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In diesem Jahr ging das Festivalkonzept auf

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Kommentar Von Richard Mayr
04.03.2019

Drei Jahre hat Patrick Wengenroth das Programm des Brechtfestivals gestaltet. In diesem Jahr ging sein Konzept voll auf. Ein Ärger bleibt allerdings.

Zum Abschluss hat Patrick Wengenroth Augsburg ein Starensemble im Martinipark präsentiert. Das Publikum applaudiert lange und heftig, dann gehen alle auseinander. So enden die drei Jahre, die Patrick Wengenroth als künstlerischer Leiter des Brechtfestivals immer wieder nach Augsburg geführt haben. Keine großen, öffentlich ausgestellten Worte, keine Rührseligkeiten. Dafür trudelt am Montagmorgen die Festivalbilanz ein, die sonst immer bis zum Abend auf sich warten ließ. Ohne die Angabe von Besucherzahlen, dafür aber mit dem Lob des Kulturreferenten Thomas Weitzel, das abends dankenswerterweise ausgespart wurde. Weitzel wird wie folgt zitiert: „Mit seinen inhaltlich fokussierten Themenschwerpunkten der letzten drei Jahre hat Patrick Wengenroth eine starke persönliche Handschrift hinterlassen, die das Brechtfestival zu einer wichtigen Stimme in der Landschaft der relevanten deutschen Kulturfestivals gemacht hat.“

Ja, nun, was lässt sich als durchaus kritischer Beobachter dieser drei Wengenroth-Festivals sagen: Ganz sicher, dass es ein Glücksfall war, dass Wengenroth drei Festivals organisieren konnte. Sein Programm 2019 wirkte konsequenter, stimmiger und auch dichter als in den Vorjahren. Bei den eingeladenen Gastspielen bewies Wengenroth hellseherische Qualitäten, weil er gleich drei hochgelobte Produktionen nach Augsburg lotsen konnte. Nun ist auch das, was Wengenroth als Festival immer vorschwebte, voll aufgegangen: Die Veranstaltungen waren gut bis sehr gut besucht; Künstler und Publikum tauschten sich in lockerer Atmosphäre aus.

Ein Abgang mit Stil

Wengenroth hat in den drei Jahren dem Festival tatsächlich seine Handschrift gegeben. Er setzte nicht auf Prominenz, band dafür die freie deutsche Theaterszene viel stärker ein. Inhaltlich beschäftigte sich Wengenroth nicht mit Stationen aus Brechts Leben, sondern mit Themen, die er bei Brecht fand und immer auch in die Gegenwart wendete. Wenn das Motto wie in diesem Jahr „Für Städtebewohner*Innen“ lautete, scheute sich Wengenroth nicht, das Berliner Ensemble mit der Stückentwicklung „Auf der Straße“ einzuladen – ein starker Festivalbeitrag über die Armut in Berlin.

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Es hat sich ausgezahlt, dass die Stadt drei Jahre auf Wengenroth gesetzt hat. So viel Zeit benötigt es, die neuen Ideen mit der Stadt und ihren Gegebenheiten in Einklang zu bringen. Außerdem bedürfen manche Projekte eines größeren Vorlaufs. Wofür die Stadt Wengenroth auch dankbar sein kann, ist die Art seines Abschieds: ohne zu klammern, ohne das Signal auszusenden, viel lieber bleiben zu wollen. Das handhabten seine beiden Vorgänger Albert Ostermaier, vor allem aber Joachim Lang anders.

Dieser unsinnige Termin

Allerdings verpasst es die Stadt Augsburg gerade, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen – nämlich die beiden Nachfolger Tom Kühnel und Jürgen Kuttner den gebotenen Vertrauensvorschuss zu geben und gleich mit einem Vertrag für drei Jahre auszustatten. Im Augenblick sind die beiden Berliner Regisseure ein Duo auf Probezeit, ausgestattet mit einem Vertrag für ein Jahr mit der Option, diesen um zwei Jahre zu verlängern. Aber eines haben die Anfänge von Joachim Lang und Patrick Wengenroth gezeigt: Im ersten Jahr war nicht alles Gold.

Und eines muss an dieser Stelle noch einmal gesagt werden: dieser unsinnige Termin Ende Februar. Brechts Geburtstag am 10. Februar gab vor zehn Jahren den Ausschlag, das Festival vom Juli in den Februar zu verlegen. Später hieß es, wegen des Opernballs sei dieser Termin für das Theater ungünstig. Also wurde das Festival verlegt. Allerdings gibt es den Opernball seit drei Jahren nicht mehr, der Festivaltermin blieb allerdings verlegt. Wieso nicht wieder zurück zum Geburtstag? Oder, wenn das nicht mehr gewünscht ist, wieso nicht hinein in den Frühling oder Sommer, um wieder ein Brechtfestival für Flaneure bieten zu können?

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