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Augsburg

17.04.2013

Internat St. Joseph: Schwere Prügel und Missbrauch als gängige Praxis

Im Augsburger Internat St. Joseph waren in den 60er und 70er Jahren schwere Züchtigungen und Prügel offenbar an der Tagesordnung.
Bild: Matthias Schrader, dpa (Symbolbild)

Im Augsburger Internat St. Joseph waren körperlicher Züchtigung und sexueller Missbrauch offenbar gängige Praxis. Weitere Betroffene bekräftigen die jüngsten Vorwürfe.

Nach den schweren Vorwürfen , die der Komponist Wilfried Hiller vor kurzem in unserer Redaktion gegen zwei mittlerweile verstorbene Benediktiner-Patres des Augsburger Internats St. Joseph erhoben hatte, haben ihn und unsere Redaktion mehrere Reaktionen erreicht. Der in München lebende Hiller hatte von persönlich erfahrenem mehrfachen sexuellen Missbrauch sowie von persönlich erlittener schwerer körperlicher Züchtigung während seiner Schulzeit in den 50er-Jahren berichtet.

Vorwürfe belasten ehemaligen Seminardirektor

Dies bestätigen hinsichtlich der schweren körperlichen Züchtigung die uns erreichten Zuschriften und Telefonanrufe auch für die 60er- und 70er-Jahre in St. Joseph. Und sie spitzen sich, ohne dass unsere Redaktion die Namen der von Wilfried Hiller Beschuldigten genannt hat, auf den damals amtierenden Seminardirektor zu. Der jetzige Abt des Klosters St. Stephan, Theodor Hausmann, hatte nach Hillers Vorwürfen auch umgehend eingeräumt, dass er selbst zuvor schon zwei Beschuldigungen dieses ehemaligen Seminardirektors erhielt. Eine davon habe laut Richtlinien der Bischofskonferenz die freiwillige Entschädigungssumme von 5000 Euro nach sich gezogen.

Neue konkrete Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs werden in den Reaktionen nicht erhoben, allerdings fällt im Zusammenhang mit diesem Delikt nochmal der Name des auch von Hiller erwähnten Religionslehrers. Ein Leser aus dem Raum Aichach, der von 1959 bis 1968 in St. Joseph lernte, schrieb: „. . . war bekannt für sein reges Interesse an Verstößen gegen das 6. Gebot. (. . .) Sünder hat er gern in seine Zelle zu ,Aufklärungsgesprächen‘ eingeladen. Sein Beichtstuhl wurde nach Möglichkeit gemieden.“

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Bestrafungssystem mit festen Strafmaßen

Insgesamt wird aus den Reaktionen ersichtlich, dass es besonders zwischen 1959 und 1971 ein Bestrafungssystem mit anscheinend festen Strafmaßen gab. Mehrfach liegen uns Berichte über Stockschläge auf den nackten Po durch besagten Seminardirektor vor. Ein weiterer Leser aus dem Raum Aichach, der das Internat von 1967 bis 1972 besuchte, schreibt: „Ich habe in Erinnerung, dass die Prügelstrafe im Internat gängige Praxis war. Ich selbst wurde vom ehemaligen Direktor des Öfteren mit einem Rohrstock geschlagen. Ich erinnere mich an zwei besonders heftige Strafen. Einmal in seinem Arbeitszimmer auf den nackten Hintern und einmal im Studiersaal als abschreckendes Exempel in einem Kreis von Mitschülern als Zuschauer. Ich habe später vereinzelt Personen kennengelernt, die bis zu 10 Jahre vor mir im Internat waren und von ähnlichen Erfahrungen und sexuellem Missbrauch berichteten. Eine wesentliche Rolle spielte dabei der ehemalige Seminardirektor.“

Neben Erfahrungsberichten gingen bei Hiller in der vergangenen Woche auch Respektbezeugungen und Zuspruch ein – von Theo Waigel und Donauwörths ehemaligem Oberbürgermeister Alfred Böswald.

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