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Mobilität

25.07.2020

Die Renaissance des Rads: Wie soll die Zukunft für Fahrradfahrer aussehen?

In Städten bekommen Autos den meisten Platz. Doch jetzt fordern auch Fahrradfahrer ihren Anteil.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Eine Folge der Corona-Pandemie: Mehr Menschen steigen aufs Fahrrad. Manche Städte geben Radlern deshalb mehr Platz. Sollten das nicht alle tun?

Das Fahrrad erlebt durch die Corona-Pandemie eine Hochphase. Weil ein Teil der Bevölkerung auf Bus und Bahn verzichtet oder zu Hause arbeitet, radeln in vielen Städten mehr Menschen als je zuvor. Auch die Nachfrage nach Rädern ist gestiegen. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes, kurz ZVI, war der Mai ein Rekordmonat. Manche Städte wie München reagierten schnell auf dieses gestiegene Interesse: In der bayerischen Landeshauptstadt wurden sogenannte Pop-up-Radwege eingeführt: Die Stadt verkleinerte die meist deutlich leereren Autospuren, um Radfahrern mehr Platz zu geben.

Mehr Platz für Fahrräder, weniger Raum für Autos – ist das ein Modell für die Zukunft? Haben Fahrräder – im übertragenen Sinne – bald Vorfahrt in den Innenstädten? Die Deutschen sind gespaltener Meinung, ob sie diese Vision für richtig oder falsch halten. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion. Während 42 Prozent der Befragten den Vorschlag für richtig halten, sind 44,1 Prozent dagegem. Der Rest (13,9 Prozent) ist in der Frage unentschieden.

Die Renaissance des Rads: Wie soll die Zukunft für Fahrradfahrer aussehen?

Auffällig ist, dass die Idee in Städten deutlich mehr Zustimmung findet, als in ländlichen Regionen. Je höher die Bevölkerungsdichte, desto eher befürworten die Umfrageteilnehmer den Vorschlag, in Innenstädten mehr Platz für Radfahrer zu schaffen. In Regionen mit sehr niedriger beziehungsweise niedriger Bevölkerungsdichte findet jeweils nur rund jeder Dritte die Idee richtig, rund die Hälfte lehnt den Vorschlag ab. In Gegenden, in denen die Populationsdichte sehr hoch ist, ist dieses Verhältnis nahezu umgekehrt.

Die Zahlen zeigen schon: Das Land ist gespalten.

Städteplanung konzentriert sich auf Autos

Etwa in den 50er Jahren gab es in der Stadtplanung ein Umdenken: Die Lebensbereiche Arbeit, Wohnen und Freizeit wurden voneinander getrennt. Um von einem Bereich in den anderen zu gelangen, entstanden große Schneisen, „die bequem mit dem Auto zu durchqueren waren“, sagt Tanja Terruli. Sie leitet für den ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD) das Projekt „Straßen für Menschen“, das sich etwa damit befasst, wie gerecht der Platz in der Stadt zwischen Fußgängern, Autofahrern und Radlern verteilt ist. Seit den 50er Jahren werden Städte so entworfen, dass Autos möglichst schnell hindurchkommen. Die Folge: Autos nehmen den meisten Platz ein.

Terruli macht das am Beispiel Berlins deutlich: Etwa ein Drittel der Wege werden dort mit dem Auto zurückgelegt. Doch Straßen und Parkplätze nehmen 58 Prozent der Fläche ein. Zum Vergleich: „13 Prozent der Wege werden in Berlin mit dem Fahrrad zurückgelegt. Jedoch hat das Fahrrad nur drei Prozent Anteil an den Verkehrsflächen“, sagt sie.

ADAC: Verkehrsteilnehmer beklagen fehlende Rücksicht

Das führt zu einem Wettstreit um die verfügbare Fläche, den auch der ADAC festgestellt hat. In einer Umfrage, die der Automobilclub im Frühjahr veröffentlicht hat, gaben 80 Prozent der Teilnehmer an, dass im Verkehr nicht auf andere Rücksicht genommen werde. Das Interessante: Jeder sieht die Schuld beim anderen. Fahrradfahrer schimpfen über Fußgänger und Autofahrer, diese regen sich über Radler auf.

Was also tun? „Damit sich alle Verkehrsteilnehmer sicher fühlen, braucht es mehr, breitere und komfortablere Verkehrswege für Fußgänger und Radfahrer. Dafür muss der motorisierte Individualverkehr weichen“, sagt Terruli. Und ihre Chefin Carolin Ritter, Bundesgeschäftsführerin des VCD, fügt an: „Die Menschen dürfen aber nicht das Gefühl haben, dass man ihnen etwas wegnimmt. Stattdessen muss man ihnen klar machen, was sie gewinnen.“ Sie meint: Wenn auf den Straßen weniger Autos unterwegs sind und parken, ist mehr Platz für anderen Dinge, etwa zum Spielen oder zum draußen Sitzen.

Doch das umzusetzen ist gar nicht so leicht, denn auch das Verkehrsrecht – auf dem die Stadtplanung fußt – bevorzuge Autos, sagt Ritter. „Das wird noch ein paar Jahre dauern. Aber gerade merken wir, dass die richtige Stimmung dafür da ist.“

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Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

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26.07.2020

Die Leute haben nicht ein Gefühl "das ihnen etwas weggenommen wird" sondern merken die billigen Verteilversuche und das ihnen da nichts gegeben aber nur neuer Streit geschaffen wird.
Wir kontrollieren alle die einen Befähigungsnachweis brauchen, oder? Egal ob zwei , drei oder vier oder mehr Räder. Vielleicht würde es beim Radeln auch besser wenn kontrolliert würde? Also so richtig, nicht nur ein bissserl hier und da.

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25.07.2020

@Peter P.
Aber eine Zerstörung durch Autofahrer geht in Ordnung oder?

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25.07.2020

Die Infrastruktur verträgt keinen Zuwachs mehr an großen Fahrzeugen.
Da sich alle Verkehrsteilnehmer nicht an die Regeln in dieser Ellbogengesellschaft halten, ist es teilweise schon kriegerisch auf den Straßen. Schaut nach Kopenhagen oder Hollland. Oder auch Ostfriesland. Wenn ich immer nach Norddeutschland fahre, ist es dort ein Riesenunterschied. In Bayern sind die Autofahrer am aggressivsten.

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25.07.2020

Ganz einfach. Reduzierung des Parkplatzangebotes und Ausbau der Radwege auf Kosten des Autoverkehrs. Einkaufen in der Stadt nur noch gezielt für ausgesuchte Waren (Spezialgeschäfte). Ansonsten Einkauf am Rand der Stadt oder Bestellung übers Internet. In München lehnen Handwerker bereits Aufträge in der Innenstadt ab wegen mangelnden Entlademöglichkeiten. Spielen und auf der Strasse sitzen sind keine Alternativen.

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25.07.2020

Ich fühle mich als Fußgänger durch rücksichtslose Radfahrer in der Augsburger Innenstadt sehr unsicher. Radfahrer missachten Fußgängerampeln, fahren auf Bürgersteigen, fahren in Einbahnstrassen in die verbotene Richtung auf dem Bürgersteig und haben oft eine unangemessene Geschwindigkeit. Radfahrer werden für ihr Fehlverhalten in Augsburg selten bestraft. Ich möchte nicht eine Ausweitung dieser chaotischen Verhältnisse in der Innenstadt. Der Fußgänger sollte absolut Vorrang haben. Eine Zerstörung der Innenstadt durch Fahrradfahrer muß verhindert werden.

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25.07.2020

Zu Peter P.: Ja, es gibt rücksichtslosen Radfahrer und Radfahrer haben in der Fußgängerzone nichts verloren.
Aber Sie tun so, als ging es um die Verteilung zwischen Radfahrer und Fußgänger. Nein. Es geht um die Neuverteilung zwischen Radfahrer und Autofahrer.
Und warum ist es für Sie anscheinend in Ordnung wenn fast alle Autofahrer so mit 50 km/h durch Tempo 30 Zonen fahren, auf Geh- und Radwegen parken und und und...

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