Internationale Konflikte, vor allem zwischen Iran, Israel und den USA, sorgen seit Monaten immer wieder für steigende Ölpreise und damit schwankende Spritpreise, auch bei uns in Deutschland. Ein Hauptgrund ist die Blockade der Straße von Hormus, der wichtigsten Ölroute der Welt: Der Iran blockiert die für ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggastransporte wichtige Wasserstraße faktisch seit Beginn des Krieges Ende Februar für alle Schiffe, informiert die internationale Nachrichtenagentur Reuters. Nach einer vorübergehend ausgerufenen Waffenruhe stagnieren die Friedensgespräche. Das führt laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) dazu, dass die Ölpreise erneut deutlich gestiegen sind: Der Preis für ein Barrel Öl – das entspricht 159 Litern – der Nordseesorte Brent zog am 28. April 2026 im Vergleich zum Vortag um 1,97 Prozent auf 110,36 US-Dollar an. Und steigende Ölpreise machen auch Sprit und Heizöl hierzulande teurer, informiert die Tagesschau.
So hat der Krieg in Nahost durch die gestiegenen Ölpreise auch Rekordpreise bei Benzin und Diesel verursacht, schreibt der ADAC. Trotz der Einführung der 12-Uhr-Regel an Tankstellen am 1. April 2026 – wonach Mineralölkonzerne nur einmal täglich um 12 Uhr die Benzin- und Dieselpreise nach oben anpassen dürfen, während Preissenkungen jederzeit möglich sind – hatte der Dieselpreis demnach in den ersten Apriltagen ein neues Allzeithoch erreicht. Im Verlauf des Aprils sanken die Preise für Diesel und Benzin wieder etwas, ziehen aber laut ADAC seit Ende April 2026 erneut kräftig an.
Nun könnte eine weitere Ankündigung eines Landes in Nahost Einfluss auf die Entwicklung der Spritpreis-Situation haben. Laut einer Erklärung der staatlichen Nachrichtenagentur WAM treten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit Wirkung zum 1. Mai 2026 aus der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) und dem Bündnis OPEC+ aus. Was bedeutet das für den Ölmarkt und damit für die Preise für Benzin und Diesel?
Warum treten die Vereinigten Arabischen Emirate jetzt aus der OPEC aus?
Was ist die OPEC?
Wie die Deutsche Vertretung der Vereinten Nationen auf ihrer Webseite informiert, wurde die Organisation erdölexportierender Länder (Organization of the Petroleum Exporting Countries, OPEC) im Jahr 1960 in Bagdad gegründet und umfasst derzeit die Mitgliedstaaten Algerien, Äquatorial-Guinea, Gabun, Irak, Iran, Kongo, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, Venezuela und – aktuell noch, ab 1. Mai 2026 nicht mehr – die Vereinigten Arabischen Emirate. Diese Länder verfügen über wesentliche Anteile der globalen Erdölversorgung und der derzeit bekannten Weltölreserven.
Die OPEC verfolgt laut ihren Statuten vor allem das Ziel, die Preise zu stabilisieren und durch regelmäßige Abstimmungen zwischen den Mitgliedstaaten eine gemeinsame Förder- und Preispolitik zu koordinieren. Anders gesagt, wie die dpa einordnet, die heimischen Ölquellen selbst zu kontrollieren, anstatt sie den privaten, oft westlich dominierten Ölkonzernen zu überlassen. Dazu gehörten auch Förderabsprachen, um den Ölpreis zu beeinflussen und sich stabile Gewinne zu sichern.
Laut dpa ist OPEC+ zudem ein breiteres Bündnis von Ölförderländern unter der Führung von Saudi-Arabien und Russland, das über noch größere Förderkapazitäten und damit auch über größeren Einfluss am Markt verfügt.
Hintergrund des Austritts der Emirate sei laut WAM eine gründliche Abwägung, auch mit Blick auf die andauernden „Störungen im Persischen Golf und der Straße von Hormus“. Die Entscheidung sei getrieben „von nationalen Interessen und dem Ziel des Landes, aktiv zu den dringenden Bedürfnissen des Marktes beizutragen.“ Eine genauere Begründung wurde aber nicht genannt.
Laut der dpa ist die überraschende Ankündigung aus der Hauptstadt Abu Dhabi ein harter Schlag für die OPEC und OPEC+. Seit mehreren Jahren soll es in dem Golfstaat bereits Überlegungen gegeben haben, die OPEC zu verlassen. Das Wall Street Journal berichtete demnach schon 2023 unter Berufung auf Vertreter der emiratischen Regierung, dass intern über einen möglichen Austritt diskutiert werde.
OPEC-Austritt der Emirate: Was bedeutet das für die Spritpreise?
Die Vereinigten Arabischen Emirate sind laut dpa einer der größten Ölproduzenten der derzeit noch zwölf OPEC-Staaten. Mit ihrem Austritt sinkt der Anteil der Organisation an den weltweiten Ölmärkten und damit auch die Fähigkeit, Energiepreise zu kontrollieren und nach Möglichkeit stabil zu halten. Heißt das jetzt für Öl- und Spritpreise, dass sie sinken oder steigen werden?
Der Austritt der VAE aus der OPEC wird aufgrund der anhaltenden Schließung der Straße von Hormus keine unmittelbaren Auswirkungen auf die globale Energieversorgung haben, schreibt die BBC. Er könnte aber langfristig zu einem Produktionsanstieg führen. Das Land habe massiv in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten investiert und strebe Wirtschaftsexperten zufolge seit Langem eine Steigerung der Ölförderung an. Zum Vergleich: Laut BBC, die sich auf neueste OPEC-Zahlen bezieht, produzierten die VAE im Jahr 2024 täglich 2,9 Millionen Barrel Öl. Saudi-Arabien, der faktische Marktführer der OPEC, produzierte neun Millionen Barrel pro Tag. Experten vermuten demnach, dass die VAE ihre Ölproduktion außerhalb der OPEC um rund eine Million Barrel pro Tag steigern könnten. Allerdings sind die Möglichkeiten für die Emirate, ihr Öl zu exportieren, durch die Blockade der Straße von Hormus weiterhin stark reduziert, informiert die dpa. Jedoch berichtet die Bild, dass die Emirate die Straße von Hormus umgehen können, da sie mehr als die Hälfte ihrer Ölexporte über Routen im eigenen Land umleiten können.
Auf längere Sicht würde eine erhöhte Fördermenge von Öl durch die VAE auch fallende Ölpreise mit sich bringen, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank, gegenüber ZDFheute. Daraus könnten auch niedrigere Spritpreise resultieren. Der Preis für die Verbraucher hängt letztendlich laut dem Experten aber von zwei Dingen ab: der Fördermenge einerseits, andererseits vor allem davon, wie schnell das Öl tatsächlich wieder durch die Straße von Hormus transportiert werden kann.
David Oxley, Chefökonom für Klima und Rohstoffe beim Wirtschaftsforschungsunternehmen Capital Economics, erklärte laut BBC, der Austritt der VAE könne in den kommenden Jahrzehnten zwar zu niedrigeren Ölpreisen, aber auch zu einer höheren Marktvolatilität führen – also zu stärkeren und häufigeren Preisschwankungen am Ölmarkt. Ihm zufolge könnten die Auswirkungen erheblich sein, wenn noch weitere OPEC-Mitgliedstaaten austreten oder Länder wie Russland und Saudi-Arabien infolgedessen ihre Produktion deutlich erhöhen.
Fazit: Kurzfristig dürfte sich an den hohen Preisen für Benzin, Diesel und Heizöl wenig ändern, da trotz mehr Ölförderung in den Vereinigten Arabischen Emiraten immer noch das Problem der blockierten Straße von Hormus besteht. Damit bleibt das Angebot auf dem Weltmarkt knapp. Erst wenn dieser Transportweg wieder geöffnet und der Öltransport in andere Länder möglich wird, könnten laut Experten mittel- und langfristig die Ölpreise sinken, was sich wiederum durch geringere Preise an den Tankstellen bemerkbar machen könnte. Die genaue Entwicklung bleibt aber in den kommenden Monaten abzuwarten.
Übrigens: Um Verbraucher kurzfristig zu entlasten, soll zum 1. Mai 2026 ein Gesetz in Kraft treten, mit dem die Energiesteuer für Diesel und Benzin befristet für zwei Monate gesenkt wird – konkret um rund 17 Cent pro Liter. Bei einer durchschnittlichen Tankfüllung ergibt sich daraus laut Berechnungen eine Entlastung von etwa acht bis neun Euro für Autofahrer. Die tatsächliche Entlastung hängt aber davon ab, ob die Mineralölunternehmen die Steuersenkung auch vollständig an die Kunden weitergeben.
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