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Sommerserie Kultur aus Pfersee

03.08.2020

Attraktives Wohnen statt Kaserne und Fabriken in Pfersee

Der Stadtplanausschnitt zeigt den Stadtteil Pfersee vor genau 100 Jahren. Die elektrische Straßenbahn fuhr bereits seit 1898 als Linie Nr. 1 nach Pfersee (siehe rote Linie). Die grauen Flächen dokumentieren die ehemaligen Fabriken. Aus dem Pfarrfriedhof wurde nach der Eingemeindung der Westfriedhof.
Bild: Geodatenamt

Wie das Dorf Pfersee zu einem der bevorzugten Stadtteile Augsburgs geworden ist.

Die Sommerferien haben begonnen – das heißt auch in diesem Jahr für uns wieder: Das Feuilleton zieht auf die Straße. Wir werden unsere mobilen Schreibtische ins Auto laden, um sie vor Ort unter freiem Himmel in einem neuen Augsburger Stadtteil aufzustellen, den es mit Ihnen zusammen zu erkunden gilt. Nach unseren Sommeraktionen in Lechhausen, dem Hochfeld, Kriegshaber, Haunstetten und zuletzt Oberhausen heißt es nun an vier Dienstagen im August: „Kultur aus Pfersee“.

Wir, Michael Schreiner und Richard Mayr von der Journal- und Kulturredaktion der Augsburger Allgemeinen, beziehen Quartier immer dienstags von 17 bis 19 Uhr auf dem Kirchplatz von Herz Jesu im Zentrum des Stadtteils. Zum Auftakt erläutert Wilfried Matzke vom Geodatenamt. aus seiner Sicht, um was für einen Stadtteil es sich handelt:

Pfersee ist seit dem Jahr 1911 ein Augsburger Stadtteil. Aus dem einstigen Bauerndorf wurde in den 1850er Jahren ein wichtiger Industriestandort und in den 1930er Jahren eine große Garnison. Nur Baudenkmäler sind von diesen beiden Pferseer Epochen übrig geblieben.

Römisch, österreichisch, jüdisch

Die Ursprünge von Pfersee reichen zwei Jahrtausende zurück. Die Römer hatten zum Schutz ihres Brückenkopfes an der Wertach ein Kastell errichtet. Unweit entstand wohl bald eine zivile Ansiedlung. Der heutige Ortsname Pfersee könnte von dem keltischen Begriff „Perz“ für Burg oder Pforte abgeleitet sein. Während des Mittelalters war das Dorf im Besitz der Augsburger Bischöfe und verschiedener Augsburger Patrizierfamilien. Aus dieser Zeit stammt das imposante Gebäude „Schlössle“. Zwischen den Jahren 1579 und 1805 gehörte Pfersee zur Markgrafschaft Burgau und damit zu Österreich. Die Habsburger Herrscher erlaubten, dass sich Juden niederließen, die aus Augsburg vertrieben wurden.

Standort der Textilindustrie

Pfersee war bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein Bauerndorf. Mit der Industrialisierung entstanden vier Textilfabriken, nämlich die „Spinnerei und Weberei“ sowie Bemberg, Raff und Dierig. Die Wasserkraft des Mühlbachs hatte diese Firmen angelockt. Auch bedeutend war die „Chemische Fabrik“, wo das Imprägniermittel „Imprägnol“ erfunden wurde. Pfersee wuchs durch zugezogene Arbeiter von rund 900 Einwohnern im Jahr 1850 auf etwa 11000 im Jahr 1910. Die Gemeinde schaffte es nicht mehr, ihre Infrastruktur anzupassen. So ließen sich 1911 die Pferseer gerne nach Augsburg eingemeinden. Von den einst sieben Industriebetrieben ist heute nur noch die Firma Eberle übrig geblieben. Sie gilt als weltweit älteste Laubsägenfabrik.

Große Kaserne der US-Armee

Die Wehrmacht errichtete ab 1934 auf den Äckern westlich von Pfersee drei Kasernen. Nach dem Zweiten Weltkrieg fasste die US-Armee den Komplex zur Sheridan-Kaserne zusammen. Die zahlreichen Soldaten dieser größten Augsburger Militäreinrichtung gehörten bald zum Stadtteilbild. Die Pferseer Epoche als Garnison endete 1998 mit dem endgültigen Abzug der Amerikaner. Auf dem ehemaligen Kasernengelände entwickelte die Stadt das begehrte Wohn- und Gewerbegebiet Sheridan-Park. Bereits in den 1980er Jahren war im Südwesten ein neues gehobenes Viertel entstanden. Dieses Wohngebiet Uhlandwiesen wurde vom Wertach-Hochwasser an Pfingsten 1999 besonders hart getroffen.

Gepflegt, citynah, vital

In Pfersee leben derzeit rund 27400 Einwohner. Der Stadtteil ist mit seinen 4,1 Quadratkilometern etwas größer als das ehemalige Gemeindegebiet von 3,5 Quadratkilometern. So gehört verwaltungstechnisch nun auch das Rosenau- und Thelottviertel östlich der Wertach zu Pfersee. Der Stadtteil liegt bei den statistischen Merkmalen meist im städtischen Durchschnitt. Charakteristisch für Pfersee ist jedoch die überwiegende Wohnnutzung, vorwiegend in gepflegten Vierteln. Auch wegen der citynahen Lage und dem vitalen Gemeinwesen zählt Pfersee zu den bevorzugten Augsburger Stadtteilen. Baulich geprägt wird Pfersee seit 1910 durch Herz-Jesu. Sie ist die größte Jugendstilkirche Süddeutschlands.

Wilfried Matzke leitet das Geodatenamt der Stadt Augsburg. Der Diplom-Ingenieur der Geodäsie beschäftigt sich gerne mit der Entwicklung der Augsburger Stadtteile. Traditionell erstellt er zum Auftakt unserer jährlichen Sommerserie „Kultur vor Ort“ ein „Geoprofil“ des betreffenden Stadtteils.

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