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"Rettet die Bienen"

12.02.2019

Beim Volksbegehren geht es auch um Libellen, Ameisen & Co.

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Franz Bürger aus Nordendorf ist Bayerns oberster Ameisenschützer. Er nennt mehrere Gründe, warum das Volksbegehren so wichtig sei.
Bild: Marcus Merk

Franz Bürger ist oberster Ameisenschützer im Freistaat. Er erklärt, warum der Schutz anderer Insekten ebenso wichtig ist wie der der Bienen.

Es ist eine tierisch gute Zusammenarbeit: Ohne den Fleiß der Ameisen könnten Bienen keinen Waldhonig produzieren. Das ist nur ein Grund, warum sich auch Ameisenschützer für das Volksbegehren "Rettet die Bienen!" stark machen. Der oberste Ameisenschützer im Freistaat ist Franz Bürger aus Nordendorf im Lechtal.

Der 60-Jährige ist seit vier Jahren Vorsitzender der Ameisenschutzwarte Bayern. Dass Bürger zu einem engagierten Freund der geschützten Waldameisen wurde, liegt an den Bienen. Der Nordendorfer baute sich vor rund 30 Jahren eine kleine Hobbyimkerei auf, die er bis heute betreibt. "Ich war sofort davon begeistert", erzählt er in seiner ruhigen und besonnenen Art.

Zwischen Ameisen und Bienen gibt es eine enge Verbindung

Bürger eignete sich viel Wissen über die Bienen an – und kam so zu den Ameisen. Denn zwischen den fleißigen Insekten am Boden und den ebenso emsigen Bienen gibt es eine enge Verbindung. Die Waldameisen hegen und pflegen Baumläuse, die im Fachjargon Rindenläuse oder Lachniden genannt werden. Diese kleinen Tierchen zapfen die Nadeln der Bäume an und wandeln den gewonnenen Siebröhrensaft in Zucker um. Dieser dient den Ameisen als Nahrung und die Bienen verwenden ihn als Futter oder es entsteht daraus der Waldhonig.

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Bemerkenswert daran ist, dass die Ameisen die Läuse fast so wie Haustiere halten und beispielsweise auf andere Bäume tragen. Da die Bienen von den kleinen Saugern profitieren, hätten es Imker schon immer gerne gesehen, wenn ein Ameisenhügel in der Nähe ist, erklärt Bürger.

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" dem Schutz aller Insekten

Der Ameisenschützer will aber nicht nur auf diesen Zusammenhang aufmerksam machen. Für ihn ist wichtig, dass es beim laufenden Volksbegehren nicht nur um die Rettung von Bienen, sondern auch um den Schutz sämtlicher Insektenarten wie beispielsweise Schmetterlinge, Falter, Libellen, Wespen, Hummeln, Heuschrecken und eben Ameisen geht. Eine Zahl lässt ihn dabei nicht los: So gab es laut Bürger in Bayern vor rund 200 Jahren noch rund 450 Ameisenarten. Jetzt sind es nur noch 100.

Es sind übrigens auch die kleinen Krabbler, die dafür sorgen, dass Blühpflanzen für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln gedeihen. Ameisen verbreiten deren Samen, denn ein Teil davon bleibt an deren Füßchen hängen, fällt auf den Waldboden und so wachsen neue Pflanzen.

Franz Bürger aus Nordendorf ist der Vorsitzende der Ameisenschutzwarte Bayern. Im Wald zwischen Ehgatten und Streitheim hat er vier Ameisenhügel gesichert, die er im nächsten Frühjahr umsiedeln wird.
Bild: Marcus Merk

Volksbegehren Artenvielfalt: Die Bienen profitieren vom Saft der Rindenläuse

Bürger wünscht sich, dass die Leute mehr Einblicke in die faszinierenden Zusammenhänge bekommen, die die Natur bietet. So profitieren zum einen die Bienen vom Saft der Rindenläuse. Die kleinen Läuse, die von den Ameisen gehegt und gepflegt werden, überwintern aber auch zum Teil auf den Bäumen und stellen somit eine wichtige Nahrung für die Singvögel im Winter dar.

Mit Sorge beobachtet Bürger, dass die Bestände der geschützten Roten Waldameise abnehmen. Er bringt dies auch mit dem Insektensterben in Verbindung und erklärt: "Ein großes Ameisenvolk mit rund drei Millionen Arbeiterinnen kann an einem warmen Sommertag bis zu 100.000 Schadinsekten erbeuten. Fehlt diese Nahrung, kann es durchaus zu Engpässen bei der Futterversorgung von Ameisen kommen."

Und zu guter Letzt sind die Ameisen auch für so manche Schweinerei zu haben: Sie befreien nämlich andere Tiere von Parasiten. "Wildschweine stellen sich gerne eine Stunde lang in einen Ameisenhaufen und lassen sich mit Säure besprühen", erzählt Bürger. "Danach fühlen sie sich wieder sauwohl."

Lesen Sie hierzu auch: "Rettet die Bienen": Worüber Befürworter und Gegner streiten  

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