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Sanierung des Theaters: Augsburg muss sich das leisten

Kommentar Von Nicole Prestle
11.07.2020

Plus Auch wenn die Sanierung teuer wird - eine Stadt wie Augsburg braucht ein Theater. Denn es ist weit mehr als eine Einrichtung für eine kleine, betuchte Elite.

Zuletzt wurde viel über Geld geredet. Und ja: 321 Millionen Euro sind eine Menge Geld. Deshalb stellen sich einige auch die Frage: Kann sich Augsburg diese Theatersanierung leisten? Ich möchte eine andere stellen: Müssen wir sie uns nicht sogar leisten? Augsburg ist der drittgrößte Ballungsraum Bayerns. Das Freizeitangebot ist als Standortfaktor ein wesentlicher Grund dafür, dass sich Menschen hier ansiedeln. Während es Bäder und Sporthallen – die sich im Übrigen finanziell auch selten selbst tragen – in nahezu allen kleineren und größeren Kommunen gibt, ist das Theater in der Region einzigartig.

Das Augsburger Theater hat so viele Besucher wie die Freibäder

Ein Theater ist auch keine Einrichtung für eine kleine, betuchte Elite. Dort treffen sich Menschen jedes Alters – vom Schüler, der mit seiner Klasse erstmals Kontakt mit diesem Kulturgut hat, bis zum Rentner, der seit Jahrzehnten kommt. Vergleicht man Besucherzahlen, kommt das Theater je nach Saison auf die gleiche Bilanz wie Augsburgs Freibäder. Anders als große Rock- und Popkonzerte oder Musicalinszenierungen sind Aufführungen im Theater bezahlbar. Sie kosten zum Teil nicht mehr als eine Kinokarte.

Auch der wirtschaftliche Aspekt dieser Sanierung ist nicht zu vernachlässigen: Es profitiert auch die heimische Wirtschaft, weil Aufträge auch an Firmen aus der Region gehen. Gerade jetzt, in der Krise, sind viele darauf angewiesen. Der Stadtrat hat sich vor vier Jahren für eine Sanierung am zentralen Standort Kennedyplatz entschieden. Doch im schwäbischen Stil, alles nur am Geld zu messen, scheinen einige nun willens, eine mutige und zukunftsweisende Entscheidung wieder rückgängig zu machen, weil sie nur auf den Moment schauen.

Und nun sind wir doch wieder beim Geld: Ein Aus beziehungsweise eine Änderung der Sanierung würde wohl erst richtig teuer. Bislang investiertes Geld wäre in den Wind geschossen, jede Umplanung mit dem Ziel einer Kostenkorrektur inhaltliche Flickschusterei. In Hamburg übrigens spricht heute fast keiner mehr von den Kosten für die Elbphilharmonie. Man ist stolz auf das Wahrzeichen, das jährlich tausende Besucher anzieht. Das alles heißt nicht, dass Geld keine Rolle spielen darf. Aber dem Geld stets die Hauptrolle zuzuweisen, das ist zu kurz gesprungen.

Lesen Sie den zugehörigen Artikel: Umbau des Augsburger Theaters: Wie können Kosten so aus dem Ruder laufen? und den Kommentar contra Theatersanierung: Sanierung des Theaters: Augsburg kann sich das nicht leisten

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