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Schule

27.01.2018

Löst das digitale "mbook" das klassische Schulbuch ab?

So wird heute an einigen Schulen gelernt: Schüler schreiben übers Tablet direkt ins "mbook".
Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Archiv)

Wissenschaftler haben ein Schulbuch entwickelt, das Kinder mit ihrem Smartphone nutzen. Ist das "mbook" die Zukunft der Schulen?

Sie mussten umständlich und mit viel Tesa in widerspenstiges Folienpapier eingebunden werden, waren manchmal ziemlich abgegriffen und am Ende des Schuljahrs wieder weg: Schulbücher, wie sie jeden von uns begleitet haben.

Auf das "mbook" trifft all das nicht zu. Das Werk für das Fach Geschichte ist das erste digitale Schulbuch, das mit dem renommierten Deutschen Schulbuchpreis ausgezeichnet wurde. Die Schüler nutzen es auf PCs oder Tablets, sehen interaktive Grafiken, können eigene Notizen ins Buch schreiben, Textstellen farbig markieren – und am Ende eines Schuljahres sieht das Buch bei jedem anders aus, obwohl alle dasselbe gelernt haben.

Doch noch sind digitale Schulbücher im Freistaat ein Nischenprodukt. Es gibt auch keine Zahlen dazu, wie viele Kinder und Jugendliche schon damit arbeiten. Denn jede Schule entscheidet selbst, welche zugelassenen Lernmittel sie nutzt.

Ehemalige Mitarbeiter der Universität Eichstätt-Ingolstadt entwickelten das "mbook"

Im Kultusministerium geht man aber davon aus, "dass sich die Verbreitung digitaler Schulbücher nun von Jahr zu Jahr deutlich erhöhen wird". Denn jetzt ist an allen Schularten der neue Lehrplan Plus eingeführt, sie müssen sowieso neue Bücher anschaffen. Der Umstieg auf digitale Ausgaben liegt nahe.

Das "mbook" hat eine Gruppe ehemaliger Mitarbeiter des Lehrstuhls für Geschichtsdidaktik der Universität Eichstätt-Ingolstadt entwickelt. Sie gründeten ihre eigene kleine Firma, die heute zum bekannten Cornelsen-Schulbuchverlag gehört. Florian Sochatzy ist deren Geschäftsführer.

Sein Team und er hätten "überlegt, was ein gutes Schulbuch können sollte", erinnert sich Sochatzy. Sie kamen zu dem Schluss, dass das Schulbuch der Zukunft sich nicht mehr "nur auf die Medien Text und Bild beschränken darf. Es muss Medienkompetenz vermitteln". Außerdem habe ein multimediales Buch "riesige Vorteile" in der Anschaulichkeit.

Er nennt als Beispiel den Schlieffenplan, ein besonders schweres Kapitel im Geschichtsunterricht. Im "mbook" gibt es keinen seitenlangen Text dazu, sondern ein etwa zweiminütiges Video. Der Schüler sieht eine virtuelle Landkarte von Europa zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Eine Pickelhaube symbolisiert das deutsche Heer.

Mehrere Tausend Schüler nutzen das "mbook"

Grüne Pfeile schlängeln sich durch das neutrale Belgien langsam Richtung Frankreich. Sie zeigen den Marschweg der Soldaten. Dazu erläutert eine Stimme, wie Generalfeldmarschall von Schlieffen die Franzosen aus dem Hinterhalt angreifen wollte.

Derzeit hat das "mbook" Sochatzy zufolge "mehrere tausend Nutzer", die meisten Schulen kaufen Klassenlizenzen für ein Jahr. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist das Buch in Bayern aber noch nicht geprüft und zugelassen. Das Lizenzverfahren ist aufwendig, die Kriterien streng – vor allem beim Datenschutz.

Zentral ist nach Angaben einer Sprecherin des Kultusministeriums die Frage, !welche Daten Schülerinnen und Schüler dem Verlag zur Verfügung stellen müssen, um Zugang zu einem digitalen Schulbuch zu erhalten". Braucht der Schüler dazu eine private E-Mail-Adresse, müssen die Eltern zustimmen. Nur wenn alle damit einverstanden sind, kann das Multimediabuch in einer Klasse genutzt werden.

Schüler können ihr eigenes Smartphone oder Tablet nutzen

Außerdem müssten die "Eingangsportale" zu den Büchern im Netz auf mögliche Werbung geprüft werden. PCs und Tablets zahlt der Sachaufwandsträger und leiht sie den Schülern – genauso wie gedruckte Bücher. Schulen können sich aber auch für das Konzept "Bring your own device" entscheiden, bei dem jeder Schüler sein privates Smartphone oder Tablet im Klassenzimmer nutzt.

Die Lehrerschaft ist noch gespalten – wie etwa kürzlich der Lehrermedientag unserer Redaktion zum Thema digitale Bildung zeigte. Die einen beklagen, dass die Kinder sich im Lesen, Schreiben, Rechnen und Merken immer schwerer tun, während überall nach dem richtigen Digitalisierungskonzept gesucht wird. Die anderen nutzen webbasierte Hilfsmittel schon jetzt begeistert als Ergänzung.

Bis sich digitale Büchersammlungen an bayerischen Schulen etablieren, muss sich nach der Meinung von "mbook"-Geschäftsführer Sochatzy noch viel tun. "Digital sehr gut ausgestattete Schulen sind noch die Minderheit", sagt er. Zudem hätten die wenigsten Lehrer gelernt, mit digitalen Medien zu arbeiten. Das soll sich ändern.

Zum laufenden Schuljahr startete an acht Schulen der Modellversuch "Digitale Schule 2020". Am Ende sollen Konzepte stehen, wie man Lehrer für die Arbeit mit digitalen Medien fit macht – und wie der Unterricht der Zukunft aussehen könnte.

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