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Verkehr

18.09.2020

Radfahrer demonstrieren am Wochenende für mehr Sicherheit

Hat Augsburg das Potenzial zur Fahrradstadt?
Bild: Klaus Reiner Krieger

Am Wochenende demonstrieren Familien mit Kindern in 95 Städten in Deutschland für sicherere Radwege. Unter anderem in Augsburg.

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass Entscheidungen in der Verkehrspolitik manchmal schnell und unbürokratisch getroffen werden können. In vielen bayerischen Städten wie München und Nürnberg wurden beispielsweise sogenannte Pup-up-Radwege eingerichtet – gelb markierte, zusätzliche Fahrradspuren. Auch in Schwaben gibt es einen, er befindet sich in Stadtbergen im Kreis Augsburg. Damit sich aber nicht nur coronabedingt auf den bayerischen Straßen etwas ändert, sondern weiterhin der Radverkehr gestärkt wird, gehen Aktivisten am Wochenende auf die Straße.

Bei einer Protest-Aktion radeln am Wochenende in über 90 Städten in Deutschland Eltern mit ihren Kindern für einen besseren Radverkehr.
Bild: Frank Rumpenhorst, dpa (Symbolfoto)

Die Aktion heißt „Kidical Mass – Platz da für die nächste Generation“, an der vor allem viele Familien teilnehmen wollen. Am Samstag und Sonntag möchten sie in 95 Städten in ganz Deutschland Schleifen mit dem Rad fahren und damit auf ihre Forderung aufmerksam machen, dass „sich Kinder sicher und selbstständig mit dem Fahrrad in Städten bewegen können“. In Schwaben finden Veranstaltungen in Augsburg, Memmingen und Marktoberdorf statt.

Keine kritische Masse in Memmingen? Nun passiert etwas

Urs Keil, 41 Jahre alt, macht am Samstag in Memmingen von 14.30 Uhr an mit seinen beiden Kindern mit, am Marktplatz werden am Wochenende einige Hundert Teilnehmer erwartet. Der Familienvater ist Leiter des Tiefbauamts der Stadt und seit 2015 Radverkehrsbeauftragter. Streng genommen richten sich die Forderungen der Demonstrationen auch an ihn, als Mitarbeiter der Stadt. Er sagt: „Die Radwege in Memmingen sind meist in einem guten Zustand.“

Er steht mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), einer der Veranstalter der Demonstration, in Kontakt und findet die Aktion gut. „Es wurde in Memmingen immer wieder bemängelt, dass es keine kritische Masse jüngerer Menschen gibt. Nun passiert etwas.“ Als Kritik an der städtischen Verkehrspolitik will Keil die Aktion nicht sehen. „Sie ist eher ein Hinweis, dass wir bei den Planungen der Infrastruktur an die junge Generation denken“, sagt er.

Der Anteil des Radverkehrs in Memmingen liege zwischen 25 und 30 Prozent, was Keil als vergleichsweise hoch einschätzt. Dennoch gebe es den ein oder anderen Radweg, der anders ausgeschildert werden muss. Dass sich Fußgänger und Radfahrer einen Streifen teilen, sei nicht mehr zeitgemäß. Die Konkurrenz unter den Verkehrsmitteln auf den Straßen und Wegen sei da. „Der Platz ist begrenzt“, sagt Keil.

Augsburg will Fahrradstadt werden

Eine weitere Stadt in Schwaben, die mehr für den Radverkehr tun will und den Titel Fahrradstadt verliehen bekommen möchte, ist Augsburg. Bei den „Kidical Mass“-Protesten starten Eltern und Kinder am Sonntag um 14 Uhr vom Königsplatz aus. In Augsburg läuft – unter anderem angetrieben vom ADFC – ein Bürgerbegehren namens „Fahrradstadt jetzt“.

Einer der Aktivisten ist Arne Schäffler, 58, der sich seitens des ADFC für das Bürgerbegehren einsetzt. Er sagt: Die „Kidical Mass“-Demonstration am Sonntag habe einen besonderen Fokus und unterstütze die Anliegen des Radbegehrens. „Wir wollen, dass sich Kinder selbstständig in der Stadt bewegen können, ohne Angst zu haben. Städtische Radwege müssen sicher gestaltet werden.“ Gerade junge Menschen würden davon profitieren, wenn sie viel mit dem Fahrrad fahren.

Radverkehr in Augsburg: Längere Ampelzeiten und mehr Stellplätze

Für einen besseren Radverkehr ist nach den Worten Schäfflers wichtig, dass es längere Ampelzeiten und mehr Stellplätze gibt. Besonders rundum und in der Augsburger Innenstadt seien zu wenige Abstellmöglichkeiten für Fahrräder vorhanden. Auf einen Auto-Stellplatz passten zum Beispiel bis zu 40 Räder, sagt Schäffler.

Das Augsburger Bürgerbegehren hat fast alle Unterschriften zusammen, 14000 sind nötig. Eine Kernforderung ist, dass die Stadt durchgängige Radwege schafft. „Besonders Frauen und Kinder haben Angst, wenn der Fahrrad-Streifen plötzlich aufhört“, sagt Schäffler. Außerdem sollen Radfahrer an Ampeln Flächen erhalten, um sich aufzustellen.

Damit sich eine Stadt Fahrradstadt nennen könne, müsse sie über eine durchgehende Radwege-Führung verfügen, sagt Arne Schäffler. Der Anteil derjenigen, die mit dem Rad fahren, dürfe nicht ausschlaggebend sein. „Es geht um die Qualität der Radwege“, sagt Schäffler.

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Die Diskussion ist geschlossen.

21.09.2020

Die Radlerschreier sollten sich doch erstmal die Verkehrsregeln, welche auch für Radler gelten aneignen. Da wird einem als Radler immer wieder vorgeführt wies nicht geht. Das man damit mit den Autos in Schwierigkeiten kommt, ist doch zwangsläufig.

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21.09.2020

Es findet primär ein unproduktiver Streit statt, der hinsichtlich der Platzverteilung auf Hauptstraßen geführt wird.

Wir brauchen 99% Radfreundlichkeit auf Nebenstraßen, eine gute Netzwirkung dieser Nebenstraßen, sichere und bequeme Querungen des Hauptstraßennetzes sowie im 2. Schritt punktuelle Baumaßnahmen in diesem Radnetz wo sich Problemstellen zeigen.

Autogegner haut ab aus der Diskussion um Radwege!

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21.09.2020

Dieses Grundkonzept bietet auch die Antwort auf die immer zahlreicheren E-Bikes!

Viele auf Hauptstraßen reingedrückte Radwege taugen meist nicht für 20 bis 25 Km/h, bringen aber ernsthaften Radfahrern durch das Benutzungsgebot das Recht auf der Straße zu fahren.

Aktueller Irrsinn aus der dumm-grün-schwarz regierten Stadt - man zwingt die Radfahrer in der Prinzregentenstraße auf den Radweg durch die ca. 200 Meter lange Ersatz-Bushaltestelle am Hauptbahnhof.

Irgendwie kein Platz da - verhindert aber nicht, dass man unter den Bahnhofsplatz ein viele Millionen teures Abzweigebauwerk für eine unterirdische Führung der Tram aus dem Bahnhofstunnel hinein in die Prinzregentenstraße eingebaut hat. Wer da heute nicht mal vernünftige Radwege realisiert, wird morgen erst recht keine Tunnelrampe der Tram bauen.

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19.09.2020

Es geht doch darum Autofahrer zum Radfahren zu animieren. Zumindest für Kurzstrecken ist es sinnvoll. Schauen sie nach Dänemark oder Holland, dort ist der Anteil von Radfahrer höher als der Anteil von Autofahrer. Es ist doch ganz logisch, erst braucht es sichere Fahrspuren damit überhaupt mehr Leute zum Fahrrad greifen.
Wenn allerdings so kalkuliert wird, dass bei 10 % Radfahrer auch nur 10 % des verfügbaren Platzes für Radfahrer ausreichen soll, wird es ziemlich absurd. Dann wird nur noch mit dem Fahrrad gefahren, wenn man sich kein Auto leisten kann.

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19.09.2020

Wer spricht eigentlich über die Sicherheit vor Radlern ?
Ich kenne an meinem Wohnort keinen Gehweg, auf dem nicht Radler unterwegs sind.
Fussgaenger sind da nur hinderlich.

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19.09.2020

Leider ist der Politik (und den Medien) zur Zeit nur die Sicherheit von Fahrradfahrern wichtig, weil die alle Verkehrstechnischen Probleme lösen werden.

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20.09.2020

Das ist natürlich ärgerlich. Fahrräder gehören auf die Straße - und dort muss ihnen endlich Platz geschaffe werden. Znd zwar explizit auf Kosten der Autos, sonst verändert sich nicht genug.

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21.09.2020

@Esther L: Die Menge an Menschen die Unterwegs sind wächst ständig. Da hilft es nicht, den Platz, der nicht mehr ausreicht anders zu verteilen.
Letztes Jahr gab es eine Debatte den Park&Ride Parkplatz West (bin nicht mehr 100% sicher) zu vergrößern bzw. ein Parkdeck zu bauen, da dieser sehr gut genutzt wird und daher ständig voll ist. Warum wird dann nicht bei solch einfachen Maßnahmen angefangen?

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19.09.2020

Wo aber Platz ist, und man sich trotzdem nicht sicher fühlt, könnte man zB schon durch Fahrrad- (und Fußgänger-) freundlichere Ampelschaltungen für mehr Sicherheit sorgen, zB an der Aldi Kreuzung an der Ackermann Straße, und auch bei der folgenden Querung Höhe Albaretto. An den beiden Ampeln kommt man oft nicht mal in einem Zug über die Straße, weil der Kfz Verkehr (mit 60 km/h) absolut bevorzugt wird und die Fußgängerampeln nicht synchron grün werden (und obwohl dort auch eine Bushaltestelle ist, von der man zu Aldi und co gehen kann, und das Albaretto sowie Kindergärten auf der anderen Seite erreicht werden sollen)

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21.09.2020

Das ist so eine Stelle, die der Radverkehr eigentlich gar nicht braucht, wenn man die Brücke über die B17 (Hooverstraße) für KFZ sperren würde und dort eine zentrale Radachse aus Westen etablieren würde.

Hier ist aber der kurze Weg jedes Elterntaxis wichtiger als der Beginn einer echten Fahrradstadt.

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19.09.2020

Bei diesem Thema fällt Augsburg sein alter auf die Füße. Wo kaum, oder fast kein Platz ist, kann auch nicht einfach so was geschaffen werden.
Den Platz nur Umzuverteilen ist aber auch keine Lösung.

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19.09.2020

Aber genau das ist in den letzten Jahrzehnten einseitig für die Autofahrer passiert!

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19.09.2020

wenn halt nur 10% des Verkehrs per Fahrrad läuft, kann s halt auch nur 10 % vom Platz geben .......

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19.09.2020

Einseitig für den Autofahrer? Straßen für Fahrradschutzstreifen einzuengen, 4-spurige Straßen zu 2-Spurigen zu machen um eine Straßenbahn zu bauen, das soll für den Autofahrer passiert sein?

Diese Straßen wurden fürs Auto gebaut. Und die selben Straßen werden nicht nur vom Autofahrern die ja zum Großteil auch nur in ihre Arbeit wollen, sondern auch von sämtlichen Dienstleistern benutzt, die auch ihnen ihre Pakete bringen, die Lebensmittel zum Supermarkt o.ä. bringen, oder ihre Ersatzreifen fürs Fahrrad, wenn sie mal verschlissen sind.

Das man damals nicht gleich noch die Rad und Fußwege entsprechend ausgebaut hat war zwar kurzsichtig, aber seit wann wird in Deutschland die Infrastruktur überdimensioniert?

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21.09.2020

@Andreas T.
Wo wird die Straße für Autofahrer durch Fahrradschutzstreifen eingeengt? Wissen Sie was der Schutzstreifen bedeutet? Kennen Sie den Sicherheitsabstand beim Überholen?
Der einzige wirkliche Vorteil des Schutzstreifen ist, dass dort keine Autos halten und parken dürfen. Der Sicherheitsabstand muss immer, mit oder ohne Schutzstreifen, eingehalten werden.
Straßen wurden nicht für die Autos gebaut. Sie wurden für alle Verkehrsteilnehmer gebaut. Mehr Spuren bedeutet übrigens auch in der Zukunft mehr Verkehr.
Gerade weil Lieferverkehr durch muss, gehören Pendler möglichst runter von der Straße. In den ÖPNV oder aufs Rad.

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21.09.2020

@Harald V: Ja, ich kenne den Sicherheitsabstand beim Überholen und ich halte mich so gut es irgendwie möglich ist daran.

Sagen sie mir aber mal einen Grund, warum ich als Pendler mit den Öffis fahren sollte? Sie sind teurer und langsamer.
Wie wäre es, wenn die ganzen Stadtbewohner mal aufs Auto verzichten? Ca. die hälfte der Auto's die in Augsburg unterwegs sind, haben ein Stadtkennzeichen.

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21.09.2020

@Andreas T.
Dann wissen sie auch, dass die Fahrradschutzstreifen keine Fahrfläche der Autos wegnehmen. Maximal Parkfläche belegen.

Es gibt auch viele Stadtbewohner die innerhalb Augsburg mit dem Auto pendeln. Insbesondere für die gehört der ÖPNV besser ausgebaut. Und gerade die können oft auch aufs Rad umsteigen, soweit körperlich möglich. Viele wären dann sogar schneller daheim. Aber auch so Schnellverbindungen von größeren Orten in den Landkreisen in die Stadt wären gut. Wenn jemand schon fast eine Stunde im Bus sitz bis er in Augsburg dann eventuell erst noch umsteigen muss, nur weil jedes Kaff angefahren wird, den wird man nicht zum Umsteigen überreden können.
Bei den Pendlern kann man am meisten einsparen.
Wieso sollten die Städtler auf Autos verzichten müssen. Wie sollen die Ihre Einkäufe besorgen? Wie wollen sie die einmal transportieren und vorallem sind die meisten Discounter und Co. eher auf die grüne Wiese raus.
Viel größere P+R-Plätze am Stadtrand bzw. an Bahnhöfen im Umland oder gar P+R-Parkhäuser. Eine Citymaut wäre durchaus eine überlegenswerte Idee. Und mit den Einnahmen könnte der ÖPNV und die P+R-Plätze ausgebaut werden. Und ja. Dann hängt es vom Geldbeutel ab. Aber hängt beispielsweise der persönliche Urlaub nicht u.a. vom Geldbeutel ab? Oder die Nutzung der 1. oder 2. Klasse?
Die Städte und Infrastrukturen ersticken am Verkehr. Die täglichen Staus sagen genügend aus. Und nur immer mehr Spuren bauen löst es nicht. Es gibt Untersuchungen, dass der Bau einer zusätzlichen Spur nur gut 3 Monate Entlastung bringt. Danach ist es wie davor. Ja mehr Spuren umso mehr Verkehr zieht es an. Wie soll man die Infrastruktur für den motorisierten Individualverkehr richtig dimensonieren? Beispielsweise hat sich der PKW-Verkehr auf der B2 in wenigen Monaten verdoppelt.

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21.09.2020

"Wieso sollten die Städtler auf Autos verzichten müssen."

Weil man in der Stadt keines braucht. Steht nur im Weg rum und kostet unnötig Geld. Wir haben seit 2011 keines mehr und haben die Abschaffung kein einziges Mal bereut.

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21.09.2020

Man sollte schon evidenzbasiert diskutieren...

https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Die-Zahl-der-Autos-und-die-Stau-Wahrscheinlichkeit-in-Augsburg-steigen-id57581216.html

>> Eine Verkehrswende scheint, wenn man die Zahl der zugelassenen Autos betrachtet, in Augsburg aktuell kaum absehbar: Zum 1. Januar 2020 waren laut jetzt veröffentlichten Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes in Augsburg 138.396 Pkw zugelassen – über 2000 Stück mehr als Anfang 2019. Damit kamen zum Jahresanfang 469 Autos (ohne Nutzfahrzeuge) auf 1000 Bewohner. Die Auto-Dichte in Augsburg stagniert seit einigen Jahren weitgehend, weil auch die Zahl der Bewohner wächst, nachdem in der Vergangenheit eine stete Steigerung zu beobachten war. Im Vergleich zum Vorjahr ist allerdings nun auch eine leichte Steigerung bei der Zahl der Autos im Verhältnis zu den Einwohnern zu erkennen. <<

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