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Verbrechen vor der Aufklärung

18.07.2008

Drohbrief an DJ Ötzi hilft bei Mörderjagd

Mord verjährt nie: Fahnder sind dem Mörder von Heiderose B. auf den Fersen.

Die Fahnder sind einem zweifachen Mörder dicht auf den Fersen. Wird er gefasst, ist auch der Mord an der 29-jährigen Prostituierten Heiderose B. geklärt, über den unsere Zeitung im Rahmen einer Serie über Verbrechen berichtet hat. Von Klaus Utzni

Von Klaus Utzni

Augsburg/Ulm/Bielefeld - Die Polizei hat vier Briefe mit Fragmenten von Fingerabdrücken und winzigsten DNA-Spuren. Jetzt fehlt nur noch das Gesicht. Das Gesicht eines Mörders, der mindestens zwei Menschen auf dem Gewissen hat. Die Fahnder sind ihm nun dicht auf den Fersen. Wird er gefasst, dann ist auch der Mord an der 29-jährigen Prostituierten Heiderose B. aus dem Jahre 1970 geklärt, über den unsere Zeitung im Rahmen einer Serie über aufsehenerregende Verbrechen in der Region im April berichtet hat.

Heiderose B., die in Augsburg, Ulm und Nürnberg dem ältesten Gewerbe der Welt nachgeht, wird am 1. März 1970 erschlagen und erstochen auf einem Feld bei Ulm entdeckt. Ihre Leiche ist bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, in eine Speditions-Wolldecke gewickelt und mit einem Hanfstrick verschnürt.

Zuletzt ist die Frau in Nürnberg gesehen worden. Alle Spuren verlaufen jedoch im Sand. Erst 35 Jahre später, am 9. November 2005, trifft bei der Kripo in Nürnberg ein Brief ein, in dem ein Unbekannter behauptet, sein Freund habe ihm das Verbrechen an Heiderose B. gestanden. Die Kripo glaubt, dass der anonyme Schreiber der Mörder selbst ist.

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Im Juni 2006 und im Januar 2007 landen bei der Polizei in Kaiserslautern und in Bielefeld zwei weitere Briefe. Darin offenbart ein unbekannter Schreiber ein schreckliches Geheimnis. Er gesteht, dass er im April 1962 die damals 13 Jahre alte Schülerin Lydia Sch. aus dem ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück als Anhalterin mitgenommen, sie dann erdrosselt und in einem Wald bei Bielefeld verscharrt habe. Die Leiche des vermissten Mädchens war am 19. August 1962 von Pilzsammlern entdeckt, der Mörder aber nie gefasst worden.

Für die Polizei steht schließlich fest, dass alle drei Briefe von ein und demselben Schreiber verfasst wurden - von dem Mann, der offenbar Heiderose B. und Lydia Sch. umgebracht hat.

Ende Juni 2007 macht der unbekannte Mörder dann einen großen Fehler: Er schreibt einen Drohbrief an die Gemeindeverwaltung von Weiskirchen im Saarland. Darin beschwert er sich über den Auftritt des Popstars "DJ Ötzi" im Festzelt der "Weiskircher Wiesn" und droht mit Mord.

Die spurentechnische Untersuchung des Briefes fördert einen ungeahnten Zusammenhang zutage: Auch dieses Schreiben stammt von dem Doppelmörder. Und jetzt wissen die Fahnder, dass der Killer aus der Region um Weiskirchen im Saarland stammen muss. Sein Alter: mindestens 65 Jahre. Sein Beruf: vermutlich Fernfahrer.

Aus Hunderten von infrage kommenden Männern aus der Region Hochwald im Saarland hat die Kripo jetzt ein Dutzend herausgefiltert. Sie werden als Erste unter die Lupe genommen und in den kommenden Wochen zu einem freiwilligen DNA-Test gebeten.

Georg Himbert, Sprecher der Landespolizeidirektion Saarland, warnt allerdings vor allzu großen Hoffnungen auf einen schnellen Erfolg der Aktion: "Das ist erst der Anfang. Der Kreis der Personen, die wir abklappern, kann noch viel größer werden."

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