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Geschichte

16.10.2017

Als Fugger nach Augsburg kam

Die Fuggerei ist eine beliebte Augsburger Sehenswürdigkeit.
Bild: Hochgemuth

Ein Weber zieht 1367 vom Land in die Stadt und verändert damit vieles. Augsburg ist seither ohne die Familie kaum zu denken

Es sind wenige Worte Beamtendeutsch für ein herausragendes Ereignis: „Fucker advenit“ – Fugger kommt an. So wird 1367 ein Zuzug im Augsburger Steuerbuch vermerkt, der für die Stadt noch von großer Bedeutung sein wird. Der Weber Hans Fugger verlegt seinen Wohnsitz „vom schwäbischen Umland“ in die Stadt. Sein Vermögen wird auf 22 Pfund geschätzt, Fugger zahlt dafür 44 Pfennig Steuern. Er ist ein wohlhabender Mann.

Die Ankunft des ersten Mitgliedes der Familie Fugger jährt sich heuer zum 650. Mal, und noch immer leben seine Nachfahren in der Region. Dies ist Anlass zum Feiern: Augsburgs Oberbürgermister Kurt Gribl lädt heute zum Empfang. Doch der Abend ist nicht nur ein Erinnern an Vergangenes, er ist auch eine Anerkennung dafür, dass die Fugger sich bis heute für das Gemeinwohl engagieren.

Dabei ist es nicht Hans Fugger, den die Menschen weltweit mit dem berühmten Namen in Verbindung bringen. Es ist sein Enkel Jakob Fugger der Reiche. Er stiftete 1521 die Fuggerei, die als Sozialsiedlung noch immer existiert. 150 Menschen in finanziell prekärer Situation leben in den 67 ockerfarbenen Häuschen im Herzen Augsburgs. Seit der Gründung der Fuggerei hat sich die Miete nie erhöht: Sie liegt bei 88 Cent – pro Jahr, wohlgemerkt – und drei Gebeten für den Stifter.

Die Stiftung überdauerte Krisen und Kriege, sie wurde zerstört und wieder aufgebaut. Heute trägt sie zur Linderung einer der größten gesellschaftlichen Herausforderungen jeder Großstadt bei: der Wohnungsnot für sozial Schwache. Die drei noch existierenden Linien der Fugger regeln die Geschäfte im Einverständnis. Das Fest aus Anlass von Hans Fuggers Zuzug darf auch als „Probelauf“ für eine weitaus größere Feier gesehen werden: 2021 wird die Fuggerei 500 Jahre alt.

Übrigens: Wer sich fragt, von wo jener Hans Fugger einst nach Augsburg zog, stößt auf ein Rätsel der Geschichte. Sein ursprünglicher Wohnort ist urkundlich nirgends erwähnt. Bislang ging man davon aus, dass es der kleine Ort Graben im südlichen Landkreis Augsburg gewesen sein könnte. Neue Erkenntnisse des Münchner Mittelalterhistorikers Peter Geffcken deuten eher auf den Kreis Günzburg hin. Für Augsburg aber ist die Antwort nahezu irrelevant: Was zählt, ist, dass die Fugger der Stadt einst zum Aufstieg zu einer der führenden Handelsmetropolen verhalfen. (nip)

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