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Augsburg

18.06.2016

Kleine Kügelchen gegen Kriegstraumata

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2 Bilder
Mit Globuli (Kügelchen) behandeln die „Homöopathen ohne Grenzen“ Menschen aus Kriegsgebieten.
Bild: Andrea Warnecke, dpa

„Homöopathen ohne Grenzen“ helfen weltweit. Menschen, die aus Krisengebieten nach Augsburg kommen, stellen sie vor einer neuen Herausforderung.

Der junge Mann arbeitete im Irak an einer Tankstelle, als die Terror-Miliz kam und ein Gemetzel anrichtete. Er überlebte, floh nach Deutschland, doch auch hier entkam er dem Krieg nicht, hatte Albträume und Schlafstörungen, konnte sich in der Schule nicht konzentrieren. Ein Besuch bei den „Homöopathen ohne Grenzen“ brachte die Wende. Eineinhalb Stunden dauerte das Anamnese-Gespräch. Dann wusste die Homöopathin, welches Mittel ihm helfen würde. Die Albträume lösten sich auf, in der Schule klappte es. Seit Dezember helfen Mitglieder der Organisation in Augsburg Asylbewerbern. Ängste, Schlafstörungen, Depressionen, aber auch Hautprobleme, Durchfall, Schmerzen nach Verletzungen: Das sind häufige Gesundheitsprobleme von Flüchtlingen. Asylbewerber haben aber nur im Akutfall ein Recht auf medizinische Behandlung, gerade bei Traumata, ausgelöst von Krieg und Flucht, gibt es wenig Hilfe. Diese Lücke wollen die Homöopathen schließen helfen.

Hilfe für Flüchtlinge

Ursprünglich wurde die Organisation 1997 ins Leben gerufen, um ähnlich wie „Ärzte ohne Grenzen“ Menschen in Krisengebieten auf aller Welt beizustehen. Seit einiger Zeit gibt es außerdem das Projekt „Homöopathie in Aktion“, das Menschen in Deutschland hilft, die sich die Behandlung nicht leisten könnten. Als im letzten Sommer hunderttausenden Menschen auf der Flucht nach Deutschland kamen, floss die Erfahrung der beiden Initiativen in eine neue ein: „Homöopathie für Flüchtlinge“. Eine Initiatorin in Augsburg war die Ärztin und Homöopathin Dr. Maria Möller. Sie half bei den medizinischen Erstuntersuchungen der Neuankömmlinge und wirkte unter anderem bei der Gründung des Arbeitskreises medizinische Flüchtlingshilfe mit. Dabei fiel ihr auf: „Die Homöopathie kann in der ,Nische‘ der Psyche helfen.“

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Auf der Suche nach Unterstützung stieß sie auf Christine Lauterbach, die im Vorstand von „Homöopathen ohne Grenzen“ ist. In wenigen Monaten stampften sie das Projekt in Augsburg aus dem Boden. Inzwischen machen etwa zehn Homöopathen mit. Jeden Freitag von 14 bis 19 Uhr ist Sprechstunde im Zentrum für interkulturelle Beratung in der Wertachstraße. Da die Anamnese lange dauert und ein Dolmetscher übersetzen muss, können jedes Mal nur drei oder vier Patienten behandelt werden. Doch denen, so sind die Homöopathinnen überzeigt, können sie gut helfen. Auch wenn die Behandlung individuell auf die Menschen, ihre Erlebnisse und Symptome abgestimmt wird, gebe es einen Grundstock von etwa 25 Mitteln, die bei derartigen Fällen in der Regel helfen. Dabei können sie auf Erfahrungen in Krisengebieten in aller Welt zurückgreifen – sei es bei der Behandlung oder beim Umgang mit Menschen, die anders kommunizieren oder eine andere Einstellung zum Behandelnden haben. Die Organisation setzt auf gute Vernetzung und vermittelt schwere Fälle an Ärzte oder Therapeuten, wenn Globuli alleine nicht helfen. Diese stellt die Gudjons-Apotheke den Flüchtlingen kostenlos zur Verfügung. Das Stadtberger Unternehmen stellt diese Naturheilmittel her und vertreibt sie europaweit.

Erstaunt von der Wirkung

Manchmal sind die Homöopathinnen selber erstaunt, wie gut es läuft: „Die Leute erzählen sehr offen, was sie quält und warum – auch Männer.“ Und die Homöopathie werde meist akzeptiert. „Viele, die ankommen, wollen erst Tabletten, aber dann merken sie, dass sie davon Magenschmerzen bekommen“, sagt Möller. Aber dass kleine Kügelchen die Albträume vom Krieg vertreiben können? „Wir sagen, es ist Naturmedizin“, so die Homöopathin Gertraud Schmid. „Und traditionelle Medizin gibt es in jedem Land.“

Manchmal liefern die Patienten sich selber eine ganz eigene Erklärung. So eine Syrerin, die depressiv war, sich zum Weinen ins Bad einschloss, mit allen im Asylheim stritt. Eigentlich wollte sie vor allem ein Mittel gegen Kopfschmerzen. Die verordneten Globuli halfen und haben offenbar noch mehr bewirkt: Die Frau bedankte sie sich bei der Homöopathin. Dass diese mit allen in der Unterkunft gesprochen habe, damit die Menschen nett zu ihr sind, sei doch nicht nötig gewesen...

Information, Kontakt und Spendenkonto (für die Bezahlung der Dolmetscher): homoeopathenohnegrenzen.de.

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Die Diskussion ist geschlossen.

20.06.2016

Wenn es wirklich Ärzte sind, warum schließen sie sich nicht den »Ärzten ohne Grenzen« an? Und wenn der Artikel wahrheitsgemäß ist, finde ich die Passage hier sehr bezeichnend und erschreckend.

»Aber dass kleine Kügelchen die Albträume vom Krieg vertreiben können? „Wir sagen, es ist Naturmedizin“, so die Homöopathin Gertraud Schmid. „Und traditionelle Medizin gibt es in jedem Land.“«

Mehr muss man eigentlich gar nicht sagen:

https://grafikpolizei.files.wordpress.com/2016/06/gvog.jpg

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20.06.2016

Dieses Engagement ist wirklich bewundernswert, weiter so!

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19.06.2016

Ich recherchierte eben ein wenig zu dem Link "http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/faq/19-wer-heilt-hat-aber-doch-recht-faq" aus dem Kommentar von Bettina Frank.

"www.netzwerk-homoeopathie.eu" ist die Seite des "Informationsnetzwerk Homöopathie" (INH). Der Name ist irreführend, da es sich um ein Netzwerk gegen Homöopathie handelt.

Bernd Harder, der hier eine Reihe von Kommentaren schrieb, ist Pressesprecher der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V." (GWUP). Das INH ist der GWUP angegliedert.

Dr. med. Natalie Grams ist Teil des INH.

Offensichtlich sind einige Kommentare, wenn nicht sogar die überwiegende Anzahl, von organisierten Homöopathie-Gegnern verfasst. Ich frage mich nur, was solche Leute antreibt.

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21.06.2016

Sie sollten lieber den von Ihnen genannten Link lesen und *versuchen* ihn zu verstehen. Er wird nicht weniger war, nur weil Sie in "detektivischer Kleinarbeit" herausgefunden haben, wer sich in welchem Verein engagiert!

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19.06.2016

Ich finde, dass der Artikel gut die Erfolge darstellt, die mit der Homöopathie erzielt werden können. Und ich gehe davon aus, dass hier wahrheitsgemäß berichtet wird. Mir fehlen in den negativen Kommentaren die Alternativen - wie können solche Fälle besser behandelt werden? Und niedergelassene Ärzte als Scharlatane zu bezeichnen und sie als Laien darzustellen finde ich nicht richtig.

Mir jedenfalls ist eine Homöopathie die hilft tausend mal lieber, als "Hämmer" in Tabletten-Form an deren Nebenwirkungen unzählige Menschen zugrunde gehen. Abgesehen davon, dass anscheinend die Flüchtlinge sonst wenig Hilfe erhalten.

Und natürlich sind auch der Homöopathie Grenzen gesetzt und diese kennt jeder richtige Homöopath auch und hält sie ein.

Ich verstehe es nicht, warum hier von so vielen gegen Menschen gehetzt wird, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren.

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18.06.2016

Ich kann nicht fassen, dass sich ein Blatt wie dieses so vor den Karren der Homöopathie-Lobby spannen lässt... Diese Menschen haben Schlimmes erlebt und haben ein Recht auf sinnvolle medizinische Versorgung. Und Sie machen Werbung für Zuckerkügelchen, die wir uns in unserem Land leisten für Bagatellerkrankungen, die sowieso von allein wieder besser werden und daher überhaupt nicht behandelt werden müssen. Mit Mittelchen, die außer Zucker und den Rückständen von Lösungsmittel, in welchem absolut keinerei Wirkstoffe enthalten sind, NICHTS enthalten! Sie leisten einer Homöopathielobby Vorschub, die allen Ernstes auch immer öfter behauptet, mit ihren gehaltlosen Mittelchen auch ernsthafte, dringend behandlungsbedürftige Krankheiten wie Krebs, Aids und Ebola erfolgreich behandeln zu können... Und jetzt erlaubt es sich diese Gruppe auch noch, den Namen einer international tätigen Ärztegruppe abzukupfern, um sich damit eines positiven Images bedienen zu können...

Das ist dreist. Auch wenn das Geld für den Einsatz an Geflüchteten knapp bemessen sein mag - sie haben Sinnvolleres verdient, als mit Zuckerkügelchen abgespeist zu werden. Jeder dafür ausgegebene Cent könnte besser verwendet werden! Aus manchen Krisengebieten kennen diese Menschen vielleicht noch den tanzenden Medizinmann, der für eine Placebowirkung sorgen kann. Aber Deutschland hatte diesen Stand der Gesundheitsversorgung eigentlich längst hinter sich gelassen... Sind wir wieder auf dem Weg dorthin?

Von einer Bekannten weiß ich, dass in einer Erstaufnahmestel in einer deutschen Stadt tatsächlich sinnvolle medizinische Behandlung "eingespart" wird, weil manche Laien-Helferinnen ja mit Globuli so gute Erfahrungen gemacht haben - in diesem Fall handelte es sich um einen Mann mit schmerzhaften eitrigen Geschwüren an den Beinen. Er wurde erst nach Tagen einem Arzt vorgestellt, nachdem eine andere ehrenamtliche Heferin (in diesem Fall eine Apothekerin) der unsinnigen Behandlung mit Zuckerkügelchen energisch ein Ende setzen konnte.

Es ist eine Pseudomedizin, die sich hier wichtigmachen und am Leid dieser Menschen bereichern darf.

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19.06.2016

Ihre Aussagen können so nicht stehen bleiben.

1. die meisten Homöopathen sind keine Laienhelferinnen sondern ausgebildete, niergelassene Ärzte. Allein in Augsburg gibt im Umkreis von 6 km um das Rathaus 39 niedergelaasene Kassenärzte, die die Zusatzbezeichnung Homöopathie haben.

2. Diese Zusatzbezeichnung vergibt die Kassenärztliche Vereinigung nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern nach Stand der Ausbildung eines Arztes.

3. Sie tun so, wie wenn Homöopathie aus dem Verschreiben von Globuli bestehen würde. Dem ist aber nicht so. Allein schon eine mehrstündige Anamnese sollte Ihnen zu denken geben. Im Gegensatz zu "Schul"-Medizinern betrachten homöopathisch ausgebildetet Ärzte immer den gesamten Menschen und nicht nur das aktuelle Krankheitsbild. Das hat schon viele Menschen gerettet.

4. Es stimmt nicht , dass homöopathische Dosen eines Medikaments einen reinen Plazeboeffekt auslöst. Denn seltsamerweiser wirken einige dieser Medikamente in homöopathischen Dosen auch bei Tieren, bei denen es keinen Placebo-Effekt geben kann.

5. der homöopathische Grundsatz "simila similbus curatur" ist doch keine Erfindung Hahnemanns, sondern Hypocrates hat dies zur Grundlage der modernen Medizin erklärt. Auch in der "Schul"-Medizin wird dieser Grundsatz noch heute häufig angewandt, z.B. bei Schutzimpfungen werden dadurch die körpereigenen Abwehrkräfte aktiviert.

6. Natürlich gibt es überall Scharlatane, aber sehr selten unter homöopathischen Medizinern, wie sie Dr. med. Möller und Kolleginnen sind. Mir sind eher Heilpraktiker, die ihren Dr. in Jura gemacht haben suspekt.

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18.06.2016

Zitat: „Viele, die ankommen, wollen erst Tabletten, aber dann merken sie, dass sie davon Magenschmerzen bekommen“, sagt Möller. Aber dass kleine Kügelchen die Albträume vom Krieg vertreiben können? „Wir sagen, es ist Naturmedizin“, so die Homöopathin Gertraud Schmid. „Und traditionelle Medizin gibt es in jedem Land.“

Das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Frau Schmid?!? Traumatisierte Menschen erwarten zu Recht Hilfe, möchten wirksame Medikation und die wird ihnen dann auch noch vorenthalten? Weil sie vielleicht Magenschmerzen bekommen? Dafür geben Sie ihnen dann "Naturmedizin"? Was meinen Sie damit, denn Homöopathie ist keine Naturmedizin?

Sie erhalten vielmehr Homöopathie - also nichts - und dazu ein bisschen Gesprächstherapie durch Laien. Traumatisierte Menschen kommen in ein vermeintlich zivilisiertes Land mit hohem medizinischen Standard und werden dann mit Hokuspokus abgefertigt? Es ist nicht zu fassen, schämen sollte man sich und gleichzeitig entschuldigen bei den Menschen, die hier auf seriöse Hilfe und Unterstützung hoffen.

Wie hier schon mehrfach erwähnt wurde, konnte in über 200 Jahren noch nie ein Wirknachweis erbracht werden. Bitte diese Tatsache endlich mal zur Kenntnis zu nehmen und sich nicht immer und immer wieder vor der Welt lächerlich zu machen!

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18.06.2016

Ein unglaublicher Vorgang. Homöopathie kann seit über 200 Jahren keine Wirkung nachweisen und der Verein "Homöopathie ohne Grenzen" wollte ja schon losziehen und Ebola heilen. Das Maß an Selbstüberschätzung ist einfach nicht zu tolerieren. Auch, dass eine seriöse Zeitung tatsächlich immer davon schreibt, wie toll es hilft, ist nicht zu tolerieren. Denn ob ein Medikament hilft, ist nicht am Einzelfall abzusehen.
Wenn ich erkältet bin und esse abends eine Pizza, morgens geht es mir besser, lag das dann an der Pizza? Gerade bei Erkrankungen, die gerne mal entweder wellenförmig verlaufen, oder die von alleine wieder abklingen (eine Erkältung dauert sieben Tage, mit Therapie eine Woche...) entstehen so vermeintliche kausale Zusammenhänge, die keine sind. Aber man denkt, es wirkt...Inzwischen weiß man viel mehr und man hat sich Gedanken gemacht, wie man echte Wirksamkeit nachweisen kann. Dabei hat man dann gemerkt, dass sich das menschliche Gehirn leider oft täuschen läßt und hat die Erfahrung, die man so macht, eben kein Nachweis für eine Wirksamkeit sind.
Neben dem Placeboeffekt (ja, gibt es auch beim Tier, Stichwort Placebo by proxy) gibt es also noch viele andere Effekte (regression to the mean, Spontanheilung, wellenförmiger Krankheitsverlauf, natürliches Abklingen der Symptome), die eine Wirkung suggerieren können. Zusätzlich erinnert sich unser Gehirn lieber an Erfolge und läßt sich auf vielfältige Weise leicht täuschen. Daher kann man nur in Studien mit Verblindung und einer Kontrollgruppe überprüfen, ob Medikamente, egal welcher Art, helfen. Denn nur, weil zeitnah zu einer Verbesserung, so sie denn wirklich eintritt, Homöopathika verabeicht werden, heißt das nicht, dass die Krankheit aufgrund dieser Therapie geheilt wurde. Daher sind Erfahrung und Anekdoten leider nicht relevant, wenn es darum geht, eine Wirkung festzustellen. Übrigens auch nicht die Erfahrungen der wissenschaftlichen Medizin, hier werden Wirknachweise auch nur über Studien erbracht. Die Homöopathie muss in Deutschland übrigens dank des Binnenkonsenses solche Nachweise nicht erbringen, sondern darf munter damit werben, zu heilen und das ohne Nachweis. Dennoch gibt es solche Studien in großer Zahl auch für die Homöopathie, allerdings mit niederschmetternden Ergebnissen:http://www.scilogs.de/detritus/gesamtschau-der-studien-zur-hom-opathie/
Selbst Frau Witt, die für die Carstens Stiftung an der Charité geforscht hat, kommt zu dem Schluß, "dass nicht belegt ist, dass homöopathische Arzneimittel mehr als ein Placebo sind" (Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Ist-das-bei-Chirurgen-so-anders/story/17098489).

Ich fände es gut, wenn sich alle Therapeuten mehr hinterfragen würden und sich bei jedem Therapieerfolg fragen: Ist der Patient trotz oder wegen meiner Therapie geheilt worden? So habe ich es an einer Uniklinik gelernt, und ich finde es vermessen, wenn man von Heilung spricht, aber keinerlei Möglichkeit hat, dies nachzuweisen

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18.06.2016

Um die Homöopathie richtig wirksam zu machen, ist ein beigepackter Zettel mit für jede Krankheit passenden Wunder- und Zaubersprüchen. Das beste Beispiel ist Harry Potter. Der Zauberstab funktioniert auch nur mit einem passenden Zauberspruch.

Da kommt mir grad eine Idee - ich sollte das vermarkten. "Gläubige" gibt es doch genug...

:-) :-)

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18.06.2016

Die Homöopathen ohne Grenzen - das ist doch der Verein, der Ebola mit Zuckerkügelchen behandeln wollte und von den aufgeklärten Behörden in Liberia des Landes verwiesen wurde?
Und jetzt Augsburg als Wirkungsstätte?
Ich will mich mal freundlich ausdrücken: Homöopathie ist ein Relikt des frühen 19. Jahrhunderts, aus der Zeit vor der Entwicklung naturwissenscshaftlichen Denkens. Keine Studie weltweit hat bislang eine spezifische, auf Hahnemanns Methode einwandfrei rückführbare Wirkung der Homöopathie ergeben. Gerade erst ist die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) gemeinsam mit der Carstens-Stiftung mit einem krachenden Eigentor daran gescheitert, durch das Beschreiben von viel Papier solche Ergebnisse zu suggerieren (nicht darzulegen!). Zudem widersprechen die Grundannahmen Hahnemanns a priori einer Reihe von Naturgesetzen. Träfen sie zu, müssten längst ausschließlich Homöopathen die Nobelpreisträger in den naturwissenschaftlichen Bereichen sein.

Zurück zu den grenzenlosen Homöopathen in Augsburg. Ernste, durch Kriegstraumata hervorgerufene posttraumatische Belastungsstörungen mit Zuckerkügelchen behandeln zu wollen, ist -egal aus welcher Motivation- in meinen Augen ein Verbrechen. Es entzieht sich meiner Vorstellungskraft, was in Menschen, die so etwas tun und verantworten wollen, vorgeht. Zu deren Gunsten will ich annehmen, dass das nicht mit böswilligen Vorsatz geschieht. Das macht es aber nicht besser.
Misstrauen bleibt aber. Wie sollte man sich sonst erklären, dass der renommierte Titel "Ärzte ohne Grenzen" in grenzenloser Anmaßung von den Homöopathen okkupiert worden ist? Dies ist zumindest ein Hinweis auf ein Ego, das sich durch die dahinter stehenden Umstände in keiner Weise rechtfertigen lässt.

Deshalb, liebe Augsburger Verantwortliche, tut es den Behörden in Liberia gleich: Schützt die bedauernswerten Kriegstraumatisierten bitte vor dieser irregeleiteten Scharlatanerie!

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18.06.2016

Homöopathische Kügelchen sind doch in Wirklichkeit nichts anderes als Placebos. Auch Placebos können leichtere Krankheiten eingeschränkt heilen - nicht durch medikametöse Wirkung sondern schlicht durch den Glauben daran.

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18.06.2016

Ich gebe es zu - ich war früher auch Homöopathin und glaubte mit der Methode Hahnemanns solcherlei schwerwiegende Traumata oder andere Gebrechen heilen zu können. Es tut mir heute weh, zu lesen, dass es wohl weiterhin akzeptierte Praxis ist, so zu tun, als könnten Zuckerkügelchen voll Nichts hier tatsächlich heilen.

Sicherlich mag es so sein, dass Menschen lieber zum Homöopathen als zum Psychologen gehen (zumal das in Krisengebieten beides schwer sein dürfte) , denn es unterbleibt die Stigmatisierung. Sicherlich mögen auch Trost und Zuspruch eine Linderung bringen. Doch Heilung wie hier aufgezeigt ist nicht möglich!

Es ist tragisch, dass das scheinbar immer noch nicht angekommen ist - weder in Ihrer Redaktion noch in den Köpfen vieler Menschen - Homöopathie ist eine Scheintherapie, sie wirkt nicht besser als ein Placebo und es gehört schwer darüber nachgedacht, ob man dafür Werbung machen sollte oder sie sogar gerade bei solchermaßen bedürftigen Patienten, wie den beschriebenen anwenden sollte.

Das Heilsversprechen, das sie soll vollmundig gibt, kann die Homöopathie nicht halten, Hahnemann hat sich geirrt. Potenzierung erzeugt keine Energie und Kügelchen aus Zucker heilen gar nichts.

Bitte hören Sie auf, anderes zu verbreiten. Sie machen sich schuldig an Traumatisieren, an Unwissenden, an Notleidenden. Wenn ich es verstehen konnte, dann können Sie es auch :-)

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18.06.2016

Besser kann man es nicht darstellen:

"Letztendlich geht es also mal wieder um zwei Dinge: Spendensammeln und Selbstdarstellung.

Wie auch immer sich Flüchtlinge und Asylsuchende Deutschland vorgestellt haben: Aberglaubenmedizin aus dem 18. Jahrhundert haben sie hier bei uns gewiss nicht erwartet."

https://www.skeptiker.ch/homoeopathen-ohne-grenzen-grenzenloser-irrsinn/

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18.06.2016

"Wer heilt, hat recht"?

So verführerisch einfach dieser Satz ist, so falsch ist er auch.

Der, der heilt, muss dann auch die klare Ursache für die Heilung gesetzt haben, wenn er das sachliche Rechthaben beanspruchen will. Das können Homöopathen nicht, denn sie heilen nicht.

- Das Mittel, das Homöopathen geben geben, ist inhaltsleer und hat daher keine Wirkung (die übergroße Mehrzahl an wissenschaftlich relevanten Studien ergibt, dass homöopathische Mittel lediglich den Placeboeffekt auszulösen helfen).

- Daher ist es auch vollkommen egal, welches Homöopathikum gegeben wird. Auch in dieser Hinsicht hat der Homöopath mit der Heilung also reinweg gar nichts zu tun, außer, dass er letztlich den Placeboeffekt auszulösen hilft.

- Der Homöopath ist also an der Heilung nicht beteiligt in der Hinsicht, dass er oder seine Pseudo-Medikamente nachvollziehbar ursächlich einen Heilungseffekt auslösen würden. Er kann daher auch nicht recht gehabt haben. Denn die Entwicklung, die der Genesende erlebt hat, hätte in gleicher Form auch von jemand anderem ausgelöst werden können (Placeboeffekt).

- In den meisten Fällen aber wäre die Heilung sogar ganz von selbst eingetreten. Kügelchen, die bei Fieber helfen sollen, bei Schnupfen, gegen blaue Flecken oder gegen Husten, brauchen keinen Placeboeffekt auszulösen, um beim Patienten eine Heilung "zu bewirken". Die kommt nämlich auch von ganz allein - ganz ohne Hokuspokus.

Genau so, wie es im letzten Satz des Artikels auch schön zum Ausdruck kommt.

Zu rechtfertigen ist die Methode trotzdem nicht, denn die große Gefahr der homöopathischen Quacksalberei liegt in der völligen Überschätzung ihrer Möglichkeiten durch "begeisterte" Anwender, die ihr eigenes Tun nicht reflektieren können oder wollen.

http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/faq/19-wer-heilt-hat-aber-doch-recht-faq

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18.06.2016

Nun sind auch in Augsburg die Homöopathen ohne Grenzen dabei, Flüchtlinge über Homöopathie zu belügen ("Wir sagen, es ist Naturmedizin") und zu versuchen, sich eine neue Klientel für ihre völlig wirkungslose Esoterik zu erschließen.

Genau das Treiben, das andere Medien seit Jahren massiv kritisieren, z.B.

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/homoeopathie-alternativheiler-fuer-die-krisengebiete-12608083.html

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18.06.2016

Eineinhalb Stunden dauerte das Anamnese-Gespräch. Dann wusste die Homöopathin, welches Mittel ihm helfen würde. Die Albträume lösten sich auf,...

Vielleicht haben dem irakischen Tankwart ja weniger die Globuli, als das Anamnesegespräch, in dem er seine traumatischen Erlebnisse jemandem, der sich dafür interessierte, darlegen konnte, und die damit verbundene Zuwendung tatsächlich geholfen...

Wie auch immer: Wer heilt, hat recht.

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18.06.2016

Stefan R., wer heilt, hat nicht automatisch recht. Erst sollte man nachweisen können, was tatsächlich geheilt hatte. Sie sprechen das Anamnedegespräch an und mutmaßen, dass darin die Besserung lag. Mag duchaus sein, dann hat aber die Homöopathie, die sich die Heilung auf den Hut schreibt, damit nichts, aber auch gar nichts zu tun.

http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/faq/19-wer-heilt-hat-aber-doch-recht-faq

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19.06.2016

Dem kann nicht widersprochen werden.

Aber vielleicht kann man ja voneinander lernen: Beispielsweise, daß es nicht bei jedem blauen Fleck Voltaren, bei jeder harmlosen Entzündung Antibiotika etc. braucht, und die Homöopathen, daß ihre "Therapie" Grenzen hat.

Wenn diese sich anmaßen, eine schwere Infektion, ein handfestes PTBS oder eine Lebensbedrohliche Akuterkrankung ausschließlich mit Kügelchen oder Wässerchen voller "Nichts" heilen zu können, dann halte ich das ebenso für eine gefährliche Anmaßung.

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18.06.2016

Dummheit ohne Grenzen trifft es wohl besser. Die Homöopathie würde, wenn sie wirksam wäre (wirksamer als Placebo, was sie in keiner ernsthaften Studie bislang zeigen konnte), wichtige und grundlegende Naturgesetze ad absurdum führen.

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