1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Raus aus der Nische – rein in die Stadt

Jazz

24.08.2011

Raus aus der Nische – rein in die Stadt

Wenn es nach dem Verein Jazzclub Augsburg ginge, gäbe es in Augsburg eher heute als morgen einen Klub, an dem drei Mal die Woche Jazz live zu hören ist.
Bild: Foto: Eric Zwang-Eriksson

Augsburgs Musiker kooperieren in einem neuen Verein

Fast jede größere Stadt hat einen Jazzclub oder einen Jazzverein. Doch in Augsburg sieht es in dieser Hinsicht bislang mau aus: „Es gibt zwar viele verschieden Szenen, aber abgegrenzt zueinander“, sagt der Jazzmusiker Tim Allhoff. Das soll sich nun ändern. Anfang Mai wurde der „Jazzclub Augsburg“ gegründet – nach dem Vorbild des „Jazzclubs Augsburg“ aus den 1980er Jahren, dem unter anderem Barbara Dennerlein und Kenny Wheeler angehörten und der über zehn Jahre existierte.

Ziel der Neuauflage ist es, die „Infrastruktur zu schaffen, um sich musikalisch besser zu vernetzen“, erklärt Allhoff. „Schön wäre es, wenn man alle Musiker vereinen könnte.“ Der renommierte und erfolgreiche Jazz-Pianist ist Mitglied im künstlerischen Beirat, dem außerdem Ute Legner (Projektleiterin von „Mehr Musik“) sowie die Jazzmusiker Wolfgang Lackerschmid, Stephan Holstein und Daniel Mark Eberhard angehören.

Letzterer ist geistiger Vater des Vereins zusammen mit dem Architekten Sascha Felber, dem 1. Vorsitzenden. Felber, ein begeisterter Jazzliebhaber, lieferte letztlich den Anstoß für die Initiative. Als Veranstalter von Konzerten fiel ihm auf, dass es in Augsburg keine zentrale Anlaufstelle für den Jazz gab, aber zahlreiche gute Musiker. In seinen Augen ein Missstand. „Es fehlte ein Verein, der alles bündelt und mit dessen Hilfe ganz andere Veranstaltungen ermöglicht werden können“, sagt Felber. Also sprach er seinen Freund, den Pädagogen und Jazzmusiker Daniel Mark Eberhard, an, ob man nicht über eine Vereinsgründung Abhilfe schaffen könne.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Bei Eberhard rannte Felber offene Türen ein. Eberhard habe in seinen 15 Jahren in Augsburg wahrgenommen, dass an vielen Stellen beklagt werde, dass der Jazz in der Stadt ein Nischendasein führe. Der neue Verein solle dem nun entgegenwirken. „Überall wird versucht, durch Netzwerkbildung Synergien zu erzeugen“, sagt Eberhard.

Bislang hat der Verein außerhalb des Internets keinen festen Sitz

Ein wichtiges Anliegen des Vereins ist es laut Eberhard, einen „verbindlichen Ort für den Jazz in Augsburg zu finden“ – ein richtiges Jazzlokal wie das legendäre „Underground“. Ein Ort, an dem drei Mal die Woche Jazz zu hören ist, wenn es nach den Vorstellungen von Sascha Felber geht. Dann würde der Jazzclub Augsburg e. V. den tatsächlichen Jazzclub in Augsburg unterstützen. Bislang hat der Verein außerhalb des World Wide Web keinen festen Sitz.

Die Internetplattform spiele für den Verein aber auch eine wichtige Rolle, sagt Felber. Damit sei es möglich, Termine zu koordinieren, mögliche Überschneidungen frühzeitig zu erkennen und die einzelnen Veranstalter aufeinander aufmerksam zu machen.

Ein weiteres Vereinsziel sei die pädagogische Arbeit, sagt Eberhard. Als Beispiel führt er den Augsburger Jazzsommer an, der seit fast zwanzig Jahren existiere, für den es aber noch keinerlei begleitendes Programm an den Schulen gebe. Da könne über den Verein auch an Workshops an den Schulen gedacht werden.

Und die Nachwuchsförderung ist ein wichtiges Anliegen. Bis auf die jährliche Vergabe des Kunstförderpreises unterstütze die Stadt den jazzmusikalischen Nachwuchs nicht. Ein Musiker wie Tim Allhoff, der jenseits aller Förderung auf sich aufmerksam gemacht und heuer den Echo-Preis für Jazz zugesprochen bekommen habe, werfe nun ein Scheinwerferlicht auf Augsburg, sagt Eberhard. Das solle auch für den Verein genutzt werden.

Eine wichtige Hürde wurde bereits genommen, findet Felber. Bislang hätten viele Musiker der Augsburger Jazzszene für sich allein gekämpft, mit dem Verein gelinge es gerade, die Interessen zu bündeln. Je mehr Mitglieder der Verein habe, sagt zum Beispiel der Jazzmusiker Wolfgang Lackerschmid, desto mehr Gewicht hat er gegenüber der Politik.

Und um von vornhinein den Verdacht auszuräumen, dass einzelne Musiker den Verein als Vehikel für eigene Interessen nutzen, besteht der Vorstand ausschließlich aus jazzbegeisterten Nicht-Musikern und Laien. Die professionellen Jazzmusiker stellen den künstlerischen Beirat des Vereins. Worauf man nun hofft, sagt Felber, seien neue Vereinsmitglieder, um auch finanzielle Spielräume zu gewinnen.

Mehr dazu im Internet Homepage

www.jazzclub-augsburg.de

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an digital@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Tim_Allhoff.tif
Musik

Vom reinen Jazz zu Rocky Horror

ad__web+mobil@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Zugang zu allen Inhalten, mtl. kündbar, 4 Jahre Abopreis-Garantie.
So attraktiv waren Heimatnachrichten noch nie!

Zum Web & Mobil Starterpaket