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Obergünzburg

07.07.2020

Frau in Linienbus getötet: Ex-Mann wegen Mordverdachts in U-Haft

14 Fahrgäste saßen in diesem Bus, als ein 37-Jähriger dort auf seine Frau losging und sie schließlich tötete. Das Opfer saß mit seiner Freundin knapp hinter dem Busfahrer.
Bild: Ralf Lienert

Plus Das tödliche Verbrechen in einem Linienbus in Obergünzburg bestürzt Menschen weit über das Allgäu hinaus. Jetzt sind neue Details bekannt. Ein Zeuge berichtet.

Nach der Bluttat in Obergünzburg, bei der ein 37-Jähriger in einem Linienbus seine Frau erstochen hat, werden immer mehr Details bekannt: Während der Tat waren im Bus vier erwachsene Personen – der Busfahrer, der Angreifer, die ehemalige Partnerin des Täters und eine Freundin der Frau. Außerdem fuhren zehn Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 18 Jahren mit. Diese wurden nach Angaben von Polizeisprecher Holger Stabik zunächst vor Ort und abends noch einmal vom zentralen psychologischen Dienst der Polizei betreut.

Das Opfer und der Angreifer haben vier gemeinsame Kinder: „Das Jugendamt hat sich der Kinder angenommen“, sagte Stabik gegenüber unserer Redaktion. Wie lange die afghanische Familie schon in Deutschland lebt, dazu will er keine Angaben machen. „Wir versuchen aktuell, die familiären Hintergründe durch die Ermittlungen zu beleuchten.“

Mutmaßlicher Täter griff Frau in Obergünzburg wohl unvermittelt an

Den Ablauf der Tat exakt nachvollziehen kann die Polizei noch nicht. „Auch, weil es recht widersprüchliche Angaben der Zeugen gibt“, sagt Sprecher Holger Stabik. Vonseiten der Staatsanwaltschaft heißt es, dass der Mann die 27-Jährige unvermittelt angegriffen und mehrfach mit dem Küchenmesser zugestochen habe. „Ein Streit oder Wortgefecht hat nach derzeitigen Erkenntnissen nicht unvermittelt vor der Tat stattgefunden“ , sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag.

Einer der Zeugen ist Busfahrer Marco Deniffel. Im Gespräch mit unserer Redaktion schildert der 31-Jährige die Tat aus seiner Sicht. Im Linienbus, den Dennifel am Montagmittag von Kempten in seinen Heimatort Obergünzburg (Ostallgäu) steuert, wird die Frau niedergestochen. Wenig später erliegt sie, wie berichtet, ihren schweren Stichverletzungen in einer Klinik. „Ich bin fassungslos und schockiert. Dass so etwas in meinem Linienbus passiert, macht mich sprachlos“, sagt Marco Deniffel. Nach einer Großfahndung wird der mutmaßliche Täter schnell von der Polizei gestellt. Es handelt sich um einen afghanischen Staatsangehörigen, der seine getrennt von ihm lebende Frau tötete.

Passagiere im Bus versuchten, der Frau zu helfen

Nichts deutet auf ein Verbrechen hin, als der Obergünzburger Fahrer routinemäßig seinen Linienbus um 12.40 Uhr an der Zentralen Umsteigestelle in Kempten startet. Wie zur Mittagszeit üblich, steigen vor allem Schüler zu. Auch das spätere Gewaltopfer, die 27 Jahre alte Frau, betritt den Bus zusammen mit einer Freundin. Die beiden Frauen nehmen in der zweiten Reihe hinter dem Busfahrer Platz. Marco Deniffel kennt sie vom Sehen. Sie leben in seiner Heimatgemeinde, fahren öfter Bus.

Gleiches gilt für den 37-jährigen Mann, der wenige Minuten später an der Haltestelle Kaufbeurer Straße/Edison-Straße zusteigt und sich auf einen der hinteren Sitzplätze setzt. Wie alle im Bus trägt auch der neue Passagier die in Corona-Zeiten vorgeschriebene Maske. „Seinen Gesichtsausdruck konnte ich nicht erkennen“, sagt Deniffel.

Ex-Mann des Opfers sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft

Kurz vor Obergünzburg dann die Eskalation, die der Busfahrer aus seiner Sicht schildert: „Der Mann steht auf, läuft auf die beiden Frau zu und beginnt eine davon zu attackieren. Ich hörte nur noch Schreie im Bus.“ Beim Blick in den Rückspiegel glaubt er zunächst, dass der Mann die Frau schlägt. Erst später erkennt er das Messer. Sofort schaltet er das Warnblinklicht an, stoppt den Bus am Straßenrand wenige Meter vor dem Ortsschild. Er habe die Fahrerkabine aufgerissen, sei nach hinten gestürmt und habe sich auf den Angreifer gestürzt, sagt Deniffel. Im Schwitzkasten habe er den 37-Jährigen nach draußen gezerrt. Das Messer fällt auf den Boden. Damit ist eine mögliche weitere Eskalation gebannt. Der mutmaßliche Täter flüchtet auf eine nahe gelegene Weide.

Im Bus versuchen Fahrer und Passagiere mit vereinten Kräften, die stark blutende Frau in eine stabile Seitenlage zu bringen. Schüler haben bereits per Handy Polizei und Rettungskräfte verständigt. Als der Busfahrer die hintere Türe öffnet, stürmen einige von ihnen schreckensbleich nach draußen. Autofahrer eilen herbei und bieten ihre Hilfe an. Kurze Zeit später treffen Notarzt, Rettungskräfte und Polizei ein. Nach einer Reanimation wird die schwer verletzte Frau in die Klinik gefahren, erliegt dort aber ihren Verletzungen. Der mutmaßliche Täter wird gestellt und tags darauf dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser ordnete Untersuchungshaft wegen Mordverdachts an.

Lesen Sie dazu: "Ich hörte nur noch Schreie": So schildert der Busfahrer die Attacke im Allgäu

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