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Kindertheater

13.05.2019

Clownereien mit der Oma im Wilden Westen

Liebenswert, lebensfroh und neugierig ist Glucks (Kirstie Handel), die sich in dem Stück „Der Bücherschatz“ mit ihrer Oma (Judith Gorgass) auf die Suche nach den letzten Seiten eines Buches macht.
Bild: Michael Hochgemuth

Clowns sind offen, ehrlich und emotional wie Kinder. Das Clowness Theater aus Augsburg macht in seinem Stück „Der Bücherschatz“ Lust auf Abenteuer und aufs Lesen.

Es ist eine hinreißend komische Reise und eine wahre Liebeserklärung an die Magie des Lesens, auf die die beiden Clownsfiguren Glucks und Oma in „Der Bücherschatz“ ihr Publikum mitnehmen. Eingeladen sind Kinder von vier bis zehn Jahren und Erwachsene. Die Premiere des clownesken Theaterstücks fand am vergangenen Sonntag im Abraxas statt und wurde mit Juchzen und Krakeelen gefeiert.

Jung, lebensfroh und neugierig

Federführende rote Nase ist Kirstie Handel, sie ist staatlich geprüfte Clownin und realisiert seit 2006 in Augsburg unter dem Namen Clowness Theater Show Acts und eigene Programme. Ihre Spezialität sind Kinder- und Familienstücke. Handel verbindet dabei die Kunst der Clownerie mit der des Geschichten Erzählens auf der Bühne. Das passt perfekt, zeichnen sich Clowns doch durch ihren unmittelbaren Zugang zu ihrem Inneren aus. Sie sind pur, ehrlich, offen, leben ihre Emotionen ohne Filter, sind direkt und präsent. Genau wie Kinder.

Und Kirstie Handels Clownsfigur Glucks ist kindlich jung und eine wunderbare Identifikationsfigur für alle kleinen und jung gebliebenen Zuschauer. In aktuell sieben Stücken wirft sich Glucks in allerhand Abenteuer. In „Der Bücherschatz“ erlebt sie ein aufregendes mit ihrer Oma. Das Script zum Stück verfasste Handel mit ihrer langjährigen Kollegin und Schauspielerin Judith Gorgass, die selbst mit Clownsnase als Oma mitspielt. Die Regie vergaben die Künstlerinnen an einen Mann vom Fach: Matthias „This“ Zogg ist selbst Clown und Slapstick-spezialist mit Zirkuserfahrung, und Dozent an der Augsburger Clownschule Antiheldenakademie.

Clownereien mit der Oma im Wilden Westen

Glucks ist jung, lebensfroh, sehr aufgeweckt und – wie alle Clowns – äußerst neugierig. Sie liebt verschiedenfarbige Schuhe, Bücher – das hat sie von ihrer Oma – und ihre Oma. Nur küssen findet sie echt eklig. Oma heißt Oma, sie ist 92 ½ Jahre alt, ein bisschen gebückt, ein bisschen schrullig, ansonsten aber quietschfidel. Oma liebt verschiedenfarbige Socken, Bücher und – ihre Glucks. Eines Tages bringt Oma Glucks ein auf dem Dachboden gefundenes Buch mit. Aufgeregt beginnen beide darin zu lesen und stellen fest, das Buch handelt von ihnen selbst. Wie spannend. Zu dumm nur, dass ausgerechnet gegen Ende mehrere Seiten fehlen. Die beiden abenteuerlustigen Büchernärrinnen Oma und Glucks begeben sich prompt auf die Suche. Wie bei einer Schnitzeljagd folgen sie wichtigen Hinweisen, die sie an immer aufregendere Orte führen.

Jede Station ist ein Abenteuer für sich

Die verlorenen Buchseiten finden sie zum Beispiel im Zoo bei einer Leseratte im Mülleimer, im Wilden Westen und im friedlichen Osten. Jede Station ist ein Abenteuer für sich. Glucks und Oma essen Buchstabensuppe und düsen mit einem Raumschiff auf den Mond, treffen im Meer Clownfische und stranden auf einer einsamen Insel.

Es sind kleine Verwandlungen die große Wirkung haben, die Bühnengestaltung bleibt dabei an sich immer gleich; Papierelemente, die auf eine Wand im Hintergrund geklebt werden können, eine Bank die zum Pferd oder Raumschiff wird (wunderschöne schlichte Ausstattung von Julien Kneuse le Ray), atmosphärische Klänge und Melodien (Komposition: Anil Jain) unterstützen die Ortswechsel, ansonsten lebt das künstlerische Team was es erzählt: Die Reise findet im Kopf statt.

„Der Bücherschatz“ ist eine herzliche Geschichte über Freundschaft zweier Generationen über die Kraft von Fantasie, und das Einlassen auf Abenteuer, deren Ende man noch nicht absehen kann. Das Stück macht Lust auf Lesen und auf Clowns.

Besonders lustig sind die clownesken Elemente von Sprachspielen (die sich natürlich ergeben, weil Oma nicht mehr so gut hört) und Gags aus Stummfilmzeiten. Gerade am Anfang des Stückes lässt Zogg die beiden ein wahres Feuerwerk entzünden. Da wird ein Notenständer zum Telefon, zur Drohne und zum Roboter, Oma setzt sich auf Glucks und sucht sie, Glucks setzt sich auf Oma und kann sie nicht finden, etc. Die Kinder „glucksen“ vor Entzücken.

Zwei liebenswerte Figuren

Das Stück bleibt clownesk, im weiteren Verlauf liegt der Fokus allerdings mehr auf dem Voranbringen der Geschichte. Ein bisschen mehr Ulk und Blödelei dürfte es aber noch sein, denkt man sich. Nichtsdestotrotz: Glucks und Oma sind zwei sehr liebenswerte Figuren, durchweg grandios gespielt von Handel und Gorgass. Erfrischend komisch, wie Oma im Wilden Westen so richtig aufblüht, und im Saloon sogar einen Schurken mit ihrem Regenschirm überwältigt. Herrlich, wie Glucks auf alles Neue mit offenen Augen und weitem Herzen reagiert – außer bei Küssen, Pferden und wenn sie gerade ihre kritischen fünf Minuten hat.

Am Ende finden Glucks und Oma unverhofft tatsächlich ihren Schatz. Was es ist? Natürlich, ein Buch! Und entlassen ihr begeistertes und von der langen Reise geschlauchtes Publikum mit dem Satz „Jedes Buch kann ein Schatz sein. Weil man darin auf Reisen gehen kann.“ Einige der Kinder im Publikum rufen das Ende des Satzes auf die Bühne: „Eine Reise im Kopf“.

Termine unter www.clowness.de

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