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Corona-Impfung
15.05.2021

Corona-Impftermine in Bayern: Wie der geheime Algorithmus funktioniert

Ein Patient wird mit dem von der Universität Oxford und dem Pharmakonzern Astrazeneca produzierten Corona-Impfstoff geimpft.
Foto: Ben Birchall, dpa

Wer sich für eine Corona-Impfung registriert, wird in Prioritätsgruppen eingeteilt. Doch wie verteilen die Impfzentren ihre Termine innerhalb dieser Gruppen?

Wer in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, bekommt es immer öfter zu sehen: Bilder von ausgefüllten Impfpässen und bepflasterteten Oberarmen. Die Impfkampagne gegen Corona schreitet voran: Mittlerweile wurde bei mehr als einem Drittel der Bevölkerung mindestens der erste Piks gesetzt. Auch viele junge Leute haben die Spritze schon erhalten. Währenddessen warten einige ältere Mitbürger immer noch auf ihre Immunisierung. Dabei hieß es eigentlich, dass ältere Menschen zuerst geimpft werden sollten. Woran liegt das?

Wer einen Impftermin im Impfzentrum will, muss ihn online vereinbaren

Wer zuerst drankommt, regelt eine Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums, die die Bevölkerung in fünf Prioritätsgruppen einteilt. Diese werden der Reihe nach abgearbeitet. Innerhalb der Priorisierungsgruppen ist das Ganze aber schon komplizierter. Über 80-Jährige und gewisse medizinische Tätigkeitsfelder werden dort zum Beispiel gleich eingestuft. Wer soll also zuerst geimpft werden? Ein Rentner, für den die Infektion gefährlich sein kann, oder ein junger Intensiv-Pfleger, der täglich mit dem Virus in Kontakt kommt? Hausärzte vergeben die Termine selbst und müssen sich nun auch nicht mehr an die Impfpriorisierung halten. Doch bei den Impfzentren vor Ort muss das bayerische Gesundheitsministerium klären, wie die Termine verteilt werden.

 

Genauer gesagt das "Bayerische Impfmanagement gegen Corona", kurz Bayimco. Dabei handelt es sich um die Software, die der Freistaat nutzt, um Impftermine in den Zentren vor Ort zu verteilen. Impfwillige kennen die Software als impfzentren.bayern, auf der man sich registrieren muss, um einen Termin zu bekommen. Dort gibt man Kontaktdaten an, Risikofaktoren und, ob man in einer medizinischen Einrichtung, Schule oder "kritischer Infrastruktur" arbeitet. Auch, ob man in einer Gemeinschaftsunterkunft lebt, Vorerkrankungen oder Kontakt zu einer besonders gefährdeten Person hat, fragt die Seite ab.

So verteilt Bayern die Impftermine gegen Corona

Auf wen diese Faktoren zutreffen, der bekommt laut Ministeriumssprecher einen früheren Termin. Dies wird bewerkstelligt, indem jede dieser Angaben mit einer Zahl verknüpft wird, die auf das Alter addiert wird. Diese Zahl ergibt dann ein sogenanntes "Virtuelles Alter", nach dem die Impflinge in die Schlange sortiert werden. Die freien Impftermine werden dann der Reihe nach in der Schlange verteilt. So will das Gesundheitsministerium laut Sprecher eine Gleichbehandlung der unterschiedlichen Priorisierungsgründe sicherstellen. Anders als manche glauben, spielt die Reihenfolge der Anmeldung dabei keine Rolle.

Warum Bayern die Zahlen, die zum Impftermin führen, geheim hält

Genaueres will der Freistaat aus Angst vor Manipulationsversuchen nicht preisgeben. Recherchen des Bayerischen Rundfunks haben aber ergeben, dass Pflegerinnen und Pfleger beispielsweise einen Faktor von 80 bis 100 auf ihr Alter draufgeschlagen bekommen. Wer keine weiteren relevanten Faktoren hat und vor einer 30-jährigen Pflegerin, auf die das ebenfalls zutrifft, drankommen will, müsste also mindestens 110 Jahre alt sein.

 

Ganz reibungslos scheint dieser Algorithmus allerdings nicht zu funktionieren. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, haben einige Impfzentren in Bayern die Nutzung des Systems schon länger ausgesetzt und sind dazu übergegangen, die Termine aufwendig per Telefon zu vergeben. In Regen musste das Impfzentrum im April beispielsweise einen extra Termin für über 80-Jährige, die durchs Raster gefallen waren, organisieren. Beim bayerischen Gesundheitsministerium hat man allerdings Vertrauen in das System: "Der verwendete Algorithmus stellt eine neutrale statistische Gleichverteilung sicher", teilt ein Ministeriumssprecher mit.

 

Auch Beschwerden und Anrufe beim jeweiligen Impfzentrum haben nur wenig Aussicht auf Erfolg. Zum einen sind die Hotlines vor Ort sehr stark nachgefragt und häufig überlastet. Außerdem sind die Möglichkeiten, auf die Terminvergabe einzuwirken, sehr begrenzt. Die jeweiligen Impfzentren können lediglich unter gewissen Umständen eine "gewisse zeitliche Binnenpriorisierung" aufgrund von gewissen Faktoren wie in der Impfverordnung definierten Krankheiten vornehmen.

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15.05.2021

Was ist "risikogerecht"? Darüber mag man im konkreten Einzelfall trefflich streiten. Unter dem Strich aber gewinnt man schon den Eindruck, dass auf unsere Impfzentren Verlass ist.

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15.05.2021

Wie kann man nur so ein Foto veröffentlichen, auf dem die impfende Person keine Gummihandschuhe trägt?
Schaut denn die Bilder vor der Veröffentlichung niemand an oder ist es Gedankenlosigkeit?
Beides ist schlimm genug.

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16.05.2021

Hfftl machen das jetzt nicht alle Impfenden nach... *grübel*

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