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Wohnen

23.12.2018

Wohnraum in Bayern bleibt ein knappes Gut

Wohnungssuche in München: Vor allem in Großstädten ist der Wohnraum knapp, aber auch auf dem Land gibt es Probleme.
Bild: Peter Kneffel, dpa (Archiv)

Wer in Städten wie München eine Wohnung sucht, braucht viel Geduld und oft noch mehr Geld. Aber auch auf dem Land werde die Probleme größer.

Während sich die Wohnungsnot in den bayerischen Städten weiter zuspitzt, geht der Leerstand im ländlichen Raum langsam zurück. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei einigen bayerischen Kommunen und Landkreisen. Wie viele Wohnungen in Bayern fehlen oder leerstehen, weiß allerdings niemand so genau.

Selbst ein direkter Vergleich der Kommunen ist nicht möglich, weil es ganz unterschiedliche Messmethoden gibt. Trotzdem zeigt die sogenannte Leerstandsquote die Spannungen auf dem bayerischen Wohnungsmarkt: Damit es keine Probleme bei Umzügen oder Sanierungen gibt, müssen eigentlich drei bis fünf Prozent der Wohnungen leerstehen. Auf dem Land fällt die Quote tendenziell zu hoch aus, so wie in der unterfränkischen Gemeinde Sandberg (Landkreis Rhön-Grabfeld) mit über acht Prozent. In Städten wie München stehen aber je nach Messung nur 0,5 bis zwei Prozent der Wohnungen leer, in Nürnberg 2,5 Prozent, in Regensburg weniger als drei Prozent.

"Die Lage auf dem Wohnungsmarkt hat sich massiv verschärft", sagt Edith Petry vom Sozialreferat München. Immer mehr Menschen ziehen in die Landeshauptstadt, immer weniger können sich dort eine Wohnung leisten. Schon vor sechs Jahren sind bei der Landeshauptstadt knapp 21.000 Anträge auf eine Sozialwohnung eingegangen, aktuell sind es rund 30.000 Anwärter. Dabei können pro Jahr nur 2800 Sozialwohnungen vergeben werden. Nicht viel besser ist die Lage in Nürnberg: Ende vergangenen Jahres hatte die Stadt über 8500 Haushalte für eine Sozialwohnung vorgemerkt, aber nur gut 1000 Haushalte vermittelt.

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Auch in kleineren Städten nimmt mit der Wohnungsnot der Mietpreis zu. In Augsburg haben 2000 Haushalte Anspruch auf eine Sozialwohnung, über 4000 stehen auf der Warteliste für kommunale Wohnungen. Bei der Würzburger Verwaltung sind in den letzten beiden Jahren jeweils 1000 Anträge für eine Sozialwohnung eingegangen. Nach eigener Prognose braucht die Stadt bis 2030 rund 9400 neue Wohneinheiten.

Augsburg hat ein "Wohnbüro" eingerichtet

Die Staatsregierung versucht, mit dem Wohnungspakt Bayern die Wohnungsnot zu lindern. Binnen Jahresfrsit sollen bis zu 28.000 neue Mietwohnungen entstehen, für rund 2,6 Milliarden Euro. Ein starkes Förderprogramm, findet der Bayerische Städtetag - zumindest auf dem Papier. Tatsächlich werden Gelder nur etappenweise beschlossen und ausgezahlt, kritisiert der Augsburger Oberbürgermeister und Städtetags-Vorsitzende Kurt Gribl (CSU). "Im Frühjahr 2018 mussten Projekte zurückgestellt werden, weil Fördermittel für den Wohnungsbau bereits ausgeschöpft waren."

Die Städte weisen neue Baugebiete aus, führen Quoten für den Bau von Sozialwohnungen ein, kaufen selbst Grundstücke und bauen immer mehr Wohnungen. So mobilisiert die Stadt Nürnberg zehn städtische Flächen, um dort rund 1600 Wohnungen zu bauen. Auf dem Gelände der ehemaligen amerikanischen Kaserne in Würzburg sind dieses Jahr die ersten Bewohner eingezogen, dort sollen schon bald 4700 Menschen leben. Regensburg holt sich Hilfe bei der Ostbayerischen Technischen Hochschule und lässt Studierende Lösungen für die Nachverdichtung entwickeln. Augsburg hat dieses Jahr ein "Wohnbüro" eingerichtet, eine Anlaufstelle für Menschen mit besonderen Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche. 

Die Stadt München hofft, noch mehr leerstehende Wohnungen zu finden. "Bei Leerständen ist die Stadt überwiegend auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen", sagt Edith Petry, Pressesprecherin im  Sozialreferat München. Also hat die Stadt dieses Jahr ein Portal zur Meldung zweckentfremdeter Wohnungen eingeführt. Als zweckentfremdet gilt eine Wohnung beispielsweise, wenn sie ohne Grund länger als drei Monate leersteht. Bis Ende November sind bei dem Portal schon mehr als 400 Meldungen über leerstehende Wohnungen eingegangen. Die Stadt München geht davon aus, dass über 90 Prozent davon noch dieses Jahr wieder bewohnt werden können.

Die Stadt Augsburg baut ebenfalls ein solches Leerstandsmanagement auf, genauso der Landkreis Hof. In der Region an der Grenze zum ehemaligen Eisernen Vorhang stehen besonders viele Gebäude leer, aktuell über 400 Immobilien allein im Landkreis Hof. Die Staatsregierung hat deshalb ein eigenes Förderprogramm für die Region entwickelt. Mit der "Förderoffensive Nordostbayern" sollen die Gemeinden bei der Wiederbelebung ihrer Ortskerne mit bis zu 90 Prozent Fördersatz unterstützt werden. Das Programm läuft bis 2020, aktuell sind schon 150 Projekte angemeldet. In der oberfränkischen Gemeinde Berg (Landkreis Hof) konnte so beispielsweise schon das Ortszentrum saniert werden.

Wohnen in Bayern: Leerstände sind ein Problem

Auch die Kommunen und Landkreise selbst kämpfen seit Jahren gegen den Leerstand an. Der Landkreis Hof hat vergangenes Jahr sogar einen "Leerstands- und Immobilienmanager" in Vollzeit eingestellt. Er organisiert unter anderem Vortragsreihen, befragt die Eigentümer leerstehender Häuser und berät sie kostenlos vor Ort. Mit Erfolg, die Leerstandsquote ist schon jetzt deutlich gesunken. "Die Firmen haben investiert und Arbeitsplätze geschaffen, die Menschen bleiben hier in der Region oder kommen sogar wieder zurück", beobachtet auch Franz Löffler, Landrat in Cham. Sein Landkreis profitiert von der Förderinitiative "Innen statt Außen", die dieses Jahr vom Bayerischen Ministerrat beschlossen wurde. So erhält beispielsweise der Markt Falkenstein 1,6 Millionen Euro. In einem ehemaligen Gasthof in der Ortsmitte sollen dafür Wohnungen und Räume zur öffentlichen Nutzung entstehen.

Im Kampf gegen den Leerstand im unterfränkischen Landkreis Haßberge haben sich schon vor Jahren sieben Kommunen zusammengeschlossen. Die Gemeinde-Allianz Hofheimer Land stellt kommunale Förderprogramme auf die Beine, bietet eine kostenlose Beratung durch Architekten an und setzt sich für die Dorfläden und Gemeinschaftshäuser ein. In den vergangenen fünf Jahren ist der Leerstand auf diese Weise schon um 38 Prozent zurückgegangen.

Auch im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld gibt es immer weniger leerstehende Gebäude. Das liegt nicht nur am Fachkräftemangel und der besseren Infrastruktur. "Durch die Flüchtlingssituation ist der Leerstand in erheblichem Maße zurückgegangen", sagt Jörg Geier, Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung im Landkreis Rhön-Grabfeld. Über 800 Personen brauchen plötzlich ein Dach über dem Kopf. Für solche Situationen hat die Staatsregierung Anfang des Jahres das Projekt "Leerstand nutzen - Lebensraum schaffen" gestartet: Die Gemeinden bekommen Geld für die Sanierung leerstehender Gebäude im Ortskern, wenn dort dann anerkannte Flüchtlinge einziehen.

In der Kreisstadt Bad Neustadt an der Saale werden inzwischen sogar sanierungsbedürftige Häuser gekauft, in die noch vor ein paar Jahren niemand einziehen wollte. "Die jetzt noch leerstehenden Häuser und Wohnungen in Bad Neustadt sind fast alle nicht bewohnbar", heißt es von der Stadt. Dieses Problem kennen auch die Landkreise Hof und Cham: Es ziehen zwar wieder mehr Leute in die Region, aber die leerstehenden Häuser entsprechen nicht ihren Ansprüchen oder sind schlicht einsturzgefährdet. Also stehen auf dem Land immer noch viele Häuser leer. (dpa, lby)

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