungen, in der 96 Prozent der Kinder mit Deutsch als Zweitsprache aufwachsen. Um die Bildungsteilhabe allen Kindern zu ermöglichen, wurde in der Ausschusssitzung der Gründung einer Arbeitsgruppe zugestimmt. Die Mitglieder sollen Vorschläge entwickeln, wie Einrichtungen im Hinblick auf die Augsburger Gegebenheiten besonders gefördert werden können.

Stadt Augsburg bildet selber Erzieher aus

Martina Wild ist bewusst, dass daneben auch qualifiziertes pädagogisches Personal benötigt wird. "Aktuell hat die Stadt Augsburg 860 Mitarbeitende im Kita Bereich. Hinzu kommen noch die der freien Träger und der Tagespflege." Es sei deshalb der richtige Weg gewesen, dass auch die Stadt neben Diakonie und Maria Stern mit einem eigenen Ausbildungsangebot gestartet sei. Im September wurde die städtische Fachakademie für Sozialpädagogik zur Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher in der Maximilianstraße eröffnet.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kita-Plätze: Die Stadt hechelt hinterher

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09.11.2020

Nach der Lektüre dieses Berichts und den Schlussfolgerungen der verantwortlichen Politiker scheint es mir so, dass Bildungs und Betreuungsleistung von den eigenen Eltern nur halb so viel wert sei.
Aus wessen Perspektive wird das bewertet? Was würden sich die Kinder wünschen, von denen manche die "Bildung" gar nicht genießen können, weil sie viel lieber mit Mami oder Papi zusammen wären.
Wirtschaftlich gesehen ist es natürlich sinnvoll, Kinder frühzeitig betreuen zu lassen. Das als einziges Argument dafür, seine Kinder schon mit 1 oder 2 Jahren in die Krippe zu geben, würde vielen Eltern nicht reichen. Doch wenn mir dann noch jemand sagt, dass das auch gut für die "Bildungsteilhabe" meines Kindes ist, dann kann ich ja fast nicht anders als mein Kind der guten Bildung auszusetzen. Bildung ist so ein hohes Wort, das kann ich doch im Alltag bestimmt nicht leisten, daher gehe ich lieber arbeiten... Ganz nebenbei verdiene ich so auch mehr... Mehr Geld und mehr Anerkennung...

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