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Kirche
10.06.2021

Bischof Meier zur Segnung homosexueller Paare: "Ich lehne niemals einen Segen ab"

Der Augsburger Bischof Bertram Meier war Gast in der Talksendung "Münchner Runde".
Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Der Augsburger Bischof zeigt sich in der BR-Sendung "Münchner Runde" offen dafür, homosexuelle Paare zu segnen. Damit stelle er sich gegen Rom, wirft ihm eine konservative Katholikin vor.

Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat am Mittwochabend in der Talksendung "Münchner Runde" des Bayerischen Fernsehens gesagt, dass er homosexuelle Paare segnen würde. Er würde aber alles vermeiden, um den Eindruck zu erwecken, es handele sich hierbei um eine Ehe. So würde er nicht mit der Stola die Hände umwickeln oder Formeln sprechen, die bei einer sakramentalen Eheschließung gesprochen würden.

Meier erklärte: "Ich lehne niemals einen Segen ab für Menschen, die zu mir kommen, um sich segnen zu lassen." Er freue sich darüber und sei nur das Sprachrohr für Gott, dem er seine Stimme leihe. "Ich segne nicht die Qualität der Partnerschaft", betonte der Augsburger Bischof. Wenn Menschen sagten, sie wollten Werte wie Treue oder Verbindlichkeit leben, dann gebe er ihnen den Segen.

Bischof Meier verwahrt sich entschieden gegen den Vorwurf, er stelle sich gegen den Vatikan

Meier wies auch darauf hin, dass es im sogenannten Benediktionale, dem Segensbuch der katholischen Kirche, einen Verlobungssegen gebe, den die Eltern sprechen sollen - und der nicht von einem Geweihten gespendet werde. "Damit ist doch etwas Wichtiges als Schlüssel gegeben." Niemandem werde ein Segen verweigert. Das Sakrament der Ehe sei etwas anderes.

Gegen den Einwurf der konservativen Katholikin Clara Steinbrecher, er stelle sich damit "offensichtlich gegen Rom", verwahrte sich der Augsburger Bischof entschieden. Er sei Bischof und habe in Rom studiert und gearbeitet. "Ich möchte mich verwahren, dass jetzt von einzelnen Leuten auch Bischöfe klassifiziert werden: Die einen sind romtreu und die anderen nicht. Das lasse ich auf mir jetzt so nicht sitzen", sagte Meier.

Steinbrecher spricht für die konservativ-katholische Initiative Maria 1.0, die sich 2019 als Gegenbewegung zur Reform-Initiative Maria 2.0 bildete. Die 23-Jährige studiert in Eichstätt Mathematik und Schulpsychologie.

Die konservative Katholikin Clara Steinbrecher bringt auch ein Missbrauchsopfer in Rage

Mit Meier und Steinbrecher diskutierten Kai Christian Moritz, Schauspieler und Missbrauchsopfer, sowie Jacqueline Straub, katholische Theologin, Journalistin und Buchautorin. Titel der Sendung war: "Macht und Missbrauch: Scheitert die Kirche an sich selbst?" Kai Christian Moritz hatte Steinbrecher zuvor "geistige Brandstiftung" vorgeworfen und vehement widersprochen, Homosexualität als Krankheit darzustellen.

Steinbrecher hatte unter anderem gesagt, Homosexualität sei eine Sünde und dies sei aus der Heiligen Schrift begründbar, aber auch von der Art und Weise her, wie wir Menschen geschaffen worden seien. Es sei nicht gut, wenn gleichgeschlechtliche Paare miteinander verkehrten. Statt eine Beziehung homosexueller Paare zu segnen, müsse die katholische Kirche sich fragen, wie sie solchen Menschen helfen und ihnen einen Weg aufzeigen könne, wie sie "zum Wahren, zum Echten, zum Richtigen hinfinden" könnten.

Der Zusammenschluss Maria 1.0 hält es zudem für keine Abwertung von Frauen, dass diese laut Kirchenlehre nicht zu Priesterinnen geweiht werden dürfen. Auch am Zölibat in seiner bisherigen Form hält er fest.

Über die Segnung homosexueller Paare gab es kürzlich heftige Diskussionen in Deutschland

Kürzlich kritisierte Steinbrecher im Gespräch mit unserer Redaktion die Ausrichtung des Gesprächsprozesses "Synodaler Weg" zwischen deutschen Bischöfen und engagierten Katholiken. Dabei wird über systemische Ursachen des Missbrauchsskandals debattiert. Es würden Forderungen gestellt, die nicht umgesetzt werden könnten, sagte sie. „Die Kirche ist doch kein System, das einfach umgebaut werden kann.“ Beim Synodalen Weg gehe es viel zu wenig um Glaubensvermittlung – und viel zu stark um Dauerdebattenthemen wie Frauenweihe oder Zölibat.

Über die Segnung homosexueller Paare war vor kurzem eine heftige Debatte in Deutschland entbrannt, nachdem die vatikanische Glaubenskongregation klargestellt hatte, dass es "nicht erlaubt" sei, homosexuelle Partnerschaften zu segnen, da solche Verbindungen "nicht als objektiv auf die geoffenbarten Pläne Gottes hingeordnet anerkannt werden" könnten.

Im Mai protestierten dagegen katholische Priester bundesweit mit Segnungsgottesdiensten auch für homosexuelle Paare unter dem Motto "Liebe gewinnt".

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11.06.2021

Etliche Pastoren etc. werden angeklagt weil sie Menschen geliebt haben.

Warum? Weil es der aktuellen Moral wiederspricht. Fakt ist es gab schon Kulturen wo das niemanden interessiert hätte.

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10.06.2021

Gut daß ich kein Kathoilik in Augsburg bin. Der Oberhirte des Bistums Augsburg verwundert mich schon des öfteren.

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10.06.2021

Ich würde gerne mal wissen ob all diese "Bibeltreuen" auch wirklich Wort für Wort nach der Bibel leben. Ich glaube, nein ich behaupte, viele von diesen brechen tagtäglich Vorschriften der Bibel. Somit zitiere ich gerne die Bibel: "Wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein!"

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10.06.2021

Das Sakrament der Ehe spenden sich die Eheleute gegenseitig und nicht der Priester insofern assistiert er nur. Also wäre das auch bei gleicheschlechtlichen Paaren denkbar. Ich finde Meiers Linie auch gut begründet um eben nicht mit Rom zu kolidieren. Leider gibt es immer wieder Fanatiker*innen die meinen Sola Scriptura sein ein Prinzip, dass die kath. Kirche einzuhalten hätte. Von dem hat man sich aber schon sehr sehr lange verabschiedet, da man erkannt hat das das nicht gut geht. Man kann solchen nur raten sich entsprechende andere Kirchen z. B. im Bereich des Evangelikalismus zu suchen.

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11.06.2021

Einem Homosexuellen vergeben? Für was denn? Daß er Menschen liebt? In welcher verschrobenen Gedankenwelt leben Sie denn?

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11.06.2021

In einer die ethisch und moralisch korrekt ist. Aber mir ist klar das die Menschen soetwas nicht hören wollen. Stichwort Ehe für alle. Mir ist klar das die erst dann erreicht wird wenn ALLE sexuellen Spielarten legitimiert sind.
Ihnen ist das hoffentlich auch klar.

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10.06.2021

Er stellt sich gegen Gott!!!
3 Mose 18.

Damit verflucht er sich!!!

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10.06.2021

3 Mose 18 lautet:
"Du darfst neben einer Frau nicht auch noch deren Schwester heiraten; du würdest sie zur Nebenbuhlerin machen, wenn du zu Lebzeiten der einen die Scham der anderen entblößt."

Was, bitte, hat dies mit der momentanen Diskussion zu tun? @ Jan T: Wenn man die Bibel zitiert, sollte man wissen, was man sagt. Da kann man gerne vorher schon nachlesen! Ich denke mal, der Bischof kommt schon damit klar, wenn Sie behaupten, er würde sich - aus welchen unnachvollziehbaren Gründen auch immer - selbst verfluchen.
Da halte ich es gerne wie Markus H. mit Joh. 8,7

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10.06.2021

Und Sie stellen sich in eine Reihe mit dem IS!

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10.06.2021

@ Susanne M.
Ich denke er meint: Das Buch Levitikus, Sexuelle Vorschriften: 18, 22

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10.06.2021

3.Mose 18 ist ein Kapitel, kein Vers.

Jesus sagte zur Menge wer ohne Sünde sei werfe den ersten Stein.

Zur Frau sagte er sinngemäß: Gehe und sündige nicht mehr.

Hat er sie für ihren Ehebruch gesegnet? NEIN!
Er hat ihr die Sünde vergeben!
Er hat sie aufgefordert ihr Leben zu ändern.
Genau das würde Jesus für einen Homosexuellen tun.
Ich kann einem Homosexuellen im Namen Gottes vergeben, wenn er sein Leben ändern möchte, segnen ist unmöglich!!!

Warum ich mit dem IS gleichgesetzt werde, versteh ich nicht. Schau in den Spiegel!!!

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11.06.2021

Ich behaupte nicht zu wissen was Gott denkt, will oder wenn er segnet oder verflucht. Der IS macht dies. Und auch wie man sieht einige christliche Zeitgenossen.
Die Bibel wurde von Menschen im Sinne des damaligen Zeitgeistes aufgezeichnet. Zudem x-mal durch den Menschen über x-Sprachen übersetzt. Zum Beispiel Aramäisch ins Grischische, von Griechisch in Latein, von Latein ins Deutsche ... so wurde aus der jungen Frau auch eine Jungfrau. ;-)
Das Wort mag göttlich sein, die Schrift menschlich.
Ich habe aus der christliche Lehre das gleiche Herausgezogen wie aus der Aufklärung. Habe Respekt vor Deinen Mitmenschen und behandle Sie gut. Denke das meint auch Jesus mit der Nächstenlieben. Wenn es einen Gott geben sollte, egal wie er heißt, werden wir nach dem Tod sehen was er (mehr) bewertet. Das Gebet und den Gottesdienst nach dem oder dem Ritus oder das Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen.
Tuen die Homosexuellen irgendjemanden weh? Wenn es einvernehmlich ist, beide alt genug sind, ist es genauso OK wie Heterosexuellen. Wenn man die ein oder andere ausgeprägte Art und Weise nicht mag, ist es eine Sache. Aber ich mag auch die Art und Weise mancher Heterosexuellen nicht.
Solange niemand mißbraucht wird, ist Sexualität Privatsache.

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