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Umwelt

24.10.2011

Invasion der Marienkäfer

Die Tiere tummeln sich momentan massenhaft an Hauswänden

Sie tummeln sich zu Dutzenden oder gar Hunderten an Hauswänden, fliegen durch Wohnungen: Auch Augsburg erlebt eine Invasion der Marienkäfer. Experten sind nicht verwundert.

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Bei den Tieren handelt es sich um Asiatische Marienkäfer, die wegen ihres vielfarbigen Aussehens auch Harlekin-Marienkäfer genannt werden. Dass sie derzeit in Massen an Hauswänden auftreten, wundert Experten wie Diplom-Biologe Andreas Hagens vom Naturmuseum Augsburg nicht. Das habe nämlich einen natürlichen Hintergrund: Die Tiere bereiten sich auf die Überwinterung vor und sammeln sich deshalb zu Hunderten.

Meist sieht man die Insekten auf der warmen Südseite des Hauses. „Die Marienkäfer fliegen auffällige Strukturen an, die sich sehr vom Horizont unterscheiden“, erklärt der Experte vom Augsburger Naturmuseum. Deshalb sehe man die Käfer oft auf gelben oder weißen Hauswänden.

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Für den Menschen seien die Asiatischen Marienkäfer aber nicht schädlich, sagt Hagens. Sie seien weder Parasiten noch Haus- oder Vorratsschädlinge. „Eigentlich sind sie ganz nützlich, denn ursprünglich wurden die exotischen Marienkäfer zur biologischen Schädlingsbekämpfung von Blattläusen zu uns gebracht.“

Erst 1999 trat der Asiatische Marienkäfer in einer Freilandpopulation in Deutschland auf. Schnell habe er sich dann in ganz Europa ausgebreitet. Hagens kann auf Aufzeichnungen der letzten zehn Jahre zurückgreifen. „Man beobachtet wegen der Konsequenzen in Nordamerika sehr genau, wie sich die Asiatischen Marienkäfer hier entwickeln.“

In Amerika wurden die Insekten bereits 1916 zur Blattlaus-Bekämpfung eingesetzt. Inzwischen hätten die Asiatischen Marienkäfer die heimischen Arten verdrängt, so Hagens. „Man hätte aus diesem Beispiel lernen müssen und die Tiere hier nicht einsetzten dürfen. Sie haben hier keine natürlichen Feinde, sind klimatisch anspruchslos und haben ein breites Fressspektrum, ideal also, um sich in Massen zu vergrößern.“

In Deutschland versucht man nun, die Population einzudämmen, indem man das Fressangebot senkt, also die Zahl der Blattläuse reduziert. „Kurioserweise sollten ursprünglich die Asiatischen Marienkäfer ja die Blattläuse reduzieren“, merkt Hagens an. Im Privatbereich kann man die Marienkäfer mit dem Staubsauger einsaugen, wenn sie einen stören.

Unangenehm für die Menschen kann das gelbe, stinkende Sekret des Käfers sein, das er abgibt, wenn er sich bedroht fühlt. Das kann bei manchen Menschen zu allergischen Reaktionen führen.

Das größte Problem mit den asiatischen Konkurrenten haben aber die einheimischen Marienkäfer. Hagens: „Es ist schon zu beobachten, dass diese Art die heimischen Zwei-Punkt-Marienkäfer verdrängt.“

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