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Tuiachs Thesen

25.01.2019

Kolumne: Was erlauben Bergmann! – Zur „Augschburg“-Diskussion

Bild: Silvano Tuiach

Der Kabarettist Silvano Tuiach hat auch eine Meinung zur Augsburg-Debatte. Sie wundert ihn nicht. Man muss sich in Augsburg nur einmal an eine Ampel stellen.

Die Äußerungen dieses Herrn Bergmann, in unserer Zeitung folgendermaßen wiedergegeben: „Manchmal hasse ich es, in Augsburg zu leben“, haben ja eingeschlagen wie eine Bombe. Für mich waren Bergmanns Schmähungen allerdings so neu wie die Überschrift „Der FCA spielt gegen den Abstieg“. Richtig aufgeregt hat mich an diesem Artikel nichts. Aber ich bekam vergangenen Samstag viele Anrufe von Freunden und Bekannten, die sagten: „Mensch, das ist dein Metier, da musst du dich äußern!“ Den Wohlmeinenden erwiderte ich, was soll ich dazu schreiben, der Artikel rennt doch bei mir offene Türen ein. Schließlich verdiene ich seit 35 Jahren mit ähnlichen „Diagnosen“ als Kabarettist mein Geld.

Allerdings sollte Herr Bergmann nur ja nicht meinem Herrn Ranzmayr begegnen. Es ist nämlich so: Wenn ein Ranzmayr im Baumarkt einen Kunden derart anrempelt, dass der andere fast ins Schraubenregal kippt, würde Ranzmayr nie „Verzeihung“ sagen. Das Wort kennt er gar nicht. Auch „Entschuldigung“ wäre nicht zu hören. Wenn er überhaupt etwas sagt, dann „hoppla“. Und „hoppla“ ist zudem noch raffiniert, weil das die Schuldfrage offenlässt. Meinem Ranzmayr sollte Bergmann besser nicht begegnen.

Kleine Ehrenrettung für den Augsburger: Er kann sehr wohl lachen, auch über sich selbst. Seit mehreren Dekaden bekommen der „Geisterfahrer“ und „Herr & Frau Braun“ nämlich ein großes Publikum in dieser Stadt. Die Resonanz war immer dann besonders groß und positiv, wenn wir die Gepflogenheiten des „typischen Augsburgers“ auf die Schippe nahmen. „Herr & Frau Braun“ hatten sogar einmal eines ihrer Programme mit „Muffelburg“ betitelt.

Kein Ausbund an Kontaktfreudigkeit

Wenn man im Urlaub ist, zum Beispiel auf Kreta, dann wird ja von anderen Deutschen oft – wenn man sich geoutet hat – die Frage nach Augsburg gestellt. Und dann kommt gleich die Frage: „Was ist denn der Augsburger für ein Mensch?“ Ich charakterisiere den Augsburger dann immer mit einer Straßenverkehrssituation: Wenn der Augsburger ganz vorne an einer roten Ampel steht, hat er nur ein Ziel – so bei Grün über die Kreuzung zu fahren, dass möglichst wenig andere mit ihm über die Ampel kommen. Und wenn ein Augsburger über eine Kreuzung will und alle so lahmarschig fahren, dass die Ampel direkt vor ihm wieder auf Rot springt: Dann fängt der Augsburger laut zu goscheln an.

Zugegeben, der Augsburger ist kein Ausbund an Kontaktfreudigkeit. Als ich am Montagmorgen sehr früh aus dem Haus gehe, begegne ich einem jungen Mann mit Hipsterbart. Ich sage eher instinktiv „Guten Morgen“. Aber das hätte ich auch zu einem Stein sagen können …

Am selben Tag ein unglaubliches Erlebnis im „Titania“. Ein Mann betritt den Duschraum und sagt einfach so „Grüß Gott“, und als er die Dusche verlässt, sagt er „Auf Wiedersehen“. Da hat’s mich vom Hocker gehauen. Und ganz kurz habe ich mir doch glatt überlegt, den Mann zu umarmen … Also: Was erlauben Bergmann? Schlecht über Augsburg reden, das darf doch nur ein Augsburger. I bin dr Silvano Tuiach und do bin i derhoim.

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