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Kirche
20.06.2016

Vermögen offengelegt: So reich ist das Erzbistum München

Das Erzbistum München hat sein Vermögen genannt.
Foto: Christina Sabrowsky (dpa)

Erstmals legt das Erzbistum München sein Vermögen offen. Und präsentiert dabei auch einen Weg, Finanzskandale zu vermeiden.

Dass das Erzbistum München und Freising reich ist, hatten viele geahnt. Dass es noch reicher als viele andere der insgesamt 27 deutschen Bistümer ist, war dann doch eine Überraschung. Seit gestern nun ist also die Zahl „sechs“ in der Welt: Auf rund sechs Milliarden Euro belief sich das Vermögen des von Reinhard Kardinal Marx geleiteten Erzbistums einschließlich stiller Reserven zum Ende des Jahres 2015. Damit lag es vor den Erzbistümern Paderborn (rund 4 Milliarden Euro Vermögen) und Köln (3,4 Milliarden Euro).

München konkurriere mit Chicago in den USA um den Titel der reichsten Diözese der Welt, schrieb die Deutsche Presse-Agentur. Kommentare im Internet fielen spöttisch aus: Die katholische Kirche wisse das Geld sicher richtig zu investieren – „sei es in First-Class-Flüge für die Kirchenoberen oder in Prunkbauten für die Bischöfe“, schrieb einer. Offensichtlich in Anspielung auf den Finanzskandal um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst von 2013.

Gleichlautende Reaktionen hatte es bereits gegeben, als andere Bistümer ihre Vermögensverhältnisse veröffentlichten. Darunter das Bistum Augsburg, das im Herbst 2013 als eines der ersten gegenüber unserer Zeitung zumindest ein „Reinvermögen“ nannte. Zum Ende des Jahres 2014 legte es dann vollständige Jahresabschlüsse vor für seine Rechtsträger Diözese, Bischöflicher Stuhl und Domkapitel. Sie wurden, auch das ein Novum, nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches erstellt und von unabhängigen Experten geprüft. Erstmals erfuhr die Öffentlichkeit, dass das Bistum Augsburg über ein Vermögen von rund 1,2 Milliarden Euro verfügt.

Erzbistum München legt Vermögen offen: Vergleich ist schwierig

Das Problem: Die Zahlen, die längst noch nicht alle Bistümer vorgelegt haben, sind nicht vergleichbar. Sie stammen aus verschiedenen Jahren oder umfassen in unterschiedlichem Maße Körperschaften oder Stiftungen. Das Vermögen tausender Kirchengemeinden, eigenständiger Pfarrkirchen- und Pfründestiftungen oder Ordensgemeinschaften ist nicht erfasst. Wie reich „die“ katholische Kirche in Deutschland ist, lässt sich damit nicht einmal annähernd sagen.

Vom Erzbistum München und Freising kennt man jetzt zumindest die Bilanzsummen für die Erzdiözese selbst (3,3 Milliarden Euro), den Erzbischöflichen Stuhl (56,3 Millionen Euro) – der das „mit dem Amt des Erzbischofs verbundene Vermögen“ enthält –, der drei wichtigsten Stiftungen (1,9 Milliarden Euro) sowie der Pensionskasse für Priester (236,6 Millionen Euro).

Im Zuge der Umstellung auf eine zeitgemäße Buchführung seien „große Teile des Vermögens“ Stiftungen übertragen worden, hieß es bei der Vorstellung der Zahlen in München. Dieses Vermögen sei „dauerhaft“ an die jeweiligen Stiftungszwecke gebunden – es komme der Seelsorge oder katholischen Schulen zugute. Das Vermögen der Stiftungen sei einem „direkten Zugriff der Erzdiözese entzogen“.

Der Kirchenrechtler Stephan Haering von der Ludwig-Maximilians-Universität München sagte unserer Zeitung: Entscheidender als die Veröffentlichung der Vermögensverhältnisse sei eine sorgfältige innerkirchliche Finanzverwaltung, die über gute Kontrollmechanismen verfüge. „Es wird gewiss auch künftig da oder dort Versagen in der kirchlichen Finanzverwaltung geben, sei es aufgrund menschlicher Schwäche oder schlichtweg aufgrund von Schlamperei. Das kann in der Kirche genauso vorkommen wie andernorts.“

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