Ausstellung

11.10.2014

Weltstars in Farbe

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2 Bilder
Poppige Farbmuster und architektonische Miniaturen bei Franz Ackermann.

Die Gesellschaft für Gegenwartskunst holt große Namen ins H2. Die Spannbreite reicht von Cézanne bis zu A. R. Penck, Georg Baselitz und Thomas Schütte. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit einer umstrittenen Skulptur

Kontinuität lohnt sich. Die Gesellschaft für Gegenwartskunst Augsburg (GfG) unter Stefan Schrammel hat bereits Albert Oehlen, A. R. Penck, Tobias Rehberger und Georg Baselitz im Einzel präsentiert. Man lernt sich kennen, verfolgt die Entwicklung der Künstler, bleibt in Kontakt, schickt ab und an einen Katalog. All das öffnet Türen und festigt den guten Ruf. So kommt es, dass man bei nächster Ausstellungsgelegenheit – mit Erfolg – neue Arbeiten anfragen kann…

So kommt es, dass Thomas Schütte (geb. 1954) die Schau „in farbe!“ der GfG mit sechs Tuschen aus seinem Atelier beschickt hat. So kommt es, dass der von Stefan Schrammel ebenfalls direkt angefragte Franz Ackermann (geb. 1963) sieben Aquarelle nach Augsburg geliefert hat. So kommt es schließlich, dass etwa zwölf Leihgeber, immerhin mit Paul Cézanne und Pierre Bonnard im Bestand, aktiviert werden konnten, neben den Münchner Galerien Sabine Knust (mit Tal R, A. R. Penck) und Christine Mayer (André Butzer, Andy Hope).

Thomas Schütte war übrigens, Stunden vor der Eröffnung im H2, erster (Überraschungs-)Gast in der Schau. Er zahlte Eintritt, fand das völlig in Ordnung, schaute sich um, reiste wieder ab und beschied am Telefon: „Das kann sich sehen lassen.“

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Die auf drei Kabinette verteilte, unter die Themen „Landschaft“, „Abstraktion“, „Figur“ gestellte Ausstellung versammelt 15 Künstler mit 63 Arbeiten auf Papier. Das Niveau ist beachtlich. In den oft intimen, zum genauen Studium anhaltenden Blättern schließen sich Zeichnung und Malerei zusammen. Neben den klassischen Mitteln Bleistift, Kohle, Kreide und Tusche kommen Filz- und Buntstifte, Tipp-Ex, Sprühdose, Computerdruck und Kaffee zum Einsatz.

Große Einzelwerke ziehen den Blick auf sich. Cézanne reißt in seinem Aquarell (um 1878) die Perspektive aus der Untersicht über die Kastanienallee in den mit Bleistiftlinien skizzierten Himmel. Die aus Blau und Grün gebaute Ansicht ist zugleich fließende Erscheinung. Bonnard legt in seine Landschafts-Gouache (1944) ein blaues Band, dem er durch einen steil ins Bild führenden Weg und durch einen Himmelsstreif, beide in Orange, alle Schwere nimmt. Paul Klees „Zwergin“ (Aquarell, 1929), in gedämpfte Farbflächen gesetzt, scheint in sich versunken.

Es ist spannend, wie sich Motive entwickeln

Daneben kommen Künstler mit sich selbst ins Gespräch. Baselitz (geb. 1938) hat seine 5er-Serie von 1991 an einem einzigen Tag geschaffen, wobei die anfänglich massiv gegeneinander gesetzten Köpfe in Blau sich zusehends in Bleistiftstrichen und freien Farbflecken auflösen. Wie Motive anklingen und dann sukzessive verklingen, ist immer wieder spannend zu verfolgen, über die thematische Gliederung hinweg. So verliert sich bei André Butzer (geb. 1973) das Figurale in einem schön lockeren, durch zwei Rechtecke und Lineaturen gefassten Farbverbund. Franz Ackermann setzt in seine poppigen Farbmuster und -kreise architektonische Miniaturen. Alles fließt, die Welt wird zu Ornament und Schnappschuss.

Albert Oehlen (geb. 1954) eröffnet die Spanne von einem angedeuteten Baumstamm über eine Computerzeichnung, die einen nur noch verwirrenden Schaltkreis simuliert, hin zu einer Collage auf Zeitungspapier (2001). In ihr thront eine Abbildung der (von der Stadt Augsburg schnöde abgewiesenen) „Aphrodite“ u. a. über dem Papst und Cranach. So hat, wohl erstmals, die Augsburger Affäre von 2000 den Weg in die zeitgenössische Kunst gefunden – abgesehen vom Fingerzeig, den die göttliche „Aphrodite“ auf den antiken Fahrensmann „Odysseus“ vor dem Glaspalast und von da in die aktuelle Lüpertz-Ausstellung in der Galerie Noah gibt.

Zurück ins Grafik-Kabinett des H2 – zu wenig bekannten frühen Frauenbildnissen von A. R. Penck (geb. 1939); zu den Anverwandlungen einer Duchamp- oder Pollock-Vorlage durch Tobias Rehbergers (geb. 1966) Postkarten-Formate; zum grell beleuchteten und scharf umrissenen Frauenakt nebst gierig zugreifendem Hand-Ensemble im Pastell (1993) von Francesco Clemente (geb. 1952), einem Trauma-Bild aus Gewalt und Begehren; schließlich zu den hintergründig-gewitzten Tuschen des Thomas Schütte oder einer Collage von Jean Tinguely (gest. 1991), in der Platz ist für Farbkasten und Windrad, für Toilettenspiegel, Puppe, Katze und Biene Maja und für viele Farbkreise sowieso.

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