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Diese kuriosen Geschichten passierten in Schwaben und Oberbayern

Schwaben/Oberbayern

Verehrte Schweine und wütende Promis: Diese kuriosen Fakten aus der Region sollten Sie kennen

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    Die Zirbelnuss-Kanalbrücke ist nur eine von 530 in Augsburg.
    Die Zirbelnuss-Kanalbrücke ist nur eine von 530 in Augsburg. Foto: Silvio Wyszengrad (Archivbild)

    Am 10. Oktober 1805 kam Napoleon Bonaparte das erste Mal nach Augsburg. Zu diesem Zeitpunkt war der Franzose der mächtigste Mann Europas, seit 1084 Kaiser. Nach Augsburg kam er wegen des Krieges mit Österreich, wollte von dort aus weiter nach Ulm, wo das österreichische Hauptheer stand. Am 12. Oktober wollte er nicht in der Kutsche, sondern auf dem Pferd die Lechbrücke überqueren. Es war winterlich kalt, der Boden glatt. Als Napoleon sein Pferd wenden und eine Ansprache an sein Heer richten wollte, verlor der Schimmel den Halt und rutschte aus. Napoleon fiel vom Pferd. Der Kaiser blieb unverletzt, untersagte aber sämtlichen Zeitungen, über diesen Vorfall zu berichten.

    Ob das wirklich so passiert ist? Unbekannt. Die folgenden Fakten jedoch sind belegt – wenn auch manche der Geschichten etwas ausgeschmückt sein dürften.

    Augsburg hat mehr Brücken als Venedig

    Für Augsburger ist dieser Fakt keine große Überraschung, Besucher staunen bisweilen aber nicht schlecht, wenn sie nach Augsburg kommen und feststellen, dass die Stadt voller kleiner und größerer Brücken ist. Das liegt daran, dass Augsburg ein umfangreiches Kanalsystem hat – und natürlich auch den Lech und die Wertach.

    530 Brücken sind es, die die vielen Kilometer Wasserkanäle und Flüsse überspannen. Das Wassermanagement-System in Augsburg, zu dem Wassertürme, Trinkwasserbrunnen und eben die Kanäle zählen, ist Unesco-Weltkulturerbe. Von den 530 Brücken hat man den besten Blick darauf. Besonders kurios ist zudem, dass es mit der Barfüßerbrücke in Augsburg sogar eine Brücke gibt, die man gar nicht sehen kann. Doch das ist wieder eine andere kuriose Geschichte

    Kaiserstadt Aichach

    Aichach selbst nennt sich „Herzogstadt“, ist offiziell auch keine Kaiserstadt. Aber die Kleinstadt ist eng mit dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher verbunden – und das hat nicht nur Herzoge, sondern auch Könige und Kaiser hervorgebracht.

    Ihren Stammsitz hatten die Wittelsbacher in der gleichnamigen Burg Wittelsbach im heutigen Aichacher Stadtteil Oberwittelsbach. Übrig ist von dieser Burg heute nur noch die gotische Marienkirche, die nach der Zerstörung der Burg 1209 erbaut wurde.

    In Aichach steht das sogenannte „Sisi-Schloss“.
    In Aichach steht das sogenannte „Sisi-Schloss“. Foto: Erich Echter (Archivbild)

    Zu den bedeutendsten Persönlichkeiten, die dem Geschlecht entsprangen, gehörten die Kaiser Ludwig IV. und Karl VII. Zweiterer ließ im Nymphenburger Schlosspark in München die Amalienburg erbauen, ebenso die Klosterkirche St. Anna im Lehel.

    Die bekanntesten Mitglieder der Familie sind König Ludwig II. von Bayern, der Erbauer von Schloss Neuschwanstein, und Kaiserin Elisabeth von Österreich, genannt Sisi. Ihr Vater, Herzog Maximilian Joseph in Bayern, erwarb das Schloss Unterwittelsbach in Aichach 1838.

    Eine Sau rettet Nördlingen

    Es ist das Jahr 1440 in Nördlingen. Eine Stadtbewohnerin möchte am Abend eine Kanne Bier für ihren Mann holen. Als sie am Löpsinger Tor vorbei kommt, sieht sie dort, wie eine entlaufene Sau ihr Hinterteil an einem der Torflügel reibt und stellt fest, dass das Tor nicht fest verschlossen ist. „So G‘sell, so!“ ruft sie, um die unaufmerksamen Torwächter auf ihren Fehler aufmerksam zu machen. Diese gestehen im Anschluss, dass sie vom Grafen zu Oettingen bestochen worden waren, in dieser Nacht das Tor nicht vollständig zu verschließen, damit er mit seinen Männern Nördlingen erobern könne.

    Mit prominenter Unterstützung wurde 2011 die Skulptur der Glückssau am Löpsinger Tor enthüllt.
    Mit prominenter Unterstützung wurde 2011 die Skulptur der Glückssau am Löpsinger Tor enthüllt. Foto: Ronald Hummel (Archivfoto)

    Ob sich diese Geschichte tatsächlich so zugetragen hat, ist ungewiss. Sicher ist, dass damals zwei Turmwächter verhaftet und gevierteilt wurden. Und die Nördlinger feiern ihre Glückssau noch immer. Sie ist Teil des Stadtmarketings und bis heute erklingt zwischen 22 und 24 Uhr der Wächterruf „So, G‘sell so!“ vom Turm Daniel.

    Das Günzburger Fidla

    Wer in Günzburg die Rathausgasse betritt, könnte über einen seltsam geformten Stein stolpern. Da liegt mitten in der Stadt ein Arsch. Ja, ein Hinterteil. Oder, wie es im Schwäbischen heißt, ein Fidla. Was hat es damit auf sich?

    Dieses Fidla präsentiert sich ungeniert auf dem Günzburger Marktplatz.
    Dieses Fidla präsentiert sich ungeniert auf dem Günzburger Marktplatz. Foto: Helmut Kircher (Archivbild)

    In Günzburg gab es jahrhundertelang einen stillen Krieg zwischen den Bewohnern der unteren Stadt und jenen der oberen Stadt, denen es lange besser ging, da die Habsburger nur ihren Stadtteil ausbauten. Erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges gerieten diese Vorbehalte langsam in Vergessenheit. Als der Marktplatz in der Stadt 1984 neu gestaltet wurde, fielen dem Steinmetz und einem Kunsterzieher die alte Feindschaft wieder ein. Und als kleinen Gruß an die Oberstadt verlegten die beiden heimlich ganz im Sinne von Goethes Götz von Berlichingen (“Er aber, sag‘s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“) den Stein in Form eines Hinterns.

    Der Vier-Zentner-Fürst aus Neuburg

    Auch in Neuburg saßen im sechzehnten Jahrhundert Wittelsbacher auf dem Thron, genauer gesagt die Linie Pfalz-Neuburg. Einer von ihnen, der erste Pfalzgraf Ottheinrich von der Pfalz, hat es in der Donaustadt zu besonderem Ruhm gebracht und gilt als bedeutender Herrscher. Doch der Ruhm hatte seinen Preis, denn Ottheinrich liebte den Luxus. Er reiste umher, ließ kein Turnier aus, mochte Frauen und trank gerne und viel Wein. Sein Motto war wohl „Ich meid‘ und hass jed’s leeres Fass und liebe dies voll Glas und schöne Mägdlein noch viel baß“.

    Das Nebuburger Schloss war Stammsitz des Pfalzgrafen Ottheinrich von der Pfalz.
    Das Nebuburger Schloss war Stammsitz des Pfalzgrafen Ottheinrich von der Pfalz. Foto: Winfried Rein (Archivbild)

    Auch für Kunst und Kultur interessierte er sich sehr. Neuburg machte er zur prunkvollen Renaissanceresidenz, was die Neuburger bis heute mit ihrem Schlossfest feiern. Sein Bedürfnis nach Luxus brachte ihn mehrfach bis kurz vor den Bankrott, bis er 1544 schließlich wirklich pleite war und das Land verlassen musste. Angeblich hinterließ er mehr als eine Million Gulden an Schulden. Laut dem Mittelalterrechner läge der Gegenwert in Euro (Silberwert) bei etwa 93.385.000.

    Neben dem Wein schmeckten dem Pfalzgrafen auch die für ihn zubereiteten Mahlzeiten sehr. Zum Ende seines Lebens soll er vier Zentner gewogen haben, 200 Kilogramm. Der Legende nach benötigte er ein Pferd, um in seine Gemächer im ersten Stock zu gelangen.

    Als Neu-Ulm lieber Waffen als Maffay wollte

    Am 22. Oktober 1983 protestierte eine über 108 Kilometer lange Menschenkette von Neu-Ulm nach Stuttgart gegen die Stationierung von Atomraketen vom Typ Pershing II im Wiley, einem Stadtteil von Neu-Ulm, und für den Frieden. Etwa 400.000 Menschen waren an dem friedlichen Protest beteiligt. Die Deutsche Bahn stellte Sonderzüge bereit, um Menschen aus ganz Süddeutschland zum Bahnhof nach Ulm zu bringen. Von dort wurden sie mit Bussen entlang der Strecke verteilt.

    2024 spielte Peter Maffay in der ausverkauften Neu-Ulmer Ratiopharm Arena. 1983 verließ er eine Bühne in der Stadt nach nur einem Lied.
    2024 spielte Peter Maffay in der ausverkauften Neu-Ulmer Ratiopharm Arena. 1983 verließ er eine Bühne in der Stadt nach nur einem Lied. Foto: Alexander Kaya (Archivbild)

    Nachdem die Kette wieder geöffnet wurde, strömten etwa 150.000 Menschen zur Abschlusskundgebung nach Neu-Ulm. Die glich eher einem Festival: Vor der Wiley-Kaserne spielten Musiker wie Ton Steine Scherben, Bettina Wegener, Konstantin Wecker und auch Peter Maffay. Letzterer hatte jedoch nur einen kurzen Auftritt. In der Menschenmenge entdeckte er ein Plakat mit der Aufschrift „Lieber Pershing II als Peter Maffay“. Nach nur einem Lied verließ er verärgert die Bühne – und trat mehrere Jahre nicht mehr in Ulm/Neu-Ulm auf.

    Die Atomraketen wurden trotz des Großprotestes übrigens stationiert und erst 1988 im Zuge allgemeiner Abrüstung schrittweise wieder entfernt. Am Plakat lag das wohl eher nicht.

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