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Justiz

12.02.2015

Tritte auf dem Parkplatz

Eine Frau lag schwer verletzt vor einem Supermarkt. Versuchter Mord und Vergewaltigung, sagt die Staatsanwaltschaft. Doch der Prozess endet anders

Es ist früher Morgen im September 2011. Auf dem Parkplatz eines Supermarktes in Oberhausen liegt schwer verletzt eine Frau, halb entkleidet. Passanten alarmieren die Polizei. Die 48-Jährige hat durch Faustschläge oder Fußtritte im Gesicht mehrere Brüche erlitten, wird im Klinikum operiert, überlebt. Drei Jahre sucht die Augsburger Kripo nach dem Täter, von dem sie nur seine DNA kennt. Da kommt ihr Kommissar Zufall zuhilfe. Im Frühjahr 2014 wird im thüringischen Erfurt ein Mann in seiner Wohnung überfallen. Die Polizei nimmt zwei Tatverdächtige fest. Auf einen passt die bei der Kripo in Augsburg gespeicherte DNA-Spur.

Wegen versuchten Mordes und Vergewaltigung stand der 27-Jährige jetzt in Augsburg vor dem Landgericht. In einem Indizienprozess. Der Angeklagte schwieg nämlich zu den Tatvorwürfen. Das Opfer konnte als Zeugin nicht mehr befragt werden. Die Frau ist inzwischen gestorben.

Nach dem gestern verkündeten Urteil muss der in Erfurt lebende 27-Jährige für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Der Angeklagte wurde von der 8. Strafkammer nur der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen. Das Gericht hält es dagegen für nicht bewiesen, dass der Täter die Frau tatsächlich töten wollte oder vergewaltigt hat. Es widersprach damit Staatsanwältin Andrea Eisenbarth. Die Anklägerin hatte für den Erfurter neun Jahre Haft beantragt.

Richter Christoph Wiesner wies, als er das Urteil begründete, auf die im Prozess gehörte Zeugen hin. Diese hatten in einer Gaststätte, die an den Parkplatz angrenzt, Zärtlichkeiten zwischen dem Angeklagten und der Frau beobachtet. Für das Gericht spricht einiges dafür, dass beide den Sex gewollt hätten. Wiesner: „Wir müssen jedenfalls zugunsten des Angeklagten davon ausgehen.“ Verteidiger Thomas Metz hatte für seinen Mandanten sogar auf Freispruch plädiert. Das Gericht bezeichnete seinen Hinweis, auch andere Gaststättenbesucher kämen als Täter infrage, als „bloße Spekulation“.

Der Angeklagte hatte sich zur Tatzeit im September 2011 nur vorübergehend in Augsburg aufgehalten. Der 27-Jährige, von Beruf Elektroniker, arbeitete für eine Zeitarbeitsfirma.

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