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Geschichte
08.05.2011

Napoleon im Eiltempo

Hippolyte Delaroche, ein französischer Historienmaler, hat Napoleon Bonaparte so in Szene gesetzt.
2 Bilder
Hippolyte Delaroche, ein französischer Historienmaler, hat Napoleon Bonaparte so in Szene gesetzt.

Vor mehr als 200 Jahren trieb der französische Kaiser seine Truppen in Gewaltmärschen durch Schwaben. Eine Spurensuche

Augsburg Vor nicht einmal einem Jahr ersteigerte ein unbekannter Bieter im neuseeländischen Auckland für umgerechnet 10800 Euro eine Locke, die einem Franzosen nach dessen Tod 1821 auf einer kleinen Insel im Atlantik abgeschnitten worden sein soll. Am anderen Ende der Welt, in Schwaben, hat sich der Historische Verein Landsberg zwar nicht für die Locke, dafür aber für die gesamte Person und deren Wirken interessiert: Auf Spurensuche haben sich kürzlich etwa drei Dutzend Personen aus Landsberg und Umgebung mit dem Ulmer Historiker Thomas Schuler begeben. Sie spürten Napoleon nach, dem kleinen großen Mann an der Spitze der Grande Armee. Gut 15 Stunden dauerte diese bislang einmalige Tagesreise kreuz und quer durch die Region. In Donauwörth, Wertingen, Zusmarshausen, Günzburg, Elchingen und Neu-Ulm vergegenwärtigte sich die Gruppe an historischen Schauplätzen die Vergangenheit, die Bayern erst zu dem hat werden lassen, was es heute ist.

Als Verbündete Napoleons waren die Bayern mit Kurfürst Maximilian IV. in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts auf der Gewinnerseite. In Tagesbefehlen schmierte der Franzose den bayerischen Soldaten schon mal Honig ums Maul. „Ich kenne eure Tapferkeit, und schmeichle mir, nach der ersten Schlacht eurem Fürsten und meinem Volke sagen zu können, daß ihr würdig seid, in den Reihen der großen Armee zu kämpfen“, steht in einem dieser Befehle. Der Kurfürst freilich wurde nicht nur mit freundlichen Worten abgespeist. Das Territorium Bayerns wuchs etwa um ein Drittel und aus Maximilian IV. wurde Maximilian I. Joseph, der erste Herrscher des 1806 zum Königreich erhobenen Bayern.

Neben seinen Formulierungskünsten war der in Ajaccio auf der Insel Korsika 1769 zur Welt gekommene Napoleon Bonaparte auch wegen seiner brillanten Rechenkünste bekannt. Im großen Saal des ehemaligen Benediktinerklosters Heilig Kreuz in Donauwörth lag der Mann einst bäuchlings auf großen Tischen. Sonst wäre es für ihn wegen seiner Größe unmöglich gewesen, die unhandlichen Landkarten – die genauesten, die damals zur Verfügung standen – aufzurollen, schwarze und rote Fähnchen für Freund und Feind zu platzieren und mit einem Zirkel die genauen Abstände zwischen den Truppen zu vermessen. „Die Karten scheinen ihm mehr am Herzen zu liegen als alle anderen Bedürfnisse des Lebens“, erkannte 1813 ein sächsischer Offizier.

Der Heerführer trieb seine Soldaten zu Gewaltmärschen an: Eine Distanz von 40 Kilometern, die am Tag zurückgelegt werden musste, war keine Seltenheit – mit vielen Kilogramm Gepäck und Waffen. Die Anstrengung lohnte sich aus militärischer Sicht. Die feindlich gesonnenen Österreicher waren nicht so flexibel wie die aus sieben Korps (rund 160000 Mann) bestehende Große Armee. Napoleons Feinde wurden mehrfach weiträumig umgangen und dann von verschiedenen Seiten angegriffen.

Nachtruhe fand Napoleon I. nur wenig bei seinen Feldzügen. „Männer brauchen vier Stunden Schlaf, Frauen fünf und Idioten sechs“, zitierte Schuler den Mann mit dem Zweispitz. Weniger Schlaf als sonst hatten auch die Teilnehmer aus Landsberg und Umgebung, die sich am Reisetag bereits um 6.30 Uhr auf den Weg machten. „Das ist Weltgeschichte vor der Haustür“, findet Ingrid Ettlinger und freut sich, dabei zu sein. Und Matthias Feyrsinger ist auf den Schlachtfeldern von Elchingen wie einst „die Soldaten hochgelaufen. Das ist ein ganz anderes Gefühl, als nur mit dem Finger über die Karte zu streifen.“

Noch heute stecken unterhalb des Elchinger Klosterberges Kanonenkugeln, Rüstungsteile und kleine Kugeln der damaligen Gefechte in der Erde. Wissenschaftler Schuler interessiert sich nicht so sehr für die Materialschlacht. Er würde dafür gerne die vielen Soldaten, die er nach wie vor im Boden verscharrt vermutet, ausgraben und sie würdig bestatten. Doch mit diesem Ansinnen ist er bei der Gemeinde – bislang jedenfalls – abgeblitzt.

Viele unscheinbare Dinge zeigte Schuler den Gästen während der historischen Exkursion: den stellenweise angeschwärzten Boden in der Heilig-Kreuz-Kirche in Donauwörth zum Beispiel. Dort wärmten sich 1805 Soldaten, machten Feuer in dem kalten Gotteshaus. Die unscheinbaren Reste einer Holzbrücke, über die Napoleons Armee nach Donauwörth vordrang, ist nur noch für wache Augen zu erkennen. Informationen über Napoleons Aufenthaltsorte gab’s zuhauf: In der Nähe von Wertingen, wo sich sanfte Hügelrücken ausbreiten, wurden vor 206 Jahren erbitterte Kämpfe geführt. Die Stadt wurde von den befreundeten Franzosen erst ausgeplündert. Und Reparationszahlungen mussten bis 1825 auch noch geleistet werden. Dafür wurde das schwäbische Städtchen wenigstens im Pariser Triumphbogen namentlich verewigt.

Seit einem Jahrzehnt beschäftigt sich Schuler hauptberuflich mit dem französischen Nationalhelden, der 1805 kurz vor dem Höhepunkt seiner Macht stand und zehn Jahre danach sein Waterloo erlebte. Er komme in der Geschichte „zu schlecht“ weg, meint Schuler. Ein Faible für den Mann, der das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zerschlagen hat, streitet der Buchautor ab. Aber eine gewisse Nähe muss dann doch vorhanden sein. Wie anders ist es zu erklären, dass der Historiker seinerzeit vom 9. auf den 10. Oktober 2005 die „Napoleonsuite“ in der Gaststätte Post in Zusmarshausen (Kreis Augsburg) gebucht hatte. Dort nächtigte der Kaiser exakt 200 Jahre zuvor. Damit ihm niemand in die Quere kam, hatte Schuler das Zimmer in der ersten Etage – ebenerdig schlief Napoleon nach einem Überfall auf ihn nicht mehr – frühzeitig für sich reservieren lassen. Im Jahr 2002.

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