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Corona-Pandemie

28.01.2021

Haarschnitte für Soldaten: Ministerium verbietet Friseurbesuche in Kasernen

Ausnahmeregelung für Soldaten: Deren Haare und Bärte müssten auch in Pandemiezeiten korrekt sein, sagt ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums.
Foto: Armin Weigel, dpa/lby (Symbolbild)

Plus Während Friseursalons geschlossen sind, kamen Friseure sogar in Kasernen, um Soldaten die Haare zu schneiden. Eine Regelung, die für Aufregung sorgte – und nun geändert wird.

Für Doris Ortlieb ist das Thema ein echter Aufreger: Während Friseure ihre Salons in Pandemiezeiten geschlossen halten müssen und um ihre Existenz kämpfen, dürfen sich Soldaten weiterhin frisieren lassen. Bundesweit kommen dazu Friseure sogar eigens in die Kasernen. Ortlieb, Geschäftsführerin des Landesinnungsverbands des bayerischen Friseurhandwerks mit Sitz im oberbayerischen Fürstenfeldbruck, fordert am Donnerstag daher am Telefon: „Gleiches Recht für alle!“ Es rufe in ihrer Branche großen Unmut hervor, wenn manche Friseure Soldaten die Haare schneiden könnten, die meisten anderen aber gerade keine Einnahmen hätten.

Warum müssen sich Soldaten Haare oder Bart trotz Corona-Pandemie schneiden lassen?

Mehr noch ärgert Ortlieb die Außenwirkung. Es gehe nicht an, dass sich Fußballer oder eben auch Soldaten professionell die Haare schneiden ließen, alle anderen dies aber nicht dürften und ja meistens auch nicht täten. „Hier muss die Bundesregierung eine einheitliche Regelung schaffen“, meint Ortlieb. Für sie heißt das: Friseurbesuche für alle – oder niemanden. Gleiches Recht eben.

 

Doris Ortlieb weiß, wovon sie spricht. Ihr Büro befindet sich in der Nähe des Fliegerhorsts Fürstenfeldbruck. Und von dort habe sie kürzlich eine Beschwerde erreicht: Auch einem zivilen Angestellten seien die Haare geschnitten worden. Falls das stimmen sollte, wäre dies ausdrücklich nicht erlaubt gewesen. Der mutmaßliche Vorfall ist – unter anderem – der Luftwaffe bekannt; er werde geprüft, hieß es dazu am Donnerstagabend.

Noch später am Abend bestätigte schließlich das Bundesverteidigungsministerium Recherchen unserer Redaktion auf Anfrage: „Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat im Laufe des Donnerstag entschieden, dass Friseursalons in Bundeswehrkasernen bis auf Weiteres geschlossen werden.“ Dies werde per Erlass untersagt, hieß es. Offenbar erkannte man das Problem: Bürger haben schließlich wenig Verständnis dafür, wenn sich Soldaten von Friseuren die Haare schneiden lassen dürfen, sie aber nicht.

Haareschneiden für Soldaten in Deutschland soll nun vorerst nicht mehr möglich sein

Bislang aber war das, mit Verweis auf das Infektionsschutzgesetz, erlaubt. Demnach durften Soldaten die Dienste von Friseuren in militärischen Liegenschaften in Anspruch nehmen. Mehr noch: Sie mussten es sogar, wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums erklärte. Um eine neue Frisur sei es dabei allerdings nicht gegangen. Das äußere Erscheinungsbild der Soldatinnen und Soldaten müsse nicht nur korrekt sein, sagte er – es diene auch dem korrekten Sitz beispielsweise einer ABC-Maske. So kämen Soldaten auch in diesen Pandemiezeiten nicht darum herum, Haare oder Bart schneiden lassen zu müssen. Dies entspreche „militärischen Erfordernissen“. Eigenes Personal – also Friseure unter den Soldaten – habe die Bundeswehr nicht.

 

Wenn Soldaten ihre Haare von externen Friseuren geschnitten bekamen, die dazu regelmäßig in die Kasernen gingen, wurden dem Sprecher zufolge Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen eingehalten. Kontrolliert hätten dies die bundesweit vier „Gesundheitsämter“ der Bundeswehr – die ÜbwStÖRA (Überwachungsstellen für öffentlich-rechtliche Aufgaben des Sanitätsdienstes der Bundeswehr) – in Absprache mit den örtlich zuständigen Gesundheitsämtern.

Mit zu der Entscheidung von Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) beigetragen haben dürfte die CSU-Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Staffler, in deren Wahlkreis der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck liegt, hatte kürzlich ebenfalls von dem mutmaßlichen Fall gehört, dass dort nicht nur Soldaten die Haare professionell geschnitten worden seien. Sie hatte sich daraufhin an das Verteidigungsministerium gewandt und sich unter anderem über die Ausnahmeregelung für Soldaten informieren lassen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

29.01.2021

das Haare schneiden ist das eine, Personen aus 2 verschiedenen Haushalten das andere, mit 6-10 Soldaten auf einer Stube wird die Regelung auch gebrochen. Manche Regelungen können komplett in die Tonne...

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29.01.2021

Was ist z.B. mit Feuerwehrleuten, die auch solche Atemschutzmasken tragen müssen. Völlig irrige Begründung der Bundeswehr-Verantwortlichen.

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28.01.2021

Die ausrede mit der ABC Schutzmaske ist der absolute Treppenwitz in der derzeitigen Verteidigungslage! Selbst die Festspiel Teilnehmer in Oberammergau wurden für Ihren Bühneneinsatz zig Monate vor den Spielen vom Haar und Barterlass der BW befreit! Notfalls greift man zum Rasierer und macht die Haare ganz ab.

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29.01.2021

Und im Zweifel kommt Vaseline zum Einsatz ...

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