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Interview

09.08.2019

Prälat appelliert an Bistum Augsburg: "Bitte nicht einander ausgrenzen"

„Unsere Diözese ist so groß, dass es keine Monokultur geben muss“: Prälat Bertram Meier ist derzeit Augsburger Diözesanadministrator.
Bild: Ulrich Wagner

Bertram Meier leitet vorübergehend das Bistum Augsburg. Dort wird gestritten. Sogar den rechten Glauben spricht man sich ab. Meier aber sieht ein gemeinsames Ziel.

Seit dem Rücktritt des Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa leiten Sie die Diözese, bis ein neuer Bischof sein Amt antritt. Wie fühlt es sich an, wenn in jeder heiligen Messe im Bistum jetzt namentlich für Sie gebetet wird?

Bertram Meier: Ich bin gerührt darüber, denn es geht nicht nur um die Nennung des Namens. Es steht auch ein geistliches Anliegen dahinter. Ich fühle mich gestärkt, denn das Gebet ist ein ganz wichtiger Rückenwind für meinen Dienst in der Diözese.

Wie lange wird voraussichtlich Ihr Dienst benötigt werden – ein halbes Jahr, ein dreiviertel Jahr?

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Meier: Das hängt nicht an uns in Augsburg. Es hängt davon ab, wie rasch der Papst seine Entscheidung treffen wird. Da gibt es verschiedene Protagonisten: das Augsburger Domkapitel, die Bischöfe der Freisinger Bischofskonferenz, den Vorsitzenden der Freisinger und der Deutschen Bischofskonferenz. Auch sonst werden dafür von der Nuntiatur verschiedene Menschen gehört. Es ist noch völlig offen, wann wir einen neuen Bischof haben werden.

Sind Sie als Diözesanadministrator in den Prozess einbezogen?

Meier: Als Administrator habe ich auch die Möglichkeit, durch meine Mitgliedschaften etwa im Domkapitel ein Votum abzugeben.

Sie heben in Ihrem Grußwort stark auf das Miteinander ab. Sehen Sie diesbezüglich konkrete Defizite im Bistum?

Meier: In der großen Mehrheit derer, die die Diözese mitgestalten, sind wir vom Anliegen durchdrungen, das Bistum geistlich zu erneuern. Ende des 18. Jahrhunderts gibt es eine Parallele zur heutigen Zeit: Sehr viele Menschen damals waren beseelt davon, die Kirche geistlich zu erneuern. Aber es gab zwei große Strömungen: auf der einen Seite einen Reformkatholizismus ganz stark auf der Bibel und den Kirchenvätern aufbauend und auf der anderen Seite eine Strömung, die als Restauration in die Kirchengeschichte eingegangen ist. Im Ziel waren sich beide einig, aber nicht in den Methoden.

Wenn Sie sagen, das Miteinander sei „ausbaufähig“, was meinen Sie damit? Was sollte ausgebaut werden?

Meier: Uns verbindet heute alle der Wunsch: Wie können wir das Evangelium unter die Leute bringen? Aber die Methoden sind unterschiedlich. Das gemeinsame Ziel wahrzunehmen und die unterschiedlichen Methoden zu akzeptieren, das meine ich mit dem größeren Miteinander. Einander nicht ausgrenzen, geschweige einander den richtigen Glauben absprechen.

Wo erleben Sie in der Diözese ein Nebeneinander und ein Gegeneinander?

Meier: Wenn die eine Hand nicht weiß, was die andere tut. Wir reden oft von Bündelung der Kräfte, aber haben dann oft Doppel- und Dreifachstrukturen. Hier könnte aus einem Nebeneinander stärker ein Miteinander werden. Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten, den Glauben weiterzugeben. Das ist alles sehr gut. Aber wir sollten nicht schauen: Wer hat die besten Ideen? Sondern sollten gemeinsam sagen können: Es geht uns um Jesus Christus und sein Evangelium. Das wollen wir fördern. Welche Wege eingeschlagen werden, ist eine sekundäre Frage. Unsere Diözese ist so groß, dass es keine Monokultur geben muss. Monokulturen sind langweilig.

War es hilfreich, dass sich gleich nach Eintritt der Sedisvakanz der Initiativkreis Bistumsreform und bald darauf die Priesterinitiative mit Vorstellungen über den zukünftigen Bischof zu Wort gemeldet haben?

Meier: Beide Initiativen waren so fair, dass sie mich vorab von ihren Stellungnahmen in Kenntnis gesetzt haben. So wurde ich nicht überrascht und konnte diese Wortmeldungen in den Gremien besprechen. Sie waren insofern hilfreich, dass sich verschiedene Gruppen in der Diözese ernsthaft Gedanken machen über die Person und die Aufgabe des künftigen Bischofs.

Sie haben vorgeschlagen, die Zeit der Sedisvakanz dazu zu nutzen, „in uns zu gehen und innerlich still zu werden“. Wollen Sie damit den Stillstand beschwören?

Meier: Stille zu werden hat nichts mit Stillstand zu tun. Im Gegenteil: Stille bewegt! Mir schwebt vor, dass wir in uns gehen und uns über das Wesentliche des Evangeliums bewusst werden. Aus dieser Mitte heraus können wir dann alle zur geistlichen Erneuerung unseres Bistums beitragen. Wir sollten in der Zeit der Sedisvakanz kein Feuerwerk von Events abbrennen, sondern uns auf das innere Wachstum konzentrieren.

Sie appellieren an die Freude am Glauben. Ist sie noch steigerungsfähig?

Meier: Freude kann man nicht verordnen. Aber in der Besinnung auf unsere geistliche Mitte kann sie durchaus stärker werden. Der heilige Augustinus sagt: Nur ein Herz, das vor Liebe brennt, kann andere Menschen in der Liebe entflammen.

Sie sind in verschiedenen hohen Funktionen im Bistum tätig und schaffen einiges weg. Das erfordert sicher eine hohe Disziplin. Wie sieht Ihr Tag aus?

Meier: Mir ist es wichtig, einen festen Altar zu haben. Jeden Morgen um sieben Uhr feiere ich mit den Schwestern von Maria Stern die Messe. Und abends gehe ich nicht ohne einen geistlichen Tagesabschluss zu Bett. So schlafe ich auch gut. Ebenso wichtig ist für mich, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben. Das fängt in meinem Haushalt an und setzt sich im Seelsorgeamt fort. Auf sie kann ich mich verlassen. Als ich zum Diözesanadministrator gewählt wurde, haben sie sofort gefragt: „Können wir Ihnen noch etwas abnehmen?“

War es bitter, den Dienst als Diözesanadministrator damit zu beginnen, einen Priester zu verlieren, weil er den Zölibat nicht mehr leben kann?

Meier: Ja, sehr. Wir kennen uns seit dem Studium. Ich schätze Pfarrer Anton Zech, er hat 34 Jahre lang hervorragende seelsorgerliche Arbeit geleistet. Ich respektiere, dass er nun glaubt, einen neuen Weg einschlagen zu müssen. Wir werden ihn bei seinem Neustart unterstützen.

Der Zölibat wird derzeit stark diskutiert. Sollte sich etwas ändern?

Meier: Der Zölibat ist eine segensreiche Lebensform. Niemand weiß natürlich, welchen Personen er im Laufe seines Lebens begegnet, und welche schicksalhaften Ereignisse eintreten. Deshalb muss auch die priesterliche Lebensform im Laufe der Jahre reifen und sich bewähren. Ich würde den Zölibat nicht prinzipiell infrage stellen. Aber wir sollten uns überlegen, wie wir Priester, die ihr Amt niederlegen, etwa bei einem Neuanfang im sozial-caritativen Bereich zur Seite stehen können.

Diözesanadministrator ist ein ziemlich sperriger Titel. Geht’s auch etwas kürzer und einfacher, die Funktion zu benennen? Eine Art Spitzname?

Einen Ministranten habe ich gefragt, wie lange er gebraucht hat, den Titel auszusprechen. „Zehn Minuten schon“, meinte er. Meier: Man kann auch nur Administrator oder Verwalter sagen, dann passt’s auch.

Lesen Sie dazu auch: Wie modern darf der neue Bischof sein? Gläubige sind sich uneinig

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