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Erich Pfefferlen stellt neuen Band mit eigenen Gedichten vor

Lesung

Gesucht, gefunden: Die neuen Gedichte von Erich Pfefferlen

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    "In meiner Suche werde ich gefunden": Erich Pfefferlen stellt im Stetten-Institut seinen neuen Gedichtband vor.
    "In meiner Suche werde ich gefunden": Erich Pfefferlen stellt im Stetten-Institut seinen neuen Gedichtband vor. Foto: Anna Kondratenko

    Schon viele Dichter haben es unternommen, in Augsburg, der Stadt, die einen großen Namen wie Bertolt Brecht hervorgebracht hat, aus ihren Werken zu lesen. Die Dichterlesung, eine Gattung für sich, zeichnet sich in der Regel durch ein bekanntes Prozedere aus: Es spricht der Veranstalter, der den Dichter oder die Dichterin kurz vorstellt, die Meriten erwähnt, die sich der Poet erworben hat, auch ein Lob ausspricht auf das neu erschienene Werk – und schon darf das Publikum den Dichterworten lauschen. Denn es hat einen ganz anderen, authentischeren Klang, wenn die Literatur aus dem Munde dessen, der sie auch erschaffen hat, vorgetragen wird.

    Zu einer Dichterlesung ins Augsburger Stetten-Institut lud jetzt Erich Pfefferlen, ehemals dort Studiendirektor und seit Jahrzehnten auch als Lyriker wie als Autor weiterer literarischer Formen unterwegs. Der in Horgau lebende Pfefferlen stellte seinen neuen Gedichtband „In meiner Suche werde ich gefunden“ vor. Er enthält knapp 80 Gedichte, die sich um Themen wie Natur, Klima, Krieg, aber auch um Freundschaft, Liebe und anderes drehen.

    Eine Lesung mit viel Drumherum

    Man könnte jetzt gleich ein paar Kostproben aus der Lesung herausgreifen, einen näheren Blick auf das eine oder andere Gedicht Pfefferlens werfen, um ein Bild zu zeichnen, das einen ungefähren Eindruck vom Dichter und seinem Werk vermittelt. Das wäre journalistisches Standardhandwerk. Auf dieses übliche Verfahren soll jetzt einmal bewusst verzichtet werden, um etwas zu beschreiben, worüber normalerweise nicht geschrieben wird: das Drumherum der Lesung – als Inszenierung eines Dichters aus der Region.

    Es tritt auf der Verleger Alfred Büngen, Chef des Geest-Verlags aus dem Niedersächsischen, der die rund 50 Gäste begrüßt. Er spricht von seiner Freude darüber, dass so viele – es klingt durch, dass das nicht selbstverständlich ist – zu einem Lyrikabend gekommen sind. „Was erwartet uns?“, fragt der Verleger. „Es gibt keine Antwort“, meint er und hebt hervor, dass der Autor Pfefferlen mit seinen Gedichten „einen kleinen Blick in die Welt eröffnet, wie er sie sieht, wie auch Sie die Welt sehen könnten“. 

    Der literarisch vielseitige Erich Pfefferlen

    Es spricht Bernd Kränzle, Dritter Bürgermeister der Stadt Augsburg, ein Grußwort. Er stellt die Verbindung von Augsburg und Bertolt Brecht her, würdigt Pfefferlen als „einen der Botschafter unserer Heimat“, der neben seiner schriftstellerischen Arbeit auch Kurse für kreatives Schreiben für Jugendliche, aber auch in Senioreneinrichtungen gibt. Dann die Musik, für die Erich Pfefferlen den klassischen Gitarristen Gottfried Kriegler aus Horgau gewinnen konnte. Mit drei Stücken, die Kriegler passend zu den Themen der Gedichte ausgesucht hatte, verlieh er dem Abend einen festlichen Anstrich. Der Verleger wird am Ende des Abends davon sprechen, dass die Musik als „Verlängerung der Worte“ dienen könne.

    Schließlich der erste Teil der Lesung: Erich Pfefferlen liest eine Auswahl von Gedichten aus seinem Band, etwa „lachen geht, immer“, „Klimawandel und Mensch“, „Mensch Raubtier?“ oder „vier lose haiku-blätter“. Es sind kurze Gedichte, assoziativ reiht sich Wort an Wort, Satzstrukturen sind vielfach aufgehoben, Gedanken sind verkürzt, verdichtet, Sprachbilder verrückt, wodurch Raum für Interpretation entsteht. Es liest auch der Verleger, etwa von der Zeit, die immer lauter wird im Gedicht „die katze“, von der Schönheit der Trauer in „nachdenklich stimmt“ oder von den Sehnsüchten „in der sommerhitze“. In der längeren Pause ist Zeit für Getränke, Häppchen und Gespräch – vor allem auch, um das Büchlein zu erwerben und es sich gleich vom Autor signieren zu lassen.

    In der Tradition von Hölderlin, Brecht und Celan

    Mit einer Laudatio – man kennt das normalerweise von Preisverleihungen – veredelt Prof. Mario Andreotti, Literaturwissenschaftler aus St. Gallen, Pfefferlens literarisches Schaffen. Große Bögen ziehend, ordnet er Pfefferlens Lyrik in die literarische Tradition ein, nennt Namen wie Hilde Domin, Bertolt Brecht, Thomas Mann, Friedrich Schiller, Friedrich Hölderlin und Paul Celan, erläutert, welche Kraft und Schönheit ein Gedicht entfalten kann. Und begibt sich an Beispielen aus Pfefferlens Gedichtband auch in eine literaturwissenschaftliche Analyse.

    Es folgt ein zweiter Lesungsteil, zum Abschluss des über zweistündigen Abends ein drittes Gitarrenstück, und ein Plädoyer des Verlegers in seinem Schlusswort, die aktuellen Krisen aufgreifend: „Lyrik hat die Aufgabe, uns feinfühliger zu machen.“ Ein lokaler Lyriker wurde gefeiert. 

    Erich Pfefferlen: In meiner Suche werde ich gefunden. Gedichte. Mit einem Nachwort von Mario Andreotti. Geest-Verlag, 144 S., 14 Euro.

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