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Bild: Michael Hochgemuth
Bild: Michael Hochgemuth

Marie Schweigard an ihrer Trainingsstätte, dem Augsburger Plärrerbad. Seit sie acht Jahre alt ist, betreibt die heute 17-Jährige das Synchronschwimmen.

Synchronschwimmen
10.07.2019

Marie Schweigard: „Ich bin eher der dramatische Typ“

Von Andrea Bogenreuther

Für Synchronschwimmerinnen ziemlich ungewöhnlich – der Schwerpunkt der 17-jährigen Marie Schweigard liegt auf dem Solo. Warum sie es trotzdem liebt und wie viel Arbeit dahintersteckt

Ein Lächeln umspielt die Lippen von Marie Schweigard, wenn die Frage kommt, die der jungen Synchronschwimmerin immer und immer wieder gestellt wird. Wie kann man als eine einzelne Person überhaupt Synchronschwimmen betreiben? Die 17-jährige Schülerin aus Augsburg ist nämlich hoch erfolgreich in der Synchron-Disziplin Solo und gewann im Mai bei den deutschen Meisterschaften in Bochum die Silbermedaille in der Altersklasse B.

„Natürlich ist Synchronschwimmen eher ein Teamsport. Aber in jedem Verein wird immer auch eine Schwimmerin ausgewählt, die im Solo startet. Das ist gewissermaßen die Top-Disziplin und eine große Herausforderung“, erzählt Marie Schweigard. Auch im Solo gibt es Pflicht- und Kürteil, die Einzelschwimmerin muss vorgeschriebene Höchstschwierigkeiten ganz ohne Partnerin präzise zeigen, wie etwa den „Barracuda“ (Hochstoßen der Beine aus dem Wasser) oder den „Tümmler“ (das Absenken in gerader oder in Schraubenform). Gerade beim Solo suchen sich die Trainer meist eine Sportlerin heraus, die besonders zu überzeugen weiß und den hohen Anspruch, die Elemente allein vor den Augen der Jury zu präsentieren, perfekt erfüllen kann.

Marie hatte zu Beginn ihrer Karriere gar keine Wahl. „Bei mir wurde im Alter von neun oder zehn Jahren das Soloschwimmen festgelegt und das ziehe ich seitdem durch. Ich habe das Solo lieben gelernt“, sagt die ehrgeizige Schwimmerin. Trotzdem ist sie keine reine Einzelkämpferin. Mit ihrem Team vom SB Delphin 03 trainiert sie regelmäßig im Plärrerbad und ist auch ab und an in der Synchron-Gruppe im Einsatz.

Choreographie auf "Fluch der Karibik"

Schweigards sportlicher Schwerpunkt liegt dennoch auf dem Solo, wo sie vor allem durch ihre ausdrucksstarke Küren zu überzeugen weiß. „Ich bin da eher der dramatische Typ“, sagt Schweigard lachend. Vor zwei Jahren schwamm sie ihre Choreografie zur Musik von „Fluch der Karibik“, bei der deutschen Meisterschaft im Mai wählte sie es noch düsterer. Sie interpretierte den gregorianischen Choral „Bring Me to Life“. Natürlich nicht ohne das passende Outfit, das sie selbst entwirft und die Mama näht. So ist ihr aktueller Wettkampf-Badeanzug in strahlendem Türkisblau gehalten und mit vielen Strass-Ornamenten bestickt.

Schon mit acht Jahren begann Marie mit dem Synchronschwimmen, sie war schnell Feuer und Flamme für diesen Sport und wurde Mitglied beim SB Delphin 03 Augsburg. „Ich habe auch geturnt und Klavier gespielt, mich dann aber schnell fürs Synchronschwimmen entschlossen, weil mir das so großen Spaß gemacht hat. Allerdings ist das ein Sport, in den man sehr viel Zeit investieren muss“, erzählt die Schülerin, die derzeit die 11. Klasse des Maria-Theresia-Gymnasiums besucht und die früher bis zu viermal die Woche trainierte. Gerade schreibt die 17-Jährige an einer Seminararbeit, in der sie ihre Kür aus dem vergangenen Jahr trainingswissenschaftlich analysiert und mit Videos aufbereitet.

Weil sie derzeit etwas angeschlagen ist und im nächsten Jahr ihr Abitur machen will, hat sie das Training reduziert, macht dafür regelmäßig Krafttraining. Schließlich wäre sie im nächsten Jahr in der Altersklasse A/B startberechtigt, in zwei Jahren geht es schon über in die Masters-Klasse. Doch sportlich hat sie noch einen anderen Traum. Ein Start bei internationalen Wettkämpfen wäre ihr Ziel. Vielleicht beim großen Schwimmwettkampf in Belgien, den Flanders Open. Denn dass sie mit Blick auf ihre Silbermedaille in der deutschen Spitze mithalten kann, obwohl sie kein Mitglied der Nationalmannschaft ist, macht Marie Schweigard schon stolz. Mit ihrer Trainerin Katharina Plail überlegt sie sich die Choreografien und übt die Elemente, profitiert mittlerweile aber sehr von ihrer guten Ausbildung und Routine. Auch wenn der Weg dorthin durchaus mühsam und anstrengend war. „Um so weit zu kommen, braucht es viel Disziplin, Ausdauer und Willen“, bringt es Marie Schweigard auf den Punkt.

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