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Augsburg: Wegen Abbruchs am Theater müssen die Fledermäuse ausziehen

Augsburg

Wegen Abbruchs am Theater müssen die Fledermäuse ausziehen

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    Das ehemalige Verwaltungsgebäude des Staatstheaters wird abgerissen. Dort hatte eine Kolonie von Abendseglern das größte bekannte Winterquartier in Augsburg.
    Das ehemalige Verwaltungsgebäude des Staatstheaters wird abgerissen. Dort hatte eine Kolonie von Abendseglern das größte bekannte Winterquartier in Augsburg. Foto: Wyszengrad (Archiv)

    Lebendige Lockfledermäuse in Käfigen, ein Spezialgerät mit Fledermausrufen – was wurde nicht alles versucht, um die Augsburger Theaterfledermäuse zum Umzug zu bewegen. Schließlich werden sie bald heimatlos, wenn die Abbrucharbeiten am Theaterkomplex weiter voranschreiten. Die Stadt ist verpflichtet, die streng geschützten Tiere rechtzeitig umzusiedeln. Das ist alles andere als einfach. Doch nun wird ein erster Erfolg vermeldet.

    Im Verwaltungsgebäude des Staatstheaters an der Kasernstraße hatte bislang eine Population von Großen Abendseglern ihr angestammtes Winterquartier. Etwa 200 dieser Fledermäuse hätten in der kalten Jahreszeit im Dachstuhl gehangen, so die Schätzungen bei der Stadt. Bernd-Ulrich Rudolph vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) sagt, es sei das größte bekannte Winterquartier dieser Fledermausart in der Stadt. Wie viele Abendsegler es in Augsburg insgesamt gibt, ist nicht bekannt. Deshalb ist es auch so wichtig, dass diese Population aus Staatstheater erfolgreich umgesiedelt werden kann. Solche Aktionen seien immer schwierig und mühsam, sagt Rudolph.

    Der Große Abendsegler zählt zu den größten heimischen Fledermausarten. Mehrere Tiere leben im Verwaltungsgebäude des Augsburger Theaters.
    Der Große Abendsegler zählt zu den größten heimischen Fledermausarten. Mehrere Tiere leben im Verwaltungsgebäude des Augsburger Theaters. Foto: Andreas Zahn (Symbolbild)

    Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind Fledermäuse streng geschützt. Rechtlich ist es so, dass Fledermausquartiere nicht beschädigt oder zerstört werden dürfen. Andernfalls ist für einen angemessenen Ersatz zu sorgen. Im Oktober 2018 nahm die Stadt einen ersten Anlauf, um den Theaterfledermäusen einen Umzug schmackhaft zu machen. In Kooperation mit dem Verein Fledermausschutz Augsburg wurden Ausweichquartiere im Umfeld des Staatstheaters eingerichtet – eines im Dachstuhl des Gesundheitsamtes und ein zweites im Verwaltungsbau am Rathausplatz.

    Bei der Stadt setzte man auch auf einen besonderen Trick: In den Ersatzquartieren wurden zwei lebende, aber nach einem Unfall flugunfähige Abendsegler stationiert und betreut. Sie sollten mit ihren Rufen die Artgenossen aus dem Theater anlocken. Doch dieses erste Experiment misslang. Die Lockfledermäuse waren zunächst nicht erfolgreich.

    In Augsburg gab es Experimente mit einem Fledermaus-Lockgerät

    Dann versuchte es die Umweltverwaltung zusammen mit den ehrenamtlichen Experten mit einem neuen Experiment. Zusätzlich wurde ein elektronisches Lockgerät beschafft, das Batlure. Es spielt Sozialrufe von Fledermäusen ab, um Artgenossen neugierig zu machen. Experten sagen, dass diese Geräte gut funktionierten. Die Fledermäuse müssen aber nahe genug daran vorbeifliegen und in der richtigen Stimmung sein, damit die Signale aus dem Gerät Wirkung zeigen. Nach Angaben des Umweltreferats gab es bis zu diesem Zeitpunkt keine gesicherten Daten, wie hoch die Erfolgschancen dieser technischen Klangattrappe sind.

    Fledermäuse: Das ist der Große Abendsegler

    Der Große Abendsegler ist eine Fledermausart, die vor allem in Wäldern lebt. Die Augsburger Theaterfledermäuse haben sich somit eine atypische heimat ausgesucht. Sie gehören biologisch gesehen zur Familie der "Glattnasen".

    Sie besitzen kurzes Fell und sind rostbraun gefärbt. Ihren kleinen Körpern (zirka acht Zentimeter) stehen Flügelspannweiten von etwa 40 Zentimetern gegenüber.

    Als Baumfledermaus bewohnt der Große Abendsegler oft alte Höhlen (zum Beispiel von Spechten) - mitunter aber auch Gebäude und Nistkästen. Die Fledermaus-Art ist fast überall in Europa zu finden, nicht allerdings im nördlichen Skandinavien, Schottland und Irland. Abendsegler wandern zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren lange Strecken, die längste gemessene Entfernung betrug nach Angaben des Online-Lexikons Wikipedia 1546 Kilometer. Ermittelt wurde sie durch Beringung. In Winterquartieren leben manchmal bis zu 1000 Tiere.

    Die Fledermäuse gehen kurz vor Dämmerungsanbruch auf Jagd. Ihre Nahrung besteht aus Nachtfaltern, Grillen und Käfern. Der Große Abendsegler jagt in der Regel über den Baumwipfeln und fängt seine Beute bei Geschwindigkeiten bis zu 60 km/h, heißt es auf Wikipedia.

    Die Tiere paaren sich zwischen August und Oktober. Ab Juni bringen die Weibchen meist ein bis zwei Junge zur Welt. Das bekannte Höchstalter eines Großen Abendseglers beträgt zwölf Jahre. (Quelle: Wikipedia)

    Zwar nutzten auch im vergangenen Winter noch die meisten Abendsegler ihr gewohntes Quartier im Staatstheater. Doch im Zuge der neuen Lockmethoden wurden im Gesundheitsamt immerhin zwölf Individuen gezählt. Im Verwaltungsgebäude waren es drei Abendsegler. Umweltreferent Reiner Erben (Grün) sagt: „Diese Annahme der Ersatzquartiere hat uns selbst überrascht und kann als Erfolg für den Artenschutz gewertet werden.“ Aus seiner Sicht zeigt sich damit, dass vorgezogene Artenschutzmaßnahmen greifen können, bevor überhaupt ein Eingriff durchgeführt worden ist.

    Umzug der Fledermäuse im Theater Augsburg: "Ein erster Erfolg"

    Ähnlich urteilt Experte Rudolph vom LBV: „Es ist ein erster Erfolg, aber ein wichtiger.“ Jetzt müsse es darum gehen, an dem Projekt dranzubleiben, damit weitere Fledermäuse umziehen. Erst wenn die Kolonie jedes Jahr wiederkommt, könne man von einem nachhaltigen Erfolg sprechen

    Jetzt, im Sommer, sind die Theaterfledermäuse ohnehin ausgeflogen. Sie leben in ihren Sommerquartieren, meistens in Baumhöhlen. Ihre große Bewährungsprobe hat die Umsiedlungsaktion im kommenden Herbst. Für die Stadt gelten weiterhin strenge Auflagen. Laut Umweltreferent Erben wurden alle bereits erfolgten Maßnahmen mit der Regierung von Schwaben abgestimmt. Noch sei das Winterquartier vorhanden, weswegen es bisher keiner Genehmigung für dessen Zerstörung bedurfte.

    Im Auftrag des Hochbauamtes erstellt ein Biologe derzeit ein Gutachten. Es soll die Grundlage sein, um eine entsprechende Genehmigung von der höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Schwaben zu erhalten. In diesem Bescheid werden dann die erforderlichen weiteren Maßnahmen festgesetzt, um den streng geschützten Fledermäusen mit dem Abriss nicht zu schaden. Möglicherweise muss die Stadt noch zusätzliche Winterquartiere im Zentrum bereitstellen.

    Umsiedlung der Großen Abendsegler: Die Tiere bewegen sich autonom

    Ob sich weitere Erfolge bei der Umsiedlung einstellen, bleibt abzuwarten. Im Umweltreferat wird betont, dass man mit den Abendseglern vom Theater nicht umziehen könne wie mit Zootieren. Fledermäuse seien sozial lebende Säugetiere, die sich völlig autonom in Raum und Zeit bewegen. Sie seien auch selber in der Lage, neue geeignete Quartiere zu finden. Die insbesondere vom Abrissvorhaben betroffene Art des großen Abendseglers nutze in Augsburg traditionell nicht nur ein Quartier. Experte Rudolph bringt das Problem auf den Punkt. Er sagt: „Wilde Tiere machen nicht unbedingt das, was im Gesetz vorgesehen ist.“

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