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Augsburg

07.06.2019

Wie der Schulleiter um die Holbein-Sanierung kämpft

Dieter Fiedler will weiter für eine Sanierung des Holbein-Gymnasiums kämpfen.
Bild: Elisa Glöckner

Der Direktor des Holbein-Gymnasiums ist froh, dass die Sanierung der Schule vorerst nicht vom Tisch ist. Er ist trotzdem sauer.

Dieter Fiedler hat in den letzten Tagen viel telefoniert und viele Mails geschrieben. Nur durch Zufall hatte der Schulleiter erfahren, dass die 2017 im Stadtrat beschlossene Schulsanierung des Holbein-Gymnasiums im Bildungsausschuss gestrichen werden soll. Fiedler wollte dies um jeden Preis verhindern. Umso erleichterter ist Fiedler nun, dass das Thema am Mittwoch im Ausschuss vorerst zurückgestellt wurde. Die Fraktionen wollen sich intern beraten.

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Die Sporthalle des Holbein-Gymnasiums ist wegen Einsturzgefahr gesperrt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Vor fünf Jahren hatte der Augsburger Stadtrat das 300-Millionen-Euro-Schulsanierungspaket gemeinsam mit dem Freistaat beschlossen. Doch das Geld für die Erneuerungen der Schulen reicht schon längst nicht mehr. Schuld sind vor allem die steigenden Kosten für den Brandschutz. Vor diesem Hintergrund wollte Bildungsreferent Hermann Köhler (CSU) die beschlossene Generalsanierung des Holbein-Gymnasiums kippen. Er setzte das Thema auf die Tagesordnung des Bildungsausschusses, ohne vorab das Holbein zu informieren. Schulleiter Dieter Fiedler ist deshalb immer noch sauer. Als er zufällig ein paar Tage vor dem Ausschuss davon erfuhr, setzte er alles in Bewegung, um die Entscheidung zu verhindern.

Briefe an die Politik in Augsburg

Das Schulgremium traf sich, um zu beraten, wie die drohende Streichung verhindert werden kann. Die Schule verschickte Briefe an alle Parteien sowie an Finanz-, Bau- und Bildungsreferat. Parallel versuchte Fiedler nach eigener Aussage, Bildungsreferent Hermann Köhler zu erreichen. Ohne Erfolg. „Ich frage mich, ob Herr Köhler überhaupt noch unser zuständiger Bildungsreferent ist“, kritisiert er.

Holbein Gymnasium
9 Bilder
Bilder: So sieht es derzeit im Holbein-Gymnasium aus
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprang der Schulleitung am Donnerstag bei: Es sei ein Unding, dass die Schulfamilie des Holbein-Gymnasiums nicht durch die Verwaltung vom Plan erfahren habe, die Generalsanierung abzublasen, heißt es in einer Pressemitteilung der GEW. Hier werde ohne Not Vertrauen zerstört. Auch von der SPD hatte es im Ausschuss Kritik gegeben.

Augsburger Schulreferent erklärt sein Vorgehen

Köhler selbst erklärt auf AZ-Anfrage, dass er die „wesentliche Entscheidung“ über eine Verschiebung der Sanierung zunächst politisch diskutieren wollte, um dann mit einem Ergebnis auf die Schulleitung zuzugehen. Dass die Entscheidung nun vertagt wurde, hält der Referent für die schlechteste Variante. „Der nächste Ausschuss, in dem wir darüber sprechen können, ist erst im Oktober“, so Köhler. Bis dahin herrsche erst einmal Stillstand. Laut Köhler habe der Stadtrat 2017 aber auch keine Generalsanierung beschlossen. „Es ging im Beschluss nur darum, dass wir den Sanierungsbedarf ermitteln wollten.“

Die Turnhalle des Holbein ist gesperrt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Grüne und SPD haben laut Schulleiter Fiedler inzwischen bereits eine Ortsbegehung am größten Gymnasium Augsburgs gemacht. Für Mitte Juli habe sich nun auch die CSU angekündigt. Für diesen Termin will Fiedler auch Pro Augsburg und Die Linke ins Boot holen. Dann möchte der Schulleiter den Räten eine Priorisierung der notwendigen Maßnahmen präsentieren. Dieter Fiedler will in Sorge um das Holbein-Gymnasium nicht lockerlassen. „Wenn die Stadt glaubt, dass zu den unabdingbaren Maßnahmen an der Schule nur der Brandschutz gehört, liegt sie falsch. Wir haben auch einen Bildungs- und Erziehungsauftrag zu erfüllen.“ Den sieht der 62-Jährige in Gefahr.

Fenster lassen sich nicht mehr öffnen

An der Südfassade ließen sich Fenster nicht mehr öffnen, Schüler müssten mit Bussen zu anderen Sportstätten gefahren werden, weil eine Turnhalle seit Schuljahresbeginn aufgrund von Einsturzgefahr gesperrt sei, naturwissenschaftliche Räume seien nur eingeschränkt nutzbar. Den Klassenzimmern fehle es an Mindestausstattungen, wie einen Beamer und Lärmschutzdecken. Toiletten und Dach müssten erneuert werden. Hoffnung, dass es mit der Generalsanierung doch weitergeht, hegt Fiedler auch wegen des Antrages der CSU-Fraktion.

Er besagt, dass am Grundsatzbeschluss zur Gesamtsanierung des Holbein-Gymnasiums festgehalten werden soll. Auch die im Haushalt eingestellten Mittel zur Erarbeitung eines Sanierungsstufenplans sollen entsprechend verwendet werden. Zudem fordert die CSU im Dialog mit der Schule unabdingbare, kurzfristige Sanierungsmaßnahmen zu identifizieren und den Gremien einen Maßnahmenkatalog vorzusetzen. „Diese drei Forderungen der CSU kommen uns sehr entgegen“, sagt Fiedler. Allerdings: Abgestimmt wurde im Ausschuss über diesen Antrag nicht.

Die Fenster am Holbein-Gymnasium in Augsburg sind in schlechtem Zustand.
Bild: Silvio Wyszengrad

Fiedler ist überzeugt, dass die Sanierung aller städtischen Schulen nur mit einem zweiten Schulsanierungspaket zu stemmen ist. „In München liegen offenbar finanzielle Mittel dafür bereit“, sagt er. Auch SPD-Stadträtin Jutta Fiener hatte im Bildungsausschuss ein solches Paket gefordert: „Wenn das Geld für die Schulsanierung nicht reicht, und das wissen wir, brauchen wir ein zweites Sanierungspaket.“

Schulreferent Hermann Köhler hält davon wenig: Solange nicht das erste Paket abgearbeitet sei, helfe es nicht, sich um ein zweites zu bemühen, zumal dieses Schulsanierungspaket lediglich eine höhere Förderung durch den Freistaat beinhalte. Einen Großteil der Sanierungskosten müsse weiterhin die Stadt bereitstellen. Und eben hier fehle aktuell das Geld.

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