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Jubiläum

29.06.2017

Synagoge ist „ein Glück für uns alle“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach gestern Abend beim offiziellen Jubiläums-Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Augsburger Synagoge, begleitet von seiner Frau Elke Büdenbender. Unter den Ehrengästen und Rednern war auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer.
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach gestern Abend beim offiziellen Jubiläums-Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Augsburger Synagoge, begleitet von seiner Frau Elke Büdenbender. Unter den Ehrengästen und Rednern war auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer.

Im 100 Jahre alten Augsburger Tempel bekräftigt Bundespräsident Steinmeier: Nur wenn Juden in Deutschland vollkommen zu Hause sind, ist die Bundesrepublik bei sich

Wie vor 100 Jahren bei der Einweihung der großen Synagoge, als jüdische Augsburger geachtete Stadtbürger waren – und nicht wie ab dem Schicksalsjahr 1933 Gedemütigte, Entrechtete und Verfolgte –, sollte es bei der Jubiläumsfeier am gestrigen Abend wieder geschehen. Damals über übergab der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde dem Oberbürgermeister den Schlüssel der Synagoge, der diesen weiterreichte an den Rabbiner.

„Diese Synagoge ist nicht nur ein besonderes Baudenkmal. Sie ist bauliches Gedächtnis der Stadt, Ort des Mahnens, Ort der Aussöhnung und Verständigung, gebaute Gestalt der Friedensstadt Augsburg“, schickte OB Kurt Gribl der Schlüsselübergabe voraus, diesmal vorgenommen von zwei jungen Mitgliedern der Gemeinde. Die symbolträchtige Zeremonie verfolgten auch 99 Nachfahren verfolgter jüdischer Familien. Ihre Kinder, Enkel und Urenkel drückten mit ihrem Besuch in Augsburg aus: Mit jüdischer Geschichte in Deutschland geht es trotz der mörderischen Schoah weiter.

Und bei aller Sorge um wieder anwachsenden Antisemitismus im Land („Er zerstört Heimat für uns alle“) bekräftigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei dem Festakt: „Nur wenn Juden in Deutschland vollkommen zu Hause sind, ist diese Bundesrepublik vollkommen bei sich.“ Dass die Augsburger Synagoge („Sie war und ist eine der schönsten Deutschlands“) übers Dritte Reich hinaus erhalten geblieben ist, sei „ein Glück für die Gemeinde, für die Stadt und für uns alle“, sagte Steinmeier. In die Freude mische sich immer auch Trauer über den Verlust, das Entsetzen über Hass und Zerstörung und der Schmerz über das Unwiederbringliche. Der Bundespräsident bedauerte: „Von den vielen sichtbaren Zeichen deutsch-jüdischen Selbstbewusstseins sind oft nur Spuren geblieben.“ Er machte klar: „Wir wollen dieses starke selbstbewusste, orthodoxe wie liberale jüdische Leben in Deutschland. Es ein weiteres Mal preiszugeben, ist undenkbar.“

Neben Steinmeier nahmen auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman sowie der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, teil. Seehofer sagte: „Jeder muss wissen: Wer unsere jüdischen Mitbürger bedroht, der bedroht unsere Demokratie, der bedroht uns alle. Unsere jüdischen Mitbürger sollen sich im Freistaat sicher und geborgen fühlen. Ich darf Ihnen versichern: Sie sind ein starker Stamm in Bayern.“

Rings um die Synagoge in der Nähe des Hauptbahnhofs galt gestern die höchste Sicherheitsstufe. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Nur wer auf der Gästeliste stand, kam überhaupt in das Gebäude, und dies nicht ohne strenge Personenkontrolle.

Zentralratspräsident Josef Schuster blickte bereits in die Zukunft des einzigartigen Denkmals, das in der Reichspogromnacht 1938 ebenfalls geschändet, demoliert und in Brand gesteckt worden war, jedoch gelöscht und 1985 renoviert wiedereröffnet wurde. Schuster dankte Bund und Land, dass sie die nicht geringen Kosten der Restaurierung der Augsburger Synagoge in den nächsten Jahren übernehmen werden. „Diese Synagoge zu erhalten, lohnt sich“, rief Schuster den Festgästen zu. Und Horst Seehofer sicherte zu: „Sie dürfen sich darauf verlassen, dass dieses einmalige Gebäude auf der Höhe der Zeit saniert werden kann.“ Ohne jedoch eine bestimmte Summe zu nennen. Und Alexander Mazo, Präsident der örtlichen israelitischen Kultusgemeinde, ergänzte, an die Wunder erinnernd, dass dieser Bau den Krieg überstanden und dass Juden in diese Stadt zurückgekehrt seien: „Wir freuen uns auf ein weiteres Wunder: Nach der Sanierung werden die Sterne dieses Himmels noch heller strahlen.“

Rabbiner Brandt hielt wie sein Vorgänger 1917 eine Festpredigt auf den jüdischen Tempel in der Innenstadt. Und alle erhoben sich, als er das Bekenntnis „Höre Israel, der Ewige ist unser Gott“ anstimmte. Er erbat den Segen für das Land, auf dass seine Bewohner bewahrt würden vor Verblendung, Ungemach und Verhärtung. Und auch für alle, die über die Freiheit und den Frieden dieses Volkes wachen. Parallel zur gebauten Synagoge gebe es eine unsichtbare, geistige Synagoge im Herzen der Menschen. „Genau diesen Bau wollten die Nazis zerstören, den Geist Israels“, sagt Brandt.

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