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Trauer

30.11.2018

Nach Tod von Zweijähriger: Wie gehen Kitas mit dem Thema Sterben um?

Aus dem Alltag gerissen: Stirbt jemand aus dem Umfeld eines Kindes, müssen auch die Erzieher in der Kita damit umgehen.
Bild: Andrea Warnecke, dpa (Symbolbild)

Stirbt jemand aus dem Umfeld eines Kindes, stehen die Erzieher vor einer schwierigen Situation. Es gibt verschiedene Arten, das Thema aufzugreifen - und spezielle Hilfe.

Es ist ein tragisches Unglück, das Deutschland bewegt hat: Am Montag ist in einer Kindertagsstätte in Gütersloh ein zweijähriges Mädchen beim Essen erstickt. Zurück blieben verzweifelte Eltern, erschütterte Erzieher - und die Trauer. Obwohl solche Fälle in Kitas eher selten passieren, spielt das Thema Tod auch bei den Jüngsten eine Rolle. Wie geht man kindgerecht damit um?

"Das Thema ist präsent, manchmal sogar ganz nah, wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter oder ein Elternteil stirbt", sagt Margret Färber, Leiterin des Fachbereichs Pastoral in Kindertagesstätten im Bistum Augsburg. Sie ist unter anderem für die Trauerbegleitung in katholischen Kindertagesstätten zuständig, wo durch den Bezug zur Religion das Thema Sterben besonders sensibilisiert behandelt wird. Tritt ein unmittelbarer Todesfall ein, beispielsweise bei einem Kind oder einem Erzieher, können sich die Mitarbeiter an sie wenden. Sie unterstütze das Team dabei, berate zu nächsten Schritten und gebe Hilfestellung, wie die Erzieher Fragen am besten beantworten. "Da geht es zum Beispiel darum, wie sie die Eltern informieren", sagt Färber.

Die Situation sei je nach Einrichtung und Trauerfall komplett unterschiedlich. Sterbe jemand im Nahbereich der Kita, werde oft ein Gedenktisch eingerichtet, manchmal gebe es auch ein Pfarrgemeindemitglied als Ansprechpartner. Das Schwierige, sagt Färber, ist die Mehrfachrolle der Erzieher. Sie müssten nicht nur ihre eigene Trauer bewältigen, sondern auch für Eltern und Kinder da sein.

Stirbt jemand im Umfeld des Kindes, müssen die Kleinen im Auge behalten werden

Für den evangelischen Kita-Verband Bayern sei der Ansprechpartner die Notfallseelsorge in Schulen, die seit diesem Jahr auch für Kindertagesstätten zuständig ist, sagt Sigrid Schmidts vom Fachbereich des Verbands. Auch an das Religionspädagogische Zentrum in Heilsbronn könnten sich die Erzieher wenden. "Wichtig in solchen Fällen ist, die Kinder im Auge zu behalten", betont sie. Das laufe häufig über Sinneswahrnehmung und Körperkontakt: "Die Notfallseelsorger nehmen die Kinder auch einfach mal in den Arm."

Kinder gehen mit Trauer völlig anderes um als Erwachsene. Für sie ist die Endgültigkeit des Todes oft nicht klar.
Bild: Christian Charisius, dpa (Symbolbild)

Denn die Kleinen reagieren häufig ganz anders als Erwachsene auf den Tod, sagt Färber: "Sie haben gar keine Vorstellung von der Endgültigkeit". Sie gingen davon aus, dass der Verstorbene zurückkehrt und würden wütend, wenn das nicht der Fall sei. Außerdem seien sie oft verunsichert, weil sie nicht verstünden, "warum Eltern komisch reagieren". Die Kita diene als Raum, in dem sie ihre Trauer zeigen können, besonders dann, wenn der Todesfall in der Familie war. "Sie wollen ihre Eltern nicht noch trauriger machen", erklärt Färber das Verhalten. Manchmal zeigen Kinder auch gar keine Reaktion, wenn jemand aus ihrem Umfeld stirbt, fügt sie an: "Das Kind schaltet auf Autopilot, aber das ist ein Zeichen der Stärke, es geht so damit um." Trauer zeige sich dann manchmal erst Jahre später.

In solchen Fällen sollten Erzieher nichts erzwingen. "Aber sie sollten auf die feinen Signale achten", betont Färber. Das gelte zum Beispiel, wenn ein Kind am Muttertag eine Andeutung macht, dass die eigene Mama gar kein Geschenk bekommen könne. Dann sei es wichtig, darauf einzugehen: "Es braucht das Signal, dass das Kind mit den Erziehern darüber reden kann."

Auch Abschiede und Krankheiten können Trauer auslösen

Mit dem Thema Trauer müssen die Kitamitarbeiter nicht nur umgehen, wenn ein Kind oder ein Familienmitglied der Kleinen stirbt. "Das fängt schon an, wenn ein Kind auf ein totes Tier trifft, das kann schon Trauer auslösen", sagt Maria Magdalena Hellfritsch, Geschäftsführerin des Verbandes katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern. Auch andere Situationen als ein Todesfall können Trauer auslösen, erklärt sie: Erkrankt ein Familienmitglied oder Freund, oder verlässt ein Elternteil die Familie, mache das die Kleinen unter Umständen sehr traurig, sagt sie. Bereits ein Umzug, ergänzt Färber, könne Trauer auslösen. "Der Abschiedsaspekt muss in solchen Momenten benannt werden", sagt sie.

In Kitas gebe es für solche Fälle gute Rituale. Zum Beispiel greifen viele Einrichtungen die Themen im Morgenkreis auf oder geben den Kindern Übergangsgeschenke mit. "Abschiede wie diese sind schön und traurig", erläutert Färber. Um gut mit Trauer umzugehen, haben sowohl der katholische als auch der evangelische Kitaverband einen Leitfaden, auf den Erzieher in solchen Situationen zugreifen können. "Darin stehen zum Beispiel Ansprechpartner, Mutmach-Geschichten und Informationen, wie Mitarbeiter die Trauerarbeit bei Kindern gestalten können", sagt Schmidts.

Außerdem gebe es Schulungen und Fortbildungen für Erzieher, klärt sie auf. Viele davon seien freiwillig, doch wie der Umgang mit Trauer in den Einrichtungen sein soll, sei konzeptionell verankert. Wichtig sei zu wissen, dass es dauert, bis der Tod auch in der Kita verarbeitet ist.

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