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Augsburg

11.03.2020

Wie gehen Theater und Museen mit der Corona-Pandemie um?

Die Plätze im Martinipark bleiben bis 19. April leer. „Wir proben weiter, damit wir in Höchstform wieder auf den Platz gehen.“
Bild: Ulrich Wagner

Plus Das Staatstheater ist bis 19. April geschlossen, Premieren finden nicht statt. Für Intendant André Bücker ist das bitter. Kleinere Theater kämpfen um die Existenz.

Die Ananas trägt Mundschutz. Auf der Website des Theaters sind alle Vorstellungen in in den kommenden sechs Wochen durchgestrichen. Bis zum Ende der Osterferien, bis 19. April, bleiben die Ränge im Martinipark und der Brechtbühne im Ofenhaus leer. Ministerpräsident Markus Söder hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass wegen der Corona-Epidemie nicht nur Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern abgesagt werden müssen, sondern auch alle Vorstellungen der bayerischen Staatstheater – egal wie viele Besucher die Theaterhäuser fassen.

Staatstheater sagt alle Vorstellungen ab: André Bücker hält die Maßnahme für richtig

Für Intendant André Bücker kam die Nachricht aus der Staatskanzlei „überraschend in ihrer Drastik“. „Aber es ist natürlich vollkommen richtig, diese Maßnahmen zu ergreifen, wenn wir nicht katastrophale Verhältnisse wie in Italien bekommen möchten.“ Bücker erlebt die Situation dort aus eigener Betroffenheit, seine Frau ist Italienerin. Die Familie lebe am Comer See in der Lombardei und gehe nicht mehr aus dem Haus, erzählt er.

André Bücker, Intendant des Staatstheaters Augsburg
Bild: Silvio Wyszengrad

Auch unter diesem Eindruck sagt der Intendant: „Sind wir lieber einmal zu viel vorsichtig als zu wenig“. Umso mehr als man in Augsburg in der rund 200 Plätze fassenden Brechtbühne die Erfahrung gemacht habe, „dass das Virus nicht zählen kann“. Ein Besucher der Premiere von „Am Paseo del Prado mittags Don Klaus“ war, wie berichtet, mit dem Coronavirus infiziert, hat aber nach jetziger Erkenntnis niemanden angesteckt.

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Coronavirus: Das Staatstheater rechnet vorerst mit 400.000 Euro Verlust

Bitter ist dieser „Shutdown“ des Staatstheaters, wie Bücker es ausdrückt, aber natürlich trotzdem. Am 21. März hätte Charles Gounods Oper „Faust – Margarethe“ Premiere gehabt, zwei Wochen später der Ballettabend „Dimensions of Dance“. Beide können nun nicht stattfinden. Wenn ab dem 20. April wieder gespielt werden könne, sei die erste Vorstellung dann eben die Premiere, führt Bücker aus. Ein herber Verlust sind auch die beiden Vorstellungen der Internationalen Ballettgala am Ostersonntag und -montag. Zahlreiche internationale Solisten waren dazu eingeladen. Eine Verschiebung der Aufführungen ist wegen der engen Terminpläne der Künstler nicht möglich. Nach ersten Schätzungen rechnet man am Staatstheater derzeit insgesamt mit einem Verlust von 400.000 Euro.

Natürlich bedeutet das Vorstellungsverbot auch in künstlerischer Hinsicht einen „krassen Einschnitt“. „Wir beraten jetzt darüber, wie wir trotz der Pause als Staatstheater für unser Publikum präsent sein können“, kündigt André Bücker an. Das werde vor allem im Internet stattfinden, etwa sei angedacht, die Opern-Premiere online als Live-Stream zu spielen. Allerdings müssten dafür erst die Rechte mit den Theaterverlagen geklärt werden. Auch am technischen Equipment, wie es etwa die Staatsoper in München hat, mangelt es in Augsburg. Theater ohne Publikum sei eigentlich undenkbar. „Aber in einer Zeit, in der das, was das Tolle am Theater ist – nämlich dass Menschen zusammen etwas anschauen – plötzlich schwere Krankheit bedeuten kann, ist das schöne Erlebnis nicht mehr gewährleistet.“ Er schicke seine Schauspieler, Sänger und Tänzer nun aber nicht in Zwangsurlaub, sagt Bücker. „Wir proben weiter, damit wir in Höchstform wieder auf den Platz gehen.“

Vorstellungen im Sensemble und Jugen Theater Augsburg auch abgesagt?

Was für das hochsubventionierte Staatstheater finanziell noch einigermaßen zu verkraften ist, bedeutet für kleine Theater eine existenzielle Gefahr. Darauf weisen Anne Schuester vom Sensemble Theater und Susanne Reng vom Jungen Theater Augsburg (JTA), die weiter uneingeschränkt spielen wollen, hin. Wie Kulturrefernt Thomas Weitzel gegenüber unserer Redaktion sagt, habe man dies im Blick und sei mit den Akteuren in Kontakt. Möglicherweise gebe es einen Härtefallfonds, auch eine weniger restriktive Handhabung der Vorauszahlung von Gewerbesteuern sei denkbar. Weitzel: „Konkret können wir noch nichts sagen, weil wir ja auch noch nicht wissen, wie lange diese Situation anhält.“

Susanne Reng, Leiterin des Jungen Theaters Augsburg

Über die wirtschaftlichen Überlegungen hinaus findet es Theatermacherin Susanne Reng „furchtbar“, dass das kulturelle Leben der Stadt nun weitgehend darniederliegt. „Es fehlt ein Stück Lebensqualität“, sagt sie und als Schauspielerin wisse sie, wie unerträglich dieses „Stillsitzen“ nun für die Kollegen vom Staatstheater sei. Das JTA hat in der nächsten Woche Premiere in der Kapellenschule mit dem Präventionsstück „#Hass - Hauptsache radikal“. „Endproben sind immer spannend, aber nie waren sie so spannend wie diesmal“, sagt Reng lakonisch. Jeden Tag könne sich die Situation verändern, vor allem auch, wenn doch noch die Schulen geschlossen werden. „Dann findet die Premiere im Ballettsaal vor Journalisten statt, so dass wenigstens darüber berichtet werden kann.“ Denn davon hänge auch der weitere Erfolg einer Inszenierung ab. Grundsätzlich gelte für das JTA aber: „Wir haben nie mehr als 60 Zuschauer, diese kommen nicht aus einer Risikogruppe und wir können die Zuschauer genau identifizieren.“

Coronavirus: Die Museen in Augsburg bleiben geöffnet

Dies sind die Empfehlungen, die Kulturreferent Thomas Weitzel am Mittwoch in der Pressekonferenz der Stadt zur Corona-Krise genannt hatte, wenn Veranstaltungen mit bis zu 500 Besuchern durchgeführt würden. Sie gelten für alle Termine, für die das Kulturhaus Abraxas von auswärtigen Veranstaltern gebucht sei, ebenso für das Parktheater.

Die Museen der Städtischen Kunstsammlungen werden, ebenso wie das staatliche Textil- und Indutriemuseum, geöffnet sein. „Das ist vertretbar, hier besteht kein enger Kontakt“, so Weitzel. Allerdings werde man auf Vernissagen, Vorträge und Führungen verzichten. Eine Sonderregelung gilt für die Ausstellung „Kunstschätze der Zarenzeit“. Wegen des großen Andrangs werden die Eintrittszahlen beschränkt. Nur 100 Menschen dürfen gleichzeitig in die zweite Etage des Schaezlerpalais, wo die Ausstellung noch bis 29. März zu sehen ist.

Es sei kulturell eine einmalige Situation, wie sie in der Nachkriegszeit noch nie da war, charakterisiert der Kulturreferent die Lage: „Wir sind in der Pause.“ Und auch Thomas Weitzel wird ein wenig lakonisch, wenn er in diesem Zusammenhang auf die Fastenzeit und die vorösterliche Enthaltsamkeit hinweist: „Ich empfehle, jetzt zu Büchern zu greifen und sich der Lesekultur hinzugeben.“

Info: Über den aktuellen Stand von Veranstaltungen geben die Hompages der Veranstalter Auskunft.

Lesen Sie dazu auch: Alle Vorstellungen des Staatstheaters bis 19. April fallen aus

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