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Augsburg

12.06.2018

Warnstreiks im Nahverkehr: So trifft der Streik Augsburg

Am Mittwoch kommt es wohl zu Einschränkungen beim Bus- und Tramverkehr.
Bild: Silvio Wyszengrad

Verdi kündigt eine vierstündige Aktion an. Laut Stadtwerken ist erst ab 9 Uhr mit einem normalen Betrieb zu rechnen. Was das für Arbeitnehmer in Augsburg bedeutet.

Fahrgäste des Nahverkehrs werden sich in Augsburg am Mittwoch, 13. Juni, auf massive Einschränkungen im Morgenverkehr einstellen müssen. Die Gewerkschaft Verdi hat bei den Stadtwerken einen vierstündigen Warnstreik ab Betriebsbeginn angekündigt. Somit dürften zwischen 4 und 8 Uhr keine Busse und Trams fahren. „Bis der Verkehr dann normal nach Fahrplan an allen Haltestellen läuft, dürfte es sicher 9 Uhr werden“, so Stadtwerkesprecher Jürgen Fergg.

Wie viele Fahrgäste betroffen sind, ist nicht ganz einfach abzuschätzen. An einem Werktag befördern die Stadtwerke rund 180.000 Personen, allerdings läuft der Warnstreik ja nur einige Stunden. Berufstätige, Schüler und Studenten, die schon vor 9 Uhr am Ziel sein müssen, werden wohl vor allem aufs Fahrrad und das Auto umsteigen.

Streiks im Nahverkehr: Regionalbusse sind nicht betroffen

Nicht betroffen vom Streik ist der Regionalbusverkehr des AVV. Allerdings halten die Umlandbusse, die in die Innenstadt fahren, nur an ausgewählten Haltestellen im Stadtgebiet und fahren auch nicht so häufig. Der AVV rechnet am Mittwochmorgen mit volleren Bussen, je näher man dem Stadtzentrum kommt. Auf die Schnelle mehr Fahrzeuge einzusetzen oder zusätzliche Stopps einzulegen, sei nicht machbar, so Sprecherin Irene Goßner. Die Gersthofer Verkehrsbetriebe werden einen Shuttlebus zum dortigen Bahnhof einrichten, um zu verhindern, dass Fahrgäste in Augsburg-Nord, wo die Passagiere in die Augsburger Trams umsteigen müssen, „stranden“. Ganz normal fahren die Regionalbahnen, die über die innerstädtischen Bahnhöfe für manche Viertel eine Anbindung an die Innenstadt bieten.

Ein Verkehrschaos ist aber kaum zu befürchten, wie vergangene Streiks gezeigt haben. Zwar ist mit mehr Autoverkehr zu rechnen, gleichzeitig fallen an Ampelkreuzungen aber die Vorrangschaltungen für Bus und Tram weg, sodass für Autos etwas mehr Luft entsteht. In Augsburg werden im Durchschnitt 16 Prozent aller Wege mit dem Nahverkehr zurückgelegt, im Sommer liegt dieser Anteil tendenziell niedriger. Bei der Polizei fürchtet man kein Chaos auf den Straßen. „Aus der Vergangenheit wissen wir, dass die Leute bei Streiks richtig reagieren und ausweichen“, so Polizeisprecher Siegfried Hartmann. „Viel schlimmer ist es, wenn es es im Berufsverkehr zu Unfällen an Hauptachsen kommt. Das hat wesentlich größere Auswirkungen.“

Arbeitnehmer sind trotzdem für ihre Pünktlichkeit verantwortlich

Arbeitnehmer sollten sich rechtzeitig nach alternativen Transportmöglichkeiten wie Fahrgemeinschaften umschauen, so Anita Christl, Arbeitsrechtsexpertin der Industrie- und Handelskammer. Denn die Verantwortung, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen, liege beim Arbeitnehmer. Viele Arbeitgeber zeigten sich aber bei solchen Umständen kulant und würden einer kurzfristigen Überstundenfreistellung zustimmen, so Christl.

Einen Notbetrieb, wie es ihn in der Tarifauseinandersetzung 2010 gegeben hatte, gibt es am Mittwoch nicht. Zwar werden am Mittwoch nicht alle der 500 Fahrer dem Verdi-Aufruf folgen, weil die zweite Fahrergewerkschaft NahVG (früher unter dem Dach der Gewerkschaft der Lokführer GDL) im momentanen Stadium der Tarifauseinandersetzung nicht in den Streik gehen möchte. Allerdings ist die Zahl der bei NahVG organisierten Fahrer erfahrungsgemäß geringer als die Zahl der Verdi-Fahrer. Ein halbwegs verlässlicher Fahrplan lasse sich unter diesen Umständen nicht organisieren, so die Stadtwerke. Zudem werden am Mittwochmorgen auch die Verkehrsleitstelle und die Werkstätten nicht besetzt sein.

Verdi fordert bessere Arbeitsbedingungen für Fahrer

Am kommenden Freitag werden Arbeitgeber und Gewerkschaften über den Tarifvertrag der Fahrer verhandeln. Verdi fordert sieben Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber sehen den Tarifabschluss aus dem öffentlichen Dienst (7,5 Prozent bei 30 Monaten Laufzeit) als oberste Grenze. Laut der Augsburger Verdi-Gewerkschafterin Maren Ulbrich geht es aber vor allem um bessere Arbeitsbedingungen, etwa mehr Urlaubstage für Nachtschichten. „Wenn der Beruf attraktiv bleiben soll, muss es Verbesserungen geben“, so Ulbrich. Laut Tarifvertrag bekommen Berufseinsteiger als Fahrer um die 2300 Euro brutto im Monat zuzüglich Zuschlägen für Schicht- und Sonntagsarbeit. In Augsburg gibt es seit 2010 die Regelung, dass neue Fahrer zunächst in der Tochtergesellschaft ASG zu etwas schlechteren Konditionen eingestellt werden, später aber in den normalen Tarifvertrag wandern. Ulbrich sagt, man habe den Streik bewusst in die Morgenstunden gelegt, weil bei einer Arbeitsniederlegung untertags Fahrzeuge mitten auf der Strecke stehenbleiben würden. Man hoffe auf das Verständnis der Fahrgäste, so Ulbrich. Es sei aber auch in deren Interesse, wenn die Fahrer, die sie täglich transportieren, gute Arbeitsbedingungen haben.

Alternativen: Wer kein eigenes Fahrrad hat, kann sich eines der 150 Stadtwerke-Fahrräder leihen. Allerdings muss man sich vorher registrieren. Die Telefonnummer der Taxizentrale ist 0821/35025.

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