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Prozess in Augsburg

27.01.2021

Schüsse im "Netto": Staatsanwalt klagt Dieb wegen versuchten Totschlags an

In einer Netto-Filiale am Königsplatz in Augsburg ist im Juni ein Polizeieinsatz eskaliert. Die Polizei schoss auf einen mutmaßlichen Ladendieb.
Foto: Peter Fastl (Archiv)

Plus In der Netto-Filiale am Königsplatz schoss die Polizei auf einen Mann. Nun hat die Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Ladendieb angeklagt. Es geht um eine Reihe von Delikten.

Ein halbes Jahr nach einem eskalierten Polizeieinsatz in einem Supermarkt am Augsburger Königsplatz hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen heute 20-jährigen mutmaßlichen Ladendieb erhoben. Damals wurde der mutmaßliche Ladendieb von der Polizei angeschossen, nachdem er Beamte mit einem Messer bedroht haben und auf sie zugegangen sein soll. Erstmals wird in der Anklage konkret geschildert, wie es aus Sicht der Ermittler zur Schussabgabe kam. Die Anklage gegen den 20-jährigen Augsburger lautet unter anderem auf versuchten Totschlag. Es geht aber auch um eine ganze Reihe weiterer Vorwürfe.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft spielte sich am 19. Juni im Netto-Supermarkt am Königsplatz Folgendes ab: Demnach habe der Verdächtige zunächst einen Tetra-Pak Wein gestohlen, dabei soll er ein Messer mitgeführt haben. "um dies zur Verteidigung der Diebesbeute oder zur Vermeidung einer Festnahme einsetzen zu können", wie es von der Anklagebehörde heißt. Als der Mann dabei erwischt und von einem Security-Mitarbeiter ins Büro des Discounters gebracht worden war, soll er einen der herbeigerufenen Polizisten mit dem Messer bedroht haben, woraufhin er alleine im Büro eingesperrt wurde. Dort setzte er den Ermittlungen zufolge Papier und weitere Gegenstände in Brand. Als Polizisten den Brand löschen und den Verdächtigen festnehmen wollten, soll der 20-Jährige aus dem Büro in den verrauchten Vorraum mit dem erhobenen Messer auf die Beamten zugegangen sein.

Polizeieinsatz in Augsburg eskaliert: Schüsse auf Mann in Supermarkt

Den Ermittlungen zufolge scheiterten Versuche der Beamten, den 20-Jährigen zu entwaffnen, stattdessen habe er sich "unbeeindruckt" gezeigt und sich den Polizisten weiter genähert. Daraufhin schossen die Beamten. Wie berichtet, schossen nach Informationen unserer Redaktion zwei Beamte insgesamt sechsmal auf den Mann, drei der Kugeln trafen ihn den Informationen zufolge in den Oberkörperbereich, in Rumpf und Arm. Der 20-Jährige hat dabei offenbar gravierende Verletzungen erlitten. Erst nach einigen Wochen konnte er das Krankenhaus verlassen, seither sitzt er in Untersuchungshaft. Er soll in der Alkohol- und Drogenszene am Königsplatz verkehrt haben; nach Informationen unserer Redaktion soll er nicht lange vor der Tat aus dem Raum Günzburg nach Augsburg gezogen sein. Er war zum Zeitpunkt der Tat wohl alkoholisiert.

In der Anklageschrift werden dem Mann 14 weitere Delikte zur Last gelegt, die er seit Mitte März 2020 begangen haben soll. Es geht dabei unter anderem um Diebstähle, Körperverletzungsdelikte sowie mehrfachen Angriff auf und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und einen Verstoß gegen das Waffengesetz.

Der Prozess soll vor der Jugendkammer des Landgerichtes stattfinden. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest. Wie in solchen Fällen üblich, hat das Landeskriminalamt den Schusswaffengebrauch der Polizisten überprüft. Ergebnis: Ein strafbares Verhalten der Beamten liegt der Überprüfung zufolge nicht vor. Die Schüsse der Polizisten stufte die Staatsanwaltschaft als zulässige Notwehr ein.

Verteidiger Werner Ruisinger sagt, es habe seitens seines Mandanten definitiv keinen Tötungsvorsatz gegeben. Zu weiteren Details wolle er noch keine Stellung beziehen.

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