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Augsburg

23.12.2020

Weniger Neuankömmlinge, Heime unter Quarantäne: So trifft Corona Flüchtlinge

In Augsburgs Stadtteil Lechhausen ist das Verwaltungszentrum, in dem ankommende Flüchtlinge registriert werden. Der Betrieb läuft jetzt seit einem Jahr.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Seit einem Jahr läuft der Betrieb im Anker-Verwaltungszentrum in Lechhausen. Vieles kam anders als anfangs geplant. Ein Standort in Inningen spielt nun eine wichtige Rolle.

Die Corona-Pandemie beeinflusst die Lage neu ankommender Flüchtlinge in Augsburg massiv in doppelter Hinsicht: Zum einen ist die Zahl der Neuankömmlinge zurückgegangen. Zum anderen müssen die Unterkünfte darauf reagieren, wenn sich Asylbewerber mit dem Virus infiziert haben. Seit Längerem ist ein Standort in Inningen die Aufnahmestation für Corona-Patienten. Aktuell leben dort 29 Infizierte. Hinzu kommen noch 16 weitere Personen, die zum unmittelbaren familiären Umfeld der Erkrankten gehören.

Zuständig für die Betreuung dieser Flüchtlinge ist die Regierung von Schwaben. Sie managt zudem das Verwaltungszentrum in der Aindlinger Straße im Stadtteil Lechhausen. Hier werden die Personalien sämtlicher Flüchtlinge erfasst, die neu in Schwaben aufgenommen werden. Diese Einrichtung in Lechhausen läuft seit einem Jahr. Auf Augsburg fiel damals die Wahl, weil die vorherige Anker-Einrichtung in Donauwörth aufgegeben wurde. Dort waren mehrere hundert Flüchtlinge untergebracht, was mitunter zu Konflikten geführt hatte.

Betrieb im Anker-Verwaltungszentrum verläuft ohne größere Konflikte

Die Behörden strukturierten die Anker-Zentren neu. Anker steht für Zentrum für Ankunft, Entscheidung, Rückführung. Als die Überlegungen vor Jahresfrist vorgestellt wurden, sprachen die Verantwortlichen davon, dass aufgrund der kurzfristigen Unterbringung in der Aindlinger Straße mit keinen größeren Konflikten zu rechnen sei. Wie von der Regierung von Schwaben bestätigt wird, hat sich diese Einschätzung bewahrheitet. Auch bei der Polizei sind keine besonderen Vorkommnisse aufgelaufen.

Als das Verwaltungszentrum eröffnet wurde, ging man davon aus, dass am Tag bis zu fünf Flüchtlinge neu ankommen. Hochgerechnet aufs Jahr wären dies etwas mehr als 1800 Personen. Es werden allerdings deutlich weniger Flüchtlinge im Jahr 2020 registriert als prognostiziert. Mit Stand vom Montag waren es 1352 Personen, teilt die Regierung von Schwaben auf Anfrage mit. Die Tendenz zum Jahresende ist abnehmend. Waren es im November insgesamt 125 Neuankömmlinge, sind es bislang im Dezember erst 64 Personen.

Aus diesen Ländern kommen die Flüchtlinge nach Augsburg

Die Hauptherkunftsländer der neu ankommenden Flüchtlinge sind Irak, Gambia, Türkei und Nigeria. Dies liegt an der bayernweiten Zuteilung von Asylbewerbern. Wer neu als Flüchtling in Schwaben ankommt, wird wenig später auf eine von mehreren Anker-Zweigstellen verteilt. Es gibt mehrere Standorte in Schwaben. In Augsburg sind sie in Inningen (Hohenstaufenstraße), Kriegshaber (Kobelweg), Lechhausen (Steinere Furt) und im Herrenbach (Berliner Allee).

Die Anker-Einrichtung in der Berliner Allee ist die größte im Augsburger Stadtgebiet.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Unterkunft an der Berliner Allee war für Familien mit Kindern konzipiert. Eine Kinderbetreuung vor Ort wurde geschaffen. Schulpflichtige Kinder besuchten die Herrenbachschule, wobei es auf dem Areal einen eigenen Unterricht in einem Container geben soll. Die Anker-Einrichtung in der Berliner Allee ist aktuell mit 144 Personen belegt. Sie ist damit zahlenmäßig die größte im Stadtgebiet.

Quarantäne gilt für alle Bewohner in Kriegshaber

Wegen der Corona-Pandemie wurden nach Angaben der Regierung von Schwaben bereits im Lauf des Jahres weitreichende Änderungen getroffen. So ist die Unterkunft in Inningen inzwischen speziell darauf ausgerichtet, Corona-Patienten aufzunehmen. Dies gilt ebenfalls für enge Familienangehörige wie zum Beispiel minderjährige Kinder. Kontaktpersonen, die sich in Quarantäne begeben müssen, werden am Kobelweg untergebracht. Zwischenzeitlich gilt eine Quarantäne-Unterbringung allerdings auch für einen größeren Personenkreis in der Berliner Allee. Alle 59 Flüchtlinge in Kriegshaber sind derzeit in Quarantäne, in der Berliner Allee sind es 97 Personen.

Zwei weitere positiv getestete Personen sind in der Gemeinschaftsunterkunft in der Sterngasse in der Stadtmitte untergebracht. Diese beiden Bewohner stammen allerdings nicht aus einer Anker-Zweigstelle, sondern wohnten bereits in einer staatlichen Gemeinschaftsunterkunft.

So läuft es im Anker-Verwaltungszentrum ab

Geregelt sind zudem die Vorgaben, wie es im Verwaltungszentrum abzulaufen hat. Um eine Ansteckungsgefahr durch Covid-19 für Mitbewohner so weit wie möglich zu reduzieren, werden die Flüchtlinge in Lechhausen bis auf Weiteres nur so lange untergebracht, bis das Ergebnis des für alle Neuankünfte obligatorischen Corona-Abstrichs vorliegt. Daher sind in der Regel weniger als 20 Betten belegt. Momentan sind es 15 Bewohner.

Bei der Regierung von Schwaben heißt es in der Bewertung der aktuellen Situation, dass sich die Abläufe weitgehend eingespielt hätten. Man werde vorerst nach den jetzigen Strukturen weiterverfahren. Aktuell seien für die Standorte in Augsburg keine Änderungen ersichtlich.

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