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Augsburg

09.11.2020

Weniger Kundschaft im Lockdown: Die Sorge der Händler wächst

Der Lockdown führt dazu, dass sich weniger Menschen in der Augsburger Innenstadt aufhalten. In der Annastraße (im Bild) werden die Passanten gezählt.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Zählungen von Passanten in der Augsburger Fußgängerzone belegen, wie sich der aktuelle Lockdown unmittelbar auswirkt. Was Händler sagen und wie Kunden ihr Einkaufsverhalten bewerten.

Es ist ein symbolischer Akt. Er dokumentiert, dass Weihnachten näher rückt. Am Rathausplatz in Augsburg wird am Montag um die Mittagszeit der Weihnachtsbaum aufgestellt. Die Tanne wird mit rund 1000 LED-Lampen und 300 goldenen Sternen samt einem großen Stern auf der Tannenspitze festlich geschmückt. Von Vorfreude auf das Fest ist gegenwärtig wenig zu spüren. Der Lockdown wegen der Corona-Pandemie bremst das öffentliche Leben aus - auch in Augsburg. Im heimischen Handel wächst die Sorge, dass die Menschen wenig Lust auf Weihnachtseinkäufe haben. Die Stimmungslage bei Geschäftsleuten und Kunden ist getrübt. Wie kann Freude am Einkaufen geweckt werden?

Dass die Verunsicherung groß ist, zeigen Aussagen vom Einzelhandelsverband. Bezirksgeschäftsführer Andreas Gärtner berichtet, dass Geschäftsinhaber zuletzt Anrufe von Kunden erhielten, ob Läden in Augsburg überhaupt im November geöffnet hätten. Antwort: Sie haben. Es gelten weiterhin Beschränkungen, wonach nur eine bestimmte Zahl an Kunden sich gleichzeitig in einem Laden aufhalten darf. Wegen hoher Corona-Fallzahlen im Stadtgebiet hat die Stadt zudem verfügt, dass in allen Geschäften im Eingangsbereich Desinfektionsschutzmittel zwingend stehen müssen. Das sei das geringste Problem, heißt es in der Geschäftswelt.

In der Annastraße in Augsburg werden Passanten gezählt

Der abgespeckte Lockdown wirkt sich bereits auf die Passantenfrequenz in der Innenstadt aus. Dies belegen aktuelle Zahlen. In der Bürgermeister-Fischer-Straße und in der Annastraße werden Passanten elektronisch erfasst. Das Unternehmen Hystreet wertet die Daten aus. In der Woche vor dem Lockdown wurden in der Bürgermeister-Fischer-Straße insgesamt knapp 84.200 Personen registriert, in der Annastraße waren es etwas mehr als 60.000. In der Woche mit Beginn des Lockdowns waren es in der Bürgermeister-Fischer-Straße etwas mehr als 80.000, in der Annastraße mehr als 57.000. Aussagekraft hat zudem der Vergleich zwischen dem letzten Einkaufssamstag in Augsburg ohne weitreichende Einschränkungen und aktuellen Daten: In beiden Straßenzügen waren an diesem Tag in der Summe jeweils rund 3000 Personen mehr unterwegs als am zurückliegenden Samstag.

In der Bürgermeister-Fischer-Straße sank die Frequenz der Passanten im Mai um ein Drittel im Vergleich zum Januar, als Corona noch nahezu kein Thema war.
Bild: Jan-Luc Treumann (Archiv)

Claudia Klüver macht das Bummeln dieses Jahr „überhaupt keinen Spaß“. Die 59-Jährige erledigt die Weihnachtseinkäufe vor Ort. Sie sei nun mal keine „Internetshopperin“. Zudem möchte sie lokale Geschäfte unterstützen. Nur: „Das ständige Umeinander-Rumschleichen, um den Abstand zu wahren, nervt." Angst vor einer möglichen Ansteckungsgefahr beim Einkaufen habe sie nicht, sagt Claudia Klüver, "weil die Hygienekonzepte und deren Umsetzung gut sind".

So verhalten sich die Kunden in Augsburg

Ebenso unbesorgt ist Kira Wagenfeld. Sich zu verbarrikadieren, halte sie für nicht sinnvoll. „Ich gehe jetzt nicht mehr, nicht weniger einkaufen und shoppen als sonst“, sagt die 19-Jährige. Einkaufen ohne Maske sei natürlich schöner, "für mich ist die Maske dennoch kein großes Problem". Ein Problem erkennt die junge Frau vor den anstehenden Einkäufen von Geschenken: "Mitunter ist es gut, mit Begleitpersonen shoppen zu gehen, um sich eine zweite Meinung einzuholen". Gegenwärtig ist nur eine Begleitperson erlaubt.

Stefan Radle gehört ebenfalls zur Personengruppe, die lieber in ein lokales Geschäft geht. „Ich meide halt so gut es geht Stoßzeiten“, sagt der 23-Jährige. Für das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr fände er längere Öffnungszeiten einen guten Lösungsansatz, um mehr Menschen in die Läden zu locken. Dadurch würde sich die Menge entzerren und mehr Leute würden vielleicht auf das Shoppen im Internet verzichten. Momentan mehr "online“ kaufe hingegen Karin Leiding ein. Einkaufen im Laden empfinde sie gerade eher unangenehm. Es solle jeder für sich selber entscheiden, wie es für ihn am besten ist, meint die 53-Jährige .

Dem Handel in Augsburg fehlen auch die Touristen

In der Augsburger Innenstadt war in den zurückliegenden Tagen deutlich weniger los als vor dem Lockdown. Die Geschäftsführer Andrea Karl und Kurt Sauerlacher von „Kolonial“ am Perlachberg bestätigen dies: "Es ist schwierig, ganz viele Leute gehen nicht mehr aus dem Haus.“ Man spüre den Rückgang der Kunden. Da das Geschäft auf dem Weg vom Rathausplatz zur Fuggerei liegt, gibt es eine besondere Entwicklung: "Uns fehlen vor allem die Touristen“, sagt Andrea Karl. Und jetzt falle auch noch der Christkindlesmarkt weg. Die finanzielle Lage des Unternehmens sei angespannt. „Wir kommen mit einem blauen Auge davon, sofern das Weihnachtsgeschäft läuft“, sagt Sauerlacher. Er hat festgestellt: „Es ist nicht so, dass die Leute keine Lust zum Einkauf haben.“ Die verschärften Maßnahmen würden einfach vielen Menschen Sorgen bereiten.

Auch in der City Galerie weisen Schilder auf die Maskenpflicht hin.
Bild: Michael Hochgemuth

Proppenvoll in der Vorweihnachtszeit ist die City-Galerie, das größte Einkaufscenter in Augsburg. So kennt man die Situation aus den Vorjahren. Und 2020? Centermanager Axel Haug verspricht zunächst einmal, dass im Center für weihnachtliche Stimmung gesorgt werde: "Ich war schon im Lager und konnte zwischen all den Weihnachtsbäumen unsere Deko bestaunen." Mit Prognosen, wie sich die Umsätze in den Geschäften entwickeln, hält sich der Centermanager zurück. Er verweist auf die aktuelle Situation: "Die Frequenzen im Center gehen aufgrund des Lockdowns light gerade eher wieder runter."

In der City-Galerie laufen Vorbereitungen fürs Weihnachtsgeschäft

Dass an den besonders einkaufsstarken Samstagen das Center kurzfristig geschlossen werden müsse, weil die Zahl der erlaubten Besucher erreicht werde, sei nicht ausgeschlossen: "Wir hoffen alle aber auf das für den Handel sehr wichtige Weihnachtsgeschäft. Und dann kann es schon mal vorkommen, dass wir zu bestimmten Zeiten die Frequenz steuern müssen und an die maximal zulässige Personenzahl kommen.'" Darauf sei die City-Galerie vorbereitet, da man die Regelung in ähnlicher Form aus dem Frühjahr kenne. Vor wenigen Monaten gab es den ersten Lockdown.

Der Tannenbaum am Rathausplatz soll nun zumindest etwas für Stimmung sorgen. In der nächsten Zeit soll dann auch wieder die Weihnachtsbeleuchtung in der Fußgängerzone installiert werden.

Wie trifft die Corona-Krise die Gastronomie? Hören Sie sich dazu unseren Podcast von Juni 2020 aus der Reihe "Augsburg, meine Stadt" an:

 

Lesen Sie dazu den Kommentar: Die Innenstadt zählt zu den großen Verlierern

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09.11.2020

Online ist inzwischen viel interessanter. Keine Maskenpflicht, keine Öffnungszeiten, kein Warten vor dem Geschäft bis man rein darf, größere Auswahl und bei Kauf und Direktimport beim Hersteller in China deutlich billiger. Unsere Regierenden wissen wie man die Kundschaft des lokalen Handels vertreibt.

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09.11.2020

Genau! Der Chinese sorgt mit seinen Steuern dafür das bei uns alles so top funktioniert. Das der Aufbau der Weihnachtsbeleuchtung bezahlt wird, das die Straßen und Grünanlagen gepflegt werden, die Kinder (wieder irgendwann) ins Schwimmbad gehen können, oder in den Zoo. Das Schulen gebaut und saniert werden, man (irgendwann wieder) am Samstag ins Theater gehen kann, etc. etc. Denn das bezahlt alles der Chinese mit seinen Steuern, die er freundlicherweise nach Deutschland überweist, weil hier die besten und kompetentesten Kunden weltweit wohnen.

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09.11.2020

Man munkelt ja, das der Chinese auch die Gehälter unserer Lehrer, Beamten, Straßenkehrer, Polizisten, einfach alles bezahlt. Das macht der, weil er uns und unsere Kultur so sehr schätzt. So ist das.

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09.11.2020

Ich zahle auch ohne Einkäufe in China schon genug Steuern jedes Jahr. Und vor allem vergessen Sie, dass man auf Direktimporte die Einfuhrumsatzsteuer entrichtet und evtl. noch Zollgebühren die auch dem Finanzministerium zugute kommen. Soviel zu ihrer unterhaltsamen Antwort.

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09.11.2020

Das Argument habe ich ja völlig vergessen Frau P. Ihre Weitsicht ist beeindruckend.

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09.11.2020

Wir waren vor einer Woche in der City-Galerie. 3 Personen ohne Maske, mind. 15 Personen mit freier Nase und das sogar beim Personal in einem Imbissstand. Wir gehen nicht mehr hin.

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09.11.2020

Für welche Anlässe soll man Textilien kaufen ? Klassische Trauerkleidung wird kaum noch getragen. Keine Disco kein Theater hat geöffnet. In der Stadt bummeln ohne Lokalbesuch ? Kein Kaffeehaus kein Wirtshaus hat geöffnet, wo kann man sich zum ausruhen hinsetzen. Kunden von ausserhalb bleiben ganz aus.

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